Mit Aktien wurde man 2011 nicht reich
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Das Jahr begann zunächst mit zaghaften Kursgewinnen. Selbst das Erdbeben in Japan und die Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima Anfang März konnten die Stimmung nur kurzfristig dämpfen, auch wenn der atomare Horrorunfall zwischenzeitlich für einen argen Rückschlag sorgte. Die verhalten positive Grundstimmung hielt immerhin bis Mai an. Danach nahmen die Sorgen über die europäische Schuldenkrise Überhand und wurden zum Dauerthema in den Handelsräumen.
Im Sommer kam zeitweise Panik auf, da die Politiker unfähig schienen, die Schuldenkrise zu bewältigen. Ende Juli und Anfang August verlor der SwissMarket-Index (SMI) in nur gerade elf Handelstagen 20 Prozent. Spekulationen kamen auf, dass auch Frankreich wegen seiner Schulden ins Fadenkreuz der Finanzmärkte geraten könnte. Zudem verloren die USA die Topnote AAA für ihre Kreditwürdigkeit.
Die nach solch heftigen Einbrüchen übliche Erholung setzte auch dieses Mal ein. Dabei half auch die Einführung der Kursuntergrenze von 1.20 Franken pro Euro durch die Nationalbank Anfang September. Sie nahm damit etwas Druck von den exportorientierten Unternehmen, die unter dem starken Franken litten. Je länger das Jahr dauerte, desto resistenter erschienen die Aktienmärkte gegen weitere Schreckensnachrichten. Die happigen Kursverluste des Sommers konnten jedoch bei weitem nicht mehr wettgemacht werden. Der SMI verlor in diesem Jahr 7,8 Prozent.
Defensive Titel gefragt
Im Gegensatz zu den meisten anderen wichtigen Aktienmärkten kommt die Schweiz 2011 jedoch relativ glimpflich davon (siehe Text unten rechts). In solch unsicheren Zeiten vertrauen die Anleger auf defensive Titel. Das sind Aktien von Firmen, die dem Konjunkturverlauf nur geringfügig ausgesetzt sind. Mit dem Nahrungsmittelriesen Nestlé sowie den Pharmakonzernen Novartis und Roche wird der SMI gleich von drei defensiven Aktien dominiert – ihr Gewicht im Index beträgt zusammen knapp 60 Prozent. Was dieses Jahr half, war 2010 jedoch ein Nachteil gewesen: Im Gegensatz zu anderen Aktienmärkten hatte der SMI an Ort und Stelle getreten. Das schwache Abschneiden der Finanz- und Pharmatitel hatte die starke Performance etwa der Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont überlagert.
Im SMI haben Synthes und Roche mit Abstand am stärksten abgeschnitten. Während der Basler Pharmakonzern einen Teil seiner Verluste aus dem Vorjahr aufholte, verdankt die Medizinaltechnikfirma Synthes ihren Spitzenplatz der Übernahme durch den US-Pharmaund Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson für 21,3 Milliarden Dollar. Die beiden Schwergewichte Nestlé und Novartis gaben nur leicht nach. Die Grossbanken dagegen haben arg gelitten, wobei Credit Suisse noch stärker unter Druck kam als die UBS-Titel.
Deutlich eingebüsst haben auch die kleinen und mittelgrossen Titel. Überrundeten sie 2010 die SMI-Aktien klar, so mussten sie in diesem Jahr einen Taucher von 21 Prozent hinnehmen. Exportorientierte Firmen wie Lonza, Geberit oder Sika büssten wegen des starken Frankens und der rückläufigen Konjunktur deutlich ein. Markante Einbussen mussten als Folge von Fukushima auch die Energiekonzerne BKW und Alpiq hinnehmen.
Auch Sawiris’ Orascom verlor
Betrachtet man sämtliche Schweizer Aktien, so befinden sich auf der Verliererseite mit Mondobiotech und Cytos zwei Biotechfirmen in den vordersten Rängen. Das überrascht angesichts der Probleme der Branche nicht. Auf Platz zwei rangiert Petroplus. Dem Raffineriebetreiber wurde von den Banken diese Woche eine Kreditlinie eingefroren, was den bereits arg geschwächten Aktienkurs nochmals taumeln liess (siehe Seite 43). Unter den grössten Verlierern befinden sich auch prominente Namen wie etwa Samih Sawiris’ Orascom oder die Bekleidungsfirma Charles Vögele.
Auf den Gewinner dieses Jahres dürfte kaum jemand getippt haben. Mit einem Plus von 69 Prozent steht der waadtländische Müllereibetrieb Groupe Minoteries an der Spitze. Auf Platz zwei und drei befinden sich der IT-Dienstleister Crealogix sowie der grösste Schweizer Elektroinstallateur Burkhalter. Alle drei sind vorwiegend in der Schweiz tätig und somit dem starken Franken weit weniger ausgesetzt als Exportfirmen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.12.2011, 20:57 Uhr
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