Wirtschaft

NS-Vergangenheit von Schaefflers Familie offengelegt

Nach harscher Kritik an ihrem Verhalten muss Maria-Elisabeth Schaeffler jetzt einen noch eisigeren Wind aushalten: Ein Historiker beweist die Nazi-Vergangenheit des Familienunternehmens.

Schwierige Zeit: Maria-Elisabeth Schaeffler an einer Krisensitzung zur Rettung ihres Unternehmens mit den Gewerkschaften.

Schwierige Zeit: Maria-Elisabeth Schaeffler an einer Krisensitzung zur Rettung ihres Unternehmens mit den Gewerkschaften.
Bild: Keystone

Gregor Schöllgen, ein Historiker, der sich mit der Vergangenheit des Autozulieferers beschäftigt hat, ging jetzt mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Er publizierte sie im deutschen Politikmagazin «Cicero», wie verschiedene deutsche Medien berichten. Demnach war Schaeffler während der Nazi-Zeit in der Rüstungsproduktion aktiv und beschäftigte auch Zwangsarbeiter. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte die Erkenntnisse gegenüber «Spiegel Online».

Den Auftrag an den Historiker vergab Maria-Elisabeth Schaeffler selber – allerdings bereits vor einigen Jahren. Dass sie ausgerechnet jetzt, während die Firmenchefin wegen ihrer Bitte um Staatshilfe heftig in der Kritik steht, an die Öffentlichkeit gelangen, dürfte für Schaeffler schmerzhaft sein. Allerdings sah die Patronne keinen anderen Ausweg: Gerüchte im Internet hätten sie dazu gezwungen, liess sie verlauten.

Schaeffler bezieht sich damit wohl auf die Vorwürfe, die Firma hätte menschliche Haare aus dem Lager Auschwitz für ihre Textilproduktion verwendet. Der Historiker erwähnt in seinem Bericht aber explizit, dass dafür keinerlei Beweise vorlägen.

Polnische Zwangsarbeiter beschäftigt

Schöllgen zeigt in seinem Bericht hingegen auf, dass ein Schwager von Maria-Elisabeth Schaeffler 1946 von den Amerikanern verhaftet worden war. Ihm wurde vorgeworfen, in Polen zugunsten von Nazi-Deutschland tätig gewesen zu sein und Polen um ihr Eigentum gebracht zu haben. Ein Gericht weitete den Vorwurf 1949 auf «jüdisches Eigentum» aus. Der Schwager Wilhelm Schaeffler verbrachte vier Jahre in polnischen Gefängnissen und wurde danach freigelassen.

Der Schwager habe gehandelt wie die meisten deutschen Industriellen, hält der Historiker fest. Ausserdem dürfe es als gesichert gelten, dass das Unternehmen sich gegenüber den Zwangsarbeitern korrekt verhalten habe. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2009, 17:23 Uhr

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19 Kommentare

Bruno Bänninger

13.05.2009, 13:01 Uhr
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Solche Leute müssen mit ihrem ganzen Privatvermögen für die Auswirkungen ihres Grössenwahnsinn haften. Stattdessen tragen taudende von Arbeitern die Konsequenzen. Madame Schaeffler und ihr Sohn Leben in Saus und Braus genüsslich weiter, wie eh und je. Der Staat muss nicht aufgeblasene Konzerne retten sondern Arbeiter und Familien. Wenn nicht sind schwere Unruhen absehbar. Antworten


dani kay

22.03.2009, 07:47 Uhr
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Die Aussage des Satzes: "Ausserdem dürfe es als gesichert gelten, dass das Unternehmen sich gegenüber den Zwangsarbeitern korrekt verhalten habe!" Dies entwertet das menschliche Leben und bedeutet implizit soviel wie: Zwangsarbeit wird als Gentlemansdelikt wieder Salonfähig und gehört bei Industriellen wohl zum Industriekapitäneritual. Schaeffler und Zwangsarbeit gestern und morgen? Antworten


Gerhard Eichweber

21.03.2009, 13:01 Uhr
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Frau Scheffler ist zu bewundern - und jede Unterstützung wert! Sie tat es Ferd. Piech und den Porsches gleich, die die Volkswagen-Gruppe zum Familienunternehmen machen. Nur von Unternehmern geführte Firmen schaffen und sichern - unabhängig von ihrer Grösse - nachhaltig lokal verwurzelte Arbeit, während Kapitalgesellschaften sie zerstören. Sie dienen damit Europa und seinem Vorbild für die Welt. Antworten


Dieter Wundrak

15.03.2009, 13:06 Uhr
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@Emmanuel Meier: Sie haben doch sicher schon einmal etwas von Investment Research oder Investment Banking, etc.etc. gehört. Und als ein normal pensionierter Banker konnte ich sogar ohne Forschungsauftrag sagen, dass eine Firma wie in diesem Fall Schaeffler sich da übernimmt. Sogar einzelne Medien haben gewarnt. Also, die Bank, die diesen Deal finanziert hat, machte einfach nicht ihre Hausaufgaben. Antworten


Siegfried Schneider

26.02.2009, 17:12 Uhr
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Nachtigal, ick hör dir trapsen. Jetzt warte ich nur noch auf die Forderungen nach "Wiedergutmachung". Wetten das die kommen werden? Antworten


Emmanuel Meier

26.02.2009, 09:08 Uhr
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@D. Wundrak: Ihre Differenziertheit in aller Ehre. Ich wünschte aber, sie würden den letzten Satz weglassen. Denn zum Kaufzeitpunkt konnte niemand ahnen, dass es noch weiter bergab geht! Es geht schlicht für einmal nicht um die Banken, sondern um einen strategischen Fehler der Führung! Also: Differenziertheit bitte auch gegenüber den Banken, denn wir wissen auch dort nicht genauer warum! Antworten


Emmanuel Meier

26.02.2009, 09:05 Uhr
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Alle die behauptet haben, dass die Krise eine reine Männerkrise ist, werden hier eines besseren belehrt! Wichtig ist nicht das Geschlecht, sondern der Mensch, der die Verantwortung trägt! Das kann ein Mann, eine Frau oder was auch immer sein. Wichtig ist seine Fähigkeit!!! Antworten


Bojan Antonovic

25.02.2009, 22:52 Uhr
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Wir alle sind -gemäss der obigen Logik- Nazis! Wir alle richten uns doch an die Vorgaben der Politik und der Regierung. Wem käme es den in den Sinn, sich gegen die Obrigkeit zu wenden? Vor allem, wenn man ein Familienunternehmen hat? Klingeln die Glocken? Die Obrigkeit ist eine andere. Der Rest bleibt gleich. Man wird auch dazu erzogen. Heute ist man nicht besser dran als früher. Nur ein Wunsch. Antworten


Remo Müller

25.02.2009, 21:21 Uhr
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Jämmerlich, die Frau. Als Unternehmer muss man die Konsequenzen für das eigene Handeln ertragen können. Und warum 90% Aktenanteil? Macht doch keinen Sinn. 51% hätten locker gereicht. Den Rest hätte man woanders investieren können. Vielleicht ausserhalb der Automobilbranche, deren Schräglage schon während der Zeit des hohen Oelpreises absehbar war? Diversifikation! Antworten


andi matata

25.02.2009, 20:41 Uhr
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@Dieter Wundrak, Richtig ist , - dass diese Firma wegen dem Kauf?! Uebernahme von CONTINENTAL !!! in die Krise gekommen ist, die Logik der Sache - WER KEIN GELD HAT, SOLL NICHT KAUFEN - Ende der Stange. Die einizge ware Lösung, Familie Schaeffler ENTEIGNEN. Antworten


patrik leimgruber

25.02.2009, 19:53 Uhr
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Schon interessant.. immer wenn jemand am Boden ist, wird noch mehr aufgedeckt und auf einen eingetreten! Ich denke die momentane Krise ist doch wohl genug für Schaeffler, auch wenn diese Frau vielleicht für den einen oder anderen einen Arroganten Eindruck macht.. Antworten


Ivo Bgrüetter

25.02.2009, 19:14 Uhr
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Bevor man sich ein Urteil bilden kann, sollte man die Firma und deren Besitzer schon etwas besser kennen. Schaeffler hat in Deutschland und weltweit in der Vergangenheit Tausende von Arbeitsplätze geschaffen. Es sind auch keine Spekulanten, wie Vexelberg, die eine Firma nur aushöhlen und dann die Hülle fortwerfen, es ist ein Familienunternehmen, ich schätze Schaeffler als Arbeitgeber. Antworten


Hans Schmid

25.02.2009, 18:31 Uhr
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Man mag Frau Schaeffler vieles vorwerfen, aber diese alten Geschichten von vor sechzig oder siebzig Jahren wieder aufzuwärmen, ist einfach nur lächerlich. Antworten


Patric C. Friedlin

25.02.2009, 18:05 Uhr
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Etwas irritiert erlaube ich mir, die Kollegen zu fragen: Geniessen in der BR Deutschland erfolglose Unternehmer mittlerweile ein Grundrecht auf staatliche Unterstützung? Ich bin mir gewiss, dass Herr zu Guttenberg sich nicht so vernehmen liess. Also: Obwohl das ein Paar Stimmen kostet: Lasst den Laden Pleite gehen. Sollte er partiell wertvoll sein, wird der Konkursverwalter das "at best" verkaufen Antworten


Dieter Wundrak

25.02.2009, 17:31 Uhr
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Reden wir nicht über Maria-Elisabeth Schaeffler. Von hier aus über jemanden ein Urteil abzugeben, das ist einfach unfair. Richtig ist , dass diese Firma wegen dem Kauf von Dunlop in die Krise gekommen ist. Mag sein, dass die Familie hier die grösste Schuld trägt. Wenn ich mich jedoch nicht täusche , dann musste doch eine Bank diesen Kauf finanziert haben. Und wie ist diese Bank zu beurteilen. Antworten


Karl Mrak

25.02.2009, 14:56 Uhr
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Das scheint in Deutschland auch nicht anders abzulaufen als bei uns. Die ganzen Industriellen sind Schönwetterkapitäne. Wirtschaft nur in der Uni gelernt bei Kaffee und Zigaretten. Antworten


Hans Frei

25.02.2009, 13:40 Uhr
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Verstaatlichen, Eigentümer enteignen, inkl. Konten in Lichtenstein, der Schweiz und anderen Steueroasen und dann ab in den Knast (Nerzmantel gegen Drilchuniform umtauschen). Wäre übrigens nicht ganz neu in Deutschland, ähnliches hat dort ja vor 60 Jahern schon stattgefunden. Antworten


René Müller

25.02.2009, 13:15 Uhr
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Jahrelang hat diese Familie die "Aristokratie" gespielt. Hinz da, Kunz dort. Nur Popoputzen war noch nicht dabei. Ein Kadermitarbeiter warnte schon vor zwei Jahren vor der Selbstherrlichkeit der gesammten Führungsspitze. Und nun soll der Staat helfen, und wenn alles wieder flott geht beginnt alles von neuem. Antworten


Sibylle Weiss

25.02.2009, 13:01 Uhr
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Da fällt mir nur eine "Diagnose" ein; HOCHMUT VOR DEM FALL! Da gibts nur eines. LEISE TRETEN. Dies hat natürlich auch Konsequenzen auf die Macht. Vater Staat zahlt und redet automatisch mit, kurzum, wer zahlt BEFIEHLT! Antworten




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