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«Momentan haben alle die Nase voll von der Krise»

Aktualisiert am 08.02.2011 50 Kommentare

Die UBS hat 2010 nach drei Verlustjahren erstmals wieder Geld verdient. Das Ergebnis stimmt Analysten aber nicht euphorisch. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete live von der Medienkonferenz.

«Das ist noch nicht genug»: UBS-Chef Oswald Grübel.

«Das ist noch nicht genug»: UBS-Chef Oswald Grübel.
Bild: Keystone

UBS (bru)

  • Zusammenfassung  

    Die UBS ist zurück in den schwarzen Zahlen

    Die UBS hat im vergangenen Jahr 7,16 Milliarden Franken Gewinn erzielt und damit zum ersten Mal seit 2006 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Obwohl der Bank inzwischen unter dem Strich wieder Kundengelder zufliessen, ist beim Neugeld noch keine klare Trendwende sichtbar.

    Nach drei Jahren Verlust legt die UBS wieder einen Milliardengewinn vor. Im Vorjahr hatte die UBS einen Verlust von 2,74 Milliarden Franken anmelden müssen. «Alle Sparten haben eine gewisse Verbesserung gezeigt», sagte Finanzchef John Cryan.

    Die Investmentbank erzielte im vierten Quartal einen Vorsteuergewinn von 75 Millionen Franken, nachdem im Quartal davor ein Verlust von 406 Millionen Franken in die Bücher geschrieben werden musste. Die Sparte konnte zwar ihren Ertrag steigern, sieht sich aber aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage schwankungsanfälligen Märkten ausgesetzt.

    Euro und Dollar belasten

    In der Vermögensverwaltung schlagen sich die globalen Währungsprobleme nieder. Die Höhe der verwalteten Kundenvermögen ging zwischen Ende September und Ende Dezember trotz guter Erträge aus den Finanzmärkten von 2,18 Billionen Franken auf 2,15 Billionen Franken zurück, was laut UBS an der Schwäche von Euro und Dollar zum Franken liegt.

    Nachdem die Bank im dritten Quartal 1,2 Milliarden Kundenvermögen dazugewinnen konnte, flossen ihr im vierten Quartal netto 7,1 Milliarden Franken zu. Damit ergibt sich für das Gesamtjahr noch ein Kundengeldabfluss von netto 14,3 Milliarden Franken. 2009 hatten Kunden unter dem Strich 147,3 Milliarden Franken abgezogen.

    Die Zuflüsse im vierten Quartal kamen vor allem aus Asien und den aufstrebenden Schwellenländern. Auch die Vermögensverwaltung in Nord- und Südamerika sammelte Kundengelder ein. Dazu kommen die Multimillionäre, so genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals, welche der UBS Vermögenswerte anvertrauen.

    In Europa kämpft die Bank aber immer noch um das Kundenvertrauen. Die Sparte Wealth Management, die auch vermögende Kunden in Europa betreut, habe nur «sehr geringe» Mengen Neugeld entgegengenommen, nachdem sie im dritten Quartal einen Neugeldzufluss von 1 Milliarden Franken verzeichnet habe, so die UBS.

    Kleinerer Bonus-Pool

    Ihre Kapitalbasis stärkte die UBS weiter: Die Kernkapitalquote nach Tier-1 hob sie im Verlauf des vierten Quartals von 16,7 Prozent auf 17,7 Prozent.

    Weiter gab die Bank bekannt, dass der Pool für Bonuszahlungen um 10 Prozent auf 4,3 Milliarden Franken reduziert worden und die Boni - gemäss den neuen Anforderungen der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) - zu über einem Drittel erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgerichtet werden. Die tatsächliche Höhe der Boni hängt damit auch noch von der Entwicklung des Aktienkurses der UBS ab.

    Der Personalbestand der grössten Schweizer Bank war Ende 2010 mit weltweit 64'617 Vollzeitstellen einige hundert Stellen tiefer als ein Jahr zuvor.

  • 10.20 Uhr – Ende  

    Oswald Grübel beendet die Pressekonferenz zum Jahresergebnis der UBS. Hier geht es zum Aktienkurs.

  • 10.10 Uhr – Fragen II  

    Oswald Grübel und John Cryan beantworten weitere Fragen.

    F: Das Ziel heisst immer noch: 15 Milliarden Franken Vorsteuergewinn? Halten Sie daran fest?
    A: Sie können das selber ausrechnen. Im November hören sie mehr.

    F: Die Konkurrentin Credit Suisse meint, die Eurokrise sei vorbei. Einverstanden?
    A: Eine Krise ist vorüber, wenn niemand mehr darüber spricht. Die Frage ist: Gab es jemals eine? Momentan sieht es so aus, als hätten alle die Nase voll von der Krise. Der Euro ist immer noch da. Es normalisiert sich alles wieder.

    F: Wie lange wollen Sie noch bei der UBS bleiben?
    A: Es gibt noch viel zu tun (Grübel).

    F: Zu den Geldabflüssen in Europa. Können Sie dazu Genaueres sagen?
    A: Wir können nichts dazu sagen, wir haben keine Aufschlüsselung.

  • 10 Uhr – Aktienkurs III  

    UBS-Aktie im Plus

    Nachdem die UBS fürs 2010 einen Jahresgewinn von 7,16 Milliarden Franken vermeldet hat, hat der Aktienkurs der Grossbank deutlich zugelegt. Bei Börsenstart wurden die UBS-Aktien 0,5 Prozent teurer als am Vorabend gehandelt, zwanzig Minuten später sogar fast 2,5 Prozent.

    Nach einem kurzzeitigen Hoch bei einem Kurs von 17,94 Franken gab der UBS-Aktienkurs danach wieder leicht nach. Kurz vor 10 Uhr betrug das Plus noch 1,4 Prozent. Der Leitindex SMI (Swiss Market Index) hat derweil nur minim an zusätzlicher Höhe gewonnen (+0,1 Prozent), die Aktien der Konkurrentin Credit Suisse notierten 0,5 Prozent höher als am Vorabend.

    Die Aufschläge auf die UBS-Papiere kamen zustande, obwohl die Grossbank mit ihren Zahlen zum vierten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt hat. Enttäuscht zeigen sich viele Marktbeobachter insbesondere von der Neugeldentwicklung in der Vermögensverwaltung (Wealth Management). Besser als erwartet präsentiert sich für viele Beobachter hingegen die Kernkapitalquote.

    In den Kommentaren zu den UBS-Ergebnissen streiten sich die Analysten darüber, ob der grössten Schweizer Bank die Trendwende bereits nachhaltig gelungen ist. Für die meisten Kommentatoren bewegt sich das Institut aber in die richtige Richtung.

  • 9.35 Uhr – Fragen  

    Oswald Grübel und John Cryan beantworten nun Fragen.

    F: Zum Nettoneugeld: Im 4. Quartal haben Sie einiges verbessert. Woher kam das Geld genau?
    A: Es war ein stabiles Geschäft. Wir sind in Europa zuversichtlich, wir werden Zuflüsse haben in den nächsten Quartalen. Im letzten Quartal ist vor allem aus dem asiatischen Raum Geld zugeflossen.

    F: Wie wird sich der Personalbestand in der Investment Bank entwickeln?
    A: Der Trend im Markt ist klar: Höhere Saläre. Es gibt einiges zu tun, um die Kosten zu senken. Beim Personalbestand im Investment Banking sind aber keine grossen Veränderungen geplant.

    F: Um was geht es beim Kostensenkungsplan bei der Investmentbank?
    A: Im letzten Jahr konzentrierten wir uns auf die Rekrutierung. Nun ist die Zeit der Konsolidierung gekommen. Es wird immer wieder alles neu kalibriert. Grössere Veränderungen sind allerdings nicht geplant.

    F: Halten Sie an Ihren Zielen fest?
    A: Ja, wir werden wieder Marktanteile zurückgewinnen.

    F: Wann wollen Sie zu einer Dividendenzahlung zurückkehren?
    A: Momentan gibt es noch zu viele Unsicherheiten, ob wir noch mehr Kapital im Konzern benötigen. Daher bleiben wir mit der Dividende zurückhaltend. Wir wollen so viel Kapital wie nötig bei uns behalten.

  • 9.26 Uhr – Investmentbank  

    «Alle Sparten haben eine gewisse Verbesserung gezeigt», sagte Finanzchef John Cryan. Die Investmentbank erzielte im vierten Quartal einen Vorsteuergewinn von 75 Millionen Franken, nachdem im Quartal davor ein Verlust von 406 Millionen Franken in die Bücher geschrieben werden musste. Die Sparte konnte zwar ihren Ertrag steigern, sieht sich aber aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage schwankungsanfälligen Märkten ausgesetzt.

  • 9.22 Uhr – Reaktion  

    Der Milliardengewinn der UBS bedeutet für die Stadt Zürich einen «Silberstreif am Horizont», wie es Finanzvorstand Martin Vollenwyder ausdrückt. Die städtischen Finanzen würden davon aber nur mit einiger Verzögerung profitieren.

    Sofern es für die UBS so positiv weitergehe, dürfte sich die Entwicklung frühestens 2013 bei den städtischen Steuereinnahmen bemerkbar machen, wie Vollenwyder gegenüber Radio24 sagte.

    Bis dann werde die UBS nichts an den Unternehmenssteuerertrag der Stadt beitragen, weil sie zuerst Verlustvorträge abbauen und ihre Kapitaldecke gemäss den neuen Vorschriften für das Eigenkapital von Banken ausrüsten müsse.

  • 9.18 Uhr – Nettoneugeld  

    Der Bank flossen im Schlussquartal Kundengelder von netto 7,1 Milliarden Franken verglichen mit 1,2 Milliarden Franken im Vorquartal zu, nicht zuletzt auch am Heimmarkt. Im Gesamtjahr resultierte auf Konzernebene indes noch immer ein Abfluss von 14,3 Milliarden Franken.

    Die Bank ist zuversichtlich, dass die positive Entwicklung beim Nettoneugeld im ersten Quartal anhalten wird. Auch für das volle Jahr 2011 rechnet sie mit einer «spürbaren» Verstärkung des Aufwärtstrends.

  • 9.15 Uhr – Aktienkurs II  

    Nun springt die Aktie der UBS doch noch in die Höhe. Um 9.15 Uhr notiert sie bei 17.78 Franken (+1,71 Prozent).

  • 9.09 Uhr  

    Oswald Grübel bleibt sehr optimistisch, was die zukünftige Geschäftsentwicklung angeht und übergibt an seien Finanzchef John Cryan. Er stellt die Details vor. Die UBS habe im vierten Quartal 2010 einen Reingewinn von 1,3 Milliarden Franken erzielt. (Auch hier haben die Analysten mit 1,5 Milliarden Franken etwas mehr erwartet.)

  • 9.05 Uhr – Grübel will mehr  

    Grübel hebt einige Entwicklungen hervor. Im Wealth Management habe es vor allem viel Zuflüsse aus dem asiatischen Raum gegeben. Grübel ist zuversichtlich für das laufende Jahr. Auch die Nettogeldzuflüsse haben sich weiter verbessert.

    Bei der Investment Bank habe sich die Performance deutlich verbessert. Grübel sagt aber auch: «Das ist noch nicht genug.» 2011 müsse man sich da noch erheblich verbessern.

  • 9.03 Uhr – Aktienkurs  

    Die Aktie der UBS startet leicht im Minus. Sie notiert kurz nach Handelsbeginn bei 17.48 Franken (-0.06 Prozent).

  • 9 Uhr – Start  

    Die Pressekonferenz beginnt. Anwesend sind CEO Oswald Grübel und Finanzchef John Cryan. Grübel bewertet das Resultat als «sehr vernünftig».

  • 8.55 Uhr - Analysten  

    Die von Thomson-Reuters befragten Analysten sagten für die UBS einen Jahresreingewinn 2010 von 7, 2 Milliarden Franken voraus. Die Erwartungen wurden somit erfüllt.

    Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten hatten für das Gesamtjahr hingegen einen Gewinn von 7,3 Milliarden Franken vorhergesagt. Die Schweizer Grossbank liegt knapp hinter diesen Zahlen.

  • 8.35 Uhr – Boni  

    Kleinerer Bonitopf

    Letztes Jahr war die Empörung gross, als die UBS einen Jahresverlust von 2,7 Milliarden Franken vermelden musste, ihren Mitarbeitern aber dennoch Boni in der Höhe von rund 4,8 Milliarden Franken verteilte. Nun ist es anders: Die UBS schreibt wieder Gewinne, die Boni fürs 2009 fallen aber tiefer aus als noch im Jahr zuvor.

    Der Verwaltungsrat habe fürs Geschäftsjahr 2010 einen Bonuspool von 4,32 Milliarden Franken genehmigt, teilt die Grossbank mit. Gegenüber 2009 entspricht dies gemäss UBS einem Rückgang von 10 Prozent. Mehr als ein Drittel der Boni, genau 1,55 Milliarden Franken, werden zudem aufgeschoben und erst in einigen Jahren ausbezahlt.

    Bei besonders gut verdienenden Mitarbeitern wird sogar noch ein deutlich höherer Teil des Bonus aufgeschoben. Bei Konzernleitungsmitgliedern werde 76 Prozent der Bonuszahlung nicht sofort ausgerichtet. Ihre Zuteilung erfolgt um bis zu fünf Jahre verzögert und ist zudem von den künftigen Ergebnissen der Bank abhängig.

    Strengen Verfallsbedingungen unterliegen die Boni auch bei den anderen Mitarbeitern, die inklusive Bonus mehr als 250'000 US-Dollar verdienen. Sie erhalten mindestens 60 Prozent ihres Bonus gestaffelt über drei Jahre hinweg in Form von gesperrten Aktien.

    Gemäss UBS wurde der Hebeleffekt, der je nach Geschäftsergebnis zu massiv höheren Boni führen könnte, bei den Zahlungen an Konzernleitungsmitglieder stark reduziert. Bei allen übrigen Mitarbeitern wurde er sogar gänzlich eliminiert. Die Höhe ihres Bonus hängt nur noch vom künftigen Wert der UBS-Aktien ab sowie bei einzelnen Personen auch von der Leistung ihres Bereichs.

    Mit der Neugestaltung des Bonussystems folgt die UBS den neuen Richtlinien der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Diese wurden im Herbst 2009 erlassen, nachdem die Riesenverluste der Banken eine weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst hatten.

Erstellt: 08.02.2011, 08:37 Uhr

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50 Kommentare

Franz Müller

08.02.2011, 09:13 Uhr
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Gratulation der UBS, dass sie wieder auf dem Erfolgskurs ist. Nun eine Frage: Zahlt sie nun die ihr vom Bund geleistete Hilfe (Verhinderung des Konkurses) wieder vollständig zurück? Wer gibt da eine Antwort? Ich warte! Antworten


Heinz Hug

08.02.2011, 08:36 Uhr
Melden

Wenn man die Entwicklung dieser "Vereinigten Banken" UBS in den vergangenen Monaten beobachtet, muss man feststellen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zu und her geht. 7,16 Milliarden Reingewinn nach einer Finanzspritze der öffentlichen Hand. Was kriegen nun die Geldgeber davon, die diese Banken gerettet haben? Antworten



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