Nein zum «Ja zur Schweiz»
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 17.04.2012 272 Kommentare
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Wer im Inland einkauft, ist wohl der bessere Schweizer. So schreibt der SGV in einem aktuellen Communiqué: «Der Verzicht auf den Einkauf im Ausland ist mehr als ein willkommener ökonomischer Faktor. Er ist ein bewusster Entscheid und vorab ein Zeichen von Stolz auf unser Land und seine Errungenschaften.» Die Kampagne, die sich wie der Aufruf zu einem neuen Konsumnationalismus liest, vereine immerhin 300'000 Klein- und Mittelbetriebe hinter sich.
Jedoch nicht die beiden grössten Detaillisten des Landes, Migros und Coop. Diese gehen vorsichtig auf Distanz zu der Initiative. Migros-Sprecherin Martina Bosshard: «Im Grundsatz sind wir mit den Anliegen einverstanden. Als Grossverteiler sind wir daran aber nicht beteiligt, das ist ganz klar eine KMU-Kampagne, die der SGV selbstständig aufgebaut hat.» Würden Migros oder Coop eine allfällige Kampagne lancieren wollen, wäre die Organisation IG Detailhandel zuständig.
So wie Migros-Sprecherin Bosshard will auch Coop-Sprecherin Denise Stadler die SGV-Initiative im Detail nicht weiter kommentieren. Ausser, dass es sich dabei um eine «sympathische Initiative» handle.
Wird die Kampagne zum Bumerang?
SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler räumt gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet ein, dass die beiden Detailhändler wohl Bedenken wegen der Reaktion in der Öffentlichkeit haben. «Beide sind aber nach wie vor eingeladen, bei unserer Initiative mitzumachen.» Er hat nicht den geringsten Zweifel an seiner Kampagne: «Wir zeigen nicht mit dem Finger auf die Konsumenten. Wir sagen nur, dass man sich überlegen muss, was man aufs Spiel setzt, wenn man im Ausland einkauft.» Er pocht auf den negativen Zusammenhang zwischen dem Einkaufsverhalten der Konsumenten und gefährdeten Arbeitsplätzen. «Es gab zwar viel Kritik, aber unserer Ansicht nach war vor allem die Thematisierung in der Öffentlichkeit nicht geschickt.»
Ob die Kampagne wegen des teils als forsch empfundenen Tons noch zum Bumerang werden könnte? «Dazu möchten wir uns nicht äussern», heisst es von Migros. «Initiativen von anderen Verbänden beurteilen wir nicht», sagt die Coop. Markus Meiner von Verband der selbstständigen Lebensmittel-Detaillisten Veledes (ohne Migros und Coop) in Bern sagt, beide grossen Detaillisten weichen einer solchen Kampagne lieber aus. Der Grund dafür ist simpel: «So eine Kampagne kann auch den gegenteiligen Effekt haben, dass die Konsumenten deswegen erst recht im Ausland einkaufen.»
Zölle abschaffen
Für Michael Grass, Detailhandelsexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel, geht der Disput am Thema vorbei. Solche Aufrufe wie vom SGV habe es auch schon in der Vergangenheit gegeben, mit zweifelhaftem Erfolg. «Man versucht den Leuten nur ein schlechtes Gewissen zu machen.»
Seiner Ansicht nach liegt der Ball bei den Politikern. Denn die Schweiz wäre auch dann eine Hochpreisinsel, wenn der Franken zum Euro beim Kurs von 1.35 läge. Ein Ansatzpunkt für die Politik wäre die Beseitigung des Protektionismus im Agrasektors, meint Grass. Zu einem guten Teil würden die höheren Preise bei Nahrungsmitteln nämlich aus dem Protektionismus resultieren.
In den Zollfreigrenzen sieht Grass eine Benachteiligung für den Schweizer Detailhandel: «Während die Konsumenten Waren im Wert von 300 Fanken unversteuert einführen dürfen, müssen die Detaillisten dieselben Waren mit Zoll- und Mehrwertsteueraufschlag weiterverkaufen.» Dadurch werde der Einkaufstourismus subventioniert und die Detailhändler müssten draufzahlen. «Mit einer Abschaffung der Zölle könnte man eine bedeutende Verzerrung der relativen Preise bereinigen.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2012, 06:14 Uhr
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272 Kommentare
So lange der Detailhandel für den Einkauf gewisser Produkte mehr zahlen muss, als der Verkaufspreis im Ausland ist. Liegt der Ball definitiv nicht bei der Politik sondern bei den Produzenten. Die Produzenten sind es nämlich die uns in der Schweiz abzocken. Das einzige was die Politik dagegen unternehmen könnte wäre das erlauben von Parallelimporten. Antworten
300 Franken unversteuert PLUS die Kosten der Hin- und Rückreise (Zeit und Spesen), mein Herr. Dies hebt jede vermeintliche Subvention spielend auf.
Hingegen die Abschaffung von Protektionismus ist sicherlich angesagt, aber auch die gesetzliche Unterstützung im Bereiche der Parallel-Importe, welche die inländischen Preise reduzieren würden.
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