Kaum ein Schweizer Unternehmen setzt auf die Frauenquote
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 06.07.2011 133 Kommentare
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«Mit Frauen an der Spitze», sagte René Obermann gestern vor den Medien, «werden wir einfach besser.» Der Chef der Deutschen Telekom hat die McKinsey-Partnerin Claudia Nemat zur neuen Europachefin und die frühere Bildungsministerin von Baden-Württemberg Marion Schick zur künftigen Personalchefin gemacht – ein Jahr, nachdem er verkündet hatte, bis 2015 müsse die Frauenquote im Topmanagement auf 30 Prozent gestiegen sein. Zwingend. Der Entscheid schlug damals ein wie eine Bombe: Reine Symbolik sei das, Diskriminierung der Männer, beleidigend für die Frauen. «Wir haben auch intern alle Vorwürfe gehört, die man sich nur vorstellen kann», sagt Obermanns Sprecherin Anne Wenders.
Auch eine grosse Mehrheit der grossen Schweizer Unternehmen hält nichts von der Frauenquote, wie eine Umfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet zeigt. Der Sprecher von Nestlé bringt dies am prägnantesten auf den Punkt: «Nestlé ist gegen die Einführung von Frauenquoten; massgeblich für eine Beförderung sind Erfolg und Kompetenzen.» Statt auf Frauenförderung setzen die international tätigen Konzerne – so auch Credit Suisse, ABB, Lonza, UBS, Swiss Re, Novartis – nach eigenen Angaben auf «diversity». Also auf den «Grundsatz, dass die Mitarbeitenden ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihres Alters die gleichen Chancen haben», wie es der Sprecher von ABB ausdrückt. Credit Suisse, UBS kennen Netzwerke, in denen sich Frauen austauschen und gegenseitig fördern können. Eine Quote, so sagen zwei Personalverantwortliche im vertraulichen Gespräch, fördere Frauen nicht nachhaltig – es sei wichtiger, die Kultur des Unternehmens zu verändern.
Keine Sitzungen nach 19 Uhr
«Wir teilen diese Meinung grundsätzlich», sagt Sprecherin Wenders. «Eine Quote bekämpft erstmal das Symptom, nicht die Ursache.» Neben der Quote hat Obermann darum weitere Veränderungen eingeleitet: Sitzungen sollen vor 19 Uhr abends angesetzt werden, Mailaustausch in der Freizeit ist wenn möglich zu unterlassen, möglichst viele Stellen sollen in Teilzeit besetzt werden können. Tatsächlich zeigen die Zahlen aus dem Konzern, dass inzwischen 180 Führungsposten in Teilzeit ausgeübt werden, im Frühjahr 2010 waren es 100. Laut Wenders haben ausserdem die Anträge von Männern zugenommen, die ebenfalls flexibler arbeiten wollen. «Die Debatte innerhalb des Unternehmens hat sich von der Quote wegverschoben hin zu der Frage, wie Mitarbeiter eine neue Rolle finden können, die das Elternsein zulässt.»
In der Schweiz gibt es drei Unternehmen, die einen ähnlichen Weg einschlagen wie die Deutsche Telekom. Roche will den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis 2015 explizit von 10 Prozent auf 20 Prozent erhöhen. Auch Coop hat sich eine Quote gesetzt, die das Unternehmen allerdings nicht öffentlich nennen will. Swisscom ist dabei, eine entsprechende Strategie auszuarbeiten und will darum im Moment ebenfalls nicht näher Stellung nehmen. Neben einer Unternehmenskultur, die Frauen langfristig fördern soll, zeigt sich das Unternehmen jedoch einer Frauenquote nicht abgeneigt. «Eine Frauenquote oder ein konkretes Ziel setzt ein Signal und kann Strukturen aufbrechen», heisst es. Telekom-Chef Obermanns Sprecherin sagt: «Es ist ganz einfach so: Alle weicheren Wege haben nichts gebracht.»
Auch Angst vor Gesetzen
In Deutschland haben sich neben der Telekom auch BMW, Bayer und Allianz konkrete Ziele gesetzt – mit einer Quote. Die Unternehmen tun dies einerseits wegen des sich abzeichnenden Mangels an Fachkräften – und andererseits, weil sie gesetzliche Eingriffe fürchten. Tatsächlich hat Belgien vor vier Tagen ein Gesetz verabschiedet, das die Unternehmen zu 30 Prozent Frauenanteil in der Geschäftsleitung verpflichtet. Norwegen kennt schon länger die Vorschrift, dass börsenkotierte Unternehmen 40 Prozent Frauen im Verwaltungsrat haben müssen. Auch die Niederlande, Frankreich und Spanien planen bis 2015 die Einführung der Quote.
In der Schweiz hat die grüne Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber einen Vorstoss eingereicht, der eine Frauenquote von 40 Prozent im Management von Firmen mit mehr als 200 Angestellten verlangt. Er wird in einer der nächsten Sessionen behandelt. Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen liegt in der Schweiz bei sieben Prozent, in Deutschland bei 13 Prozent, in Schweden und Finnland bei 26 Prozent. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.07.2011, 10:18 Uhr
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133 Kommentare
Frauenquoten sind doch hirnrissig.
Von mir aus kann die Führungsetage auch zu 100% aus Frauen bestehen; allerdings sollen die Frauen die dafür nötige Kompetenz aufweisen und nicht einfach befördert werden, nur weil sie eben Frauen sind.
Antworten
Frauenquote bedeutet man MUSS !! Selbst wenn ein Mann besser qualifiziert wäre. Schwachsinn ! Was in der Politik gelten sollte, nämlich unabhängig von Geschlecht und Parteizugehörigkeit, müsste in der Wirtschaft erst recht gelten. Mit solchne stupiden Vorschlägen entfernen wir uns meilenweit davon. Antworten
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