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Mögliche Konsequenzen für Schweizer Finanzdiplomatie

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 05.01.2012 118 Kommentare

Der Druck auf SNB-Präsident Philipp Hildebrand steigt. Die Folgen für die Schweizer Position in den Gremien nationaler und internationaler Organisationen sowie in der gesamten Finanzwelt könnten gravierend sein.

Die Schweiz könnte im Zuge der Affäre Hildebrand einen massiven Reputationsschaden bei internationalen Organisationen erleiden: Nationalbankchef Philipp Hildebrand im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde beim WEF-Forum im Januar 2011.

Die Schweiz könnte im Zuge der Affäre Hildebrand einen massiven Reputationsschaden bei internationalen Organisationen erleiden: Nationalbankchef Philipp Hildebrand im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde beim WEF-Forum im Januar 2011.
Bild: Keystone

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Die Affäre Hildebrand schlägt auch international hohe Wellen. Die umstrittenen Devisengeschäfte der Familie Hildebrand rücken die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie deren amtierenden Präsidenten Philipp Hildebrand in ein zunehmend schiefes Licht. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit des SNB-Direktoriums, sondern auch für den Ruf der Schweiz, die in zahlreichen internationalen Organisationen vertreten ist.

Hildebrand ist nicht nur Präsident der SNB, er ist auch Vizepräsident des Financial Stability Boards (FSB). Das FSB ist eine internationale Organisation, die das globale Finanzsystem überwacht. Hinter den Kulissen wurde der Schweiz im Sommer des Vorjahres als Entschädigung für die Nichtmitgliedschaft im Klub der G-20 der FSB-Vizechefposten angeboten. Mit dem Vorteil, dass die Schweiz später doch noch der G-20 beitreten könnte. Denn für die Mitgliedschaft entscheidend ist die weltwirtschaftliche Bedeutung einer Nation. Der stellvertretende Chefposten beim FSB hat die Bedeutung der Schweiz international weiter aufgewertet.

Seit Jahren wünscht sich das Land eine Mitgliedschaft im Klub der wichtigsten Industrienationen der Welt. Diese blieb den Eidgenossen aber bisher verwehrt. Die Schweiz ist nicht zuletzt deshalb in Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der OECD und dem FSB prominent vertreten. «Als Nicht-Mitglied der G20 ist es für die Schweiz umso wichtiger, in diesen Gremien eine starke Stellung zu haben», sagt Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF).

Auf Behördenseite ist man bemüht, die Sache nicht weiter aufzubauschen. Die öffentlichen Darstellungen rund um die kolportierten Devisenpekulationen der Familie Hildebrand seien «zu dramatisch», heisst es aus Ministeriumskreisen. Bisher liege nichts vor, was die Position der SNB schwächen würde.

Politik demonstriert Geschlossenheit

Doch für Klaus Armingeon, Institutsdirektor für Politikwissenschaft der Universität Bern, ist der Ruf sowohl der obersten Währungshüterin als auch der Person Hildebrand längst ramponiert. Und er fügt hinzu: «Nicht nur das allfällige Fehlverhalten von Präsident Hildebrand ist dem Ansehen der SNB abträglich, sondern auch die politische Inszenierung», so der Politikexperte.

Sollte Hildebrand nun auch noch den Hut nehmen müssen und sein mögliches Fehlverhalten in einem langwierigen Verfahren erörtert werden, dann müsste das rasch und entschlossen passieren, meint Armingeon: «Vor allem, um einen weiteren Schaden abzuwenden.» Armingeon befürchtet massive Kollateralschäden für die Schweiz aufseiten der Politik und bei diversen Institutionen. Aus seiner Sicht wäre es daher besser gewesen, «von Anfang an die Fakten auf den Tisch zu legen und darüber offen und schonungslos zu berichten».

FSB-Führungsposten wackelt

Tatsächlich müsste Hildebrand seinen Vizechefposten beim FSB räumen, wenn er als SNB-Präsident zurücktritt. Denn die FSB-Führung setzt sich ausschliesslich aus Zentralbankern und Vertretern von Finanzministerien zusammen. Ob beim nächsten Plenarmeeting des FSB am 10. Januar in Basel der drohende Reputationsschaden diskutiert wird, liess Sprecherin Margaret Critchlow auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet offen. «Bis jetzt», wie Critchlow betont, gebe der FSB dazu keinen Kommentar ab.

Das würde wohl auch erklären, weshalb der Bundesrat Hildebrand den Rücken stärkt. Dieser sieht «keinen Grund, am Gutachten der PWC zu zweifeln». Das liess die Bundesregierung gestern Abend per Mail ausrichten. Die SNB hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) beauftragt, die Transaktionen der Familie Hildebrand zu begutachten.

Wenn Hildebrand kein Zentralbanker mehr wäre, würde die Schweiz jedenfalls eine gewichtige internationale Position in der Finanzwelt verlieren. Aus Sicht der G-20 würde die mögliche Mitgliedschaft der Schweiz damit in weite Ferne rücken.

Aufwind für Spekulanten

Auch national hätte der mögliche Reputationsschaden für die Nationalbank massive Auswirkungen auf die Schweiz und den Franken. «Wenn die Glaubwürdigkeit der SNB leidet, dann könnte es ein Risiko geben, dass die Märkte beginnen, die SNB zu testen», sagt Chefanalyst Sven Bucher von der Zürcher Kantonalbank. Internationale Investoren könnten darauf spekulieren, dass das SNB-Führungsgremium und die Politik nicht mehr geschlossen auftreten können. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.01.2012, 13:58 Uhr

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118 Kommentare

Rolf Steiner

05.01.2012, 14:29 Uhr
Melden 194 Empfehlung

Danke Herr Blocher für den imensen Schaden den er der Schweiz zugefügt hat. Ich denke das Herr Hildebrand genug Lohn erhält um sich mit Devisengeschäften bereichern zu wollen oder müssen. Ich sehe eine infame Rufschädigung, vermutlich aus Missgunst oder Gründen, die uns nur Herr Blocher verraten könnte. Antworten


Werner Brunner

05.01.2012, 14:19 Uhr
Melden 149 Empfehlung

Logisch, jetzt hat Ch.Blocher, Kaufmann , Mörgeli etc das erreicht, was Sie suchten: Destablisierung.Der Hochfinanz ist Hildebrand ein Dorn im Auge. Und die SVP mit all Ihren Millionären und Milliardären spielen Ihre finanzielle Macht aus. Gefährlich! Denn mit der Nationalbank sollte nicht gespielt werden.(Was nicht heisst, dass ich die Devisengeschäfte von Hildebrand gutheisse. Antworten



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