Neuer Angriff der Post auf «Stopp ­– Keine Werbung!»

Die Schweizerische Post gibt nicht auf. Sie will die zahlreichen Haushalte mit Stopp-Werbung-Klebern am Briefkasten locken, gewisse Werbezusendungen doch zu akzeptieren.

Viele Haushalte in der Schweiz wünschen gar keine Werbung. Bald ist es aber möglich, ausgewählte Werbung zu akzeptieren.

Viele Haushalte in der Schweiz wünschen gar keine Werbung. Bald ist es aber möglich, ausgewählte Werbung zu akzeptieren. Bild: Keystone

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Das Briefvolumen sinkt und sinkt. Damit erodieren auch die Einnahmen der Schweizerischen Post in ihrem Stammgeschäft. Als ein mögliches Gegenmittel sieht das von Susanne Ruoff geführte Unternehmen Potenzial bei Werbesendungen. Allerdings trägt gut die Hälfte der Schweizer Briefkästen «Stopp – Keine Werbung»-Aufkleber.

Im vergangenen Jahr startete die Post einen ersten Angriff auf die Empfangsverweigerer. Doch das Angebot mit «Werbung O.K.»-Klebern, das mit einigen Gratismüsterchen von werbenden Firmen köderte, stiess auf Kritik und erzielte offenbar nicht die gewünschte Wirkung. Denn die Post versucht es nun mit einem zweiten Anlauf. Das Motto lautet «Jein zu ­Werbung».

Nein, weil der Stoppkleber nicht entfernt oder überklebt werden muss. Ja, weil fortan dennoch Werbung im Briefkasten landet, allerdings nur von Anbietern, die man selbst ausgewählt hat. In den letzten Tagen informierte die Post Haushalte, die einen Stoppkleber am Briefkasten angebracht haben. «Sie picken sich nur das heraus, was Sie wirklich interessiert, um von Neuigkeiten und Aktionen profitieren zu können», schreibt die Post in ihrer Broschüre.

Die Post werfe einem kostenlos nur Werbung von jenen Anbietern in den Briefkasten, die man online ausgewählt habe. Interessierte müssen sich auf «post.ch/angebote-auf-wunsch» registrieren. Derzeit machen erst neun Firmen mit, darunter Versandhändler wie Ackermann und Quelle oder der Detailhändler Lidl. Die Post will das Angebot laufend ausbauen. Die «Jein»-Kunden können ihre Auswahl online jederzeit anpassen.

In adressiertem Umschlag

Auf die Briefträgerinnen und Briefträger kommt keine zusätzliche Sortierarbeit mit unadressierten Werbesendungen zu. Die Post verpackt die jeweilige Werbung in einem Umschlag und adressiert diesen. Sie beteuert, den Stoppkleber für unadressierte Werbung weiterhin zu respektieren. Und die Post gebe die Adresse der interessierten Kunden auch nicht an die werbetreibenden Firmen weiter.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will das neue Angebot beobachten und dabei prüfen, ob sich die Post an die selbst auferlegten Standards und Versprechungen etwa bezüglich Datenschutz hält.

Das sagte André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft der SKS, auf Anfrage dieser Zeitung. Grundsätzlich beurteile die Stiftung für Konsumentenschutz das «Angebot auf Wunsch» aber positiv. Denn die Konsumenten könnten so auswählen, welche Werbung sie erhalten möchten, ohne ihren Briefkasten für die ­gesamte Werbeflut zu öffnen.

Dies sei ein Vorteil für die Konsumenten und die Umwelt, sagte Bähler. Zudem könne jeder Empfänger die Werbung stoppen, falls er sie nicht mehr benötige oder als zu aufdringlich empfinde.

Die «Werbung O.K.»-Aktion war von der SKS noch scharf als aufdringlich kritisiert worden. Denn wenn am Briefkasten ein Stoppkleber angebracht sei, so bringe der Besitzer klar zum ­Ausdruck, dass Werbung unerwünscht sei. Die Post hatte rund 40'000 Kunden in Bern, Lausanne und Luzern einen «Werbung O.K.»-Kleber zugestellt.

Wie viele solche Kleber an Briefkästen angebracht wurden, dazu macht die Post keine Angaben. Es sei kein Flop gewesen, hiess es. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 22.02.2016, 15:06 Uhr)

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