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Migros-Bank und ZKB verscheuchen US-Kunden

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 17.07.2009 13 Kommentare

Schweizer Banken wollen US-Kunden loswerden. Die Migros-Bank verscheucht sie, indem sie Dienste einschränkt. Die ZKB wirft sie raus. Auch Schweizer mit US-Wohnsitz sind betroffen.

Reagiert nicht mehr auf Briefe, Fax oder E-Mails aus den USA: Migros-Bank.

Ausriss Migros-Bank-Kundenbrief

Verscheucht ihre US-Kunden: Die kundenfreundliche Migros-Bank.

Verscheucht ihre US-Kunden: Die kundenfreundliche Migros-Bank. (Bild: Keystone)

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Ein Kunde der Migros-Bank traute seinen Augen nicht, als er jüngst Post aus Zürich erhielt. In dem Brief, datiert vom 6. Juli, informierte die Bank den Schweizer, der in den USA lebt und arbeitet, über eine «Anpassung des Dienstleistungsangebots».

Sie bearbeite in Zukunft keine E-Mails des Kunden mehr, teilte ihm die Migros-Bank mit. Telefonate nehme sie nur noch entgegen, wenn der Schweizer sich ausserhalb der USA aufhält. Fax und Briefe nehme sie nur noch an, wenn der Versand nicht in den USA erfolgt sei. Der Kunde erhalte keine Korrespondenz mehr, diese werde in der Bank gelagert. Punkto Kundenbetreuung gebe es «keine Kommunikation in die USA» mehr, schreibt die Migros-Bank. Die Massnahmen sollen sicherstellen, dass die Bank die «gesetzlichen Auflagen» einhält.

Betroffen sind «alle Kunden mit US-Domizil», sagt Migros-Bank-Sprecherin Sophie Murbach. Das sind rund 1500, darunter viele Schweizer. Wer die Änderungen nicht akzeptiert, muss die Bankbeziehung auflösen. Wertschriften müssen zu einer anderen Bank transferiert werden. Kontokunden können ihr Guthaben auf ein andere Bank überweisen. Reagiert ein Kunde bis Ende August nicht, wird sein Wertschriftendepot gesperrt. Korrespondenz werde dann gelagert, gegen eine Gebühr von 200 Franken.

ZKB: Was passiert mit Kontokunden?

Ein anderer betroffener Schweizer ärger sich umso mehr, als er unlängst von der ZKB, die seit letztem Herbst US-Kunden abwimmelt, zur Migros-Bank wechselte. Bei der Migros-Bank habe er nichts zu befürchten, sagte man ihm damals.

Während die Migros-Bank die Dienstleistungsqualität derart einschränkt, dass ein Konto für US-Kunden unattraktiv wird, wirft die ZKB die amerikanische Klientel mit einem Wertschriftendepot aktiv raus. «Im Juni haben wir entschieden, uns bis Ende Jahr von allen in den USA ansässigen Wertschriftenkunden zu trennen», sagt ZKB-Sprecher Urs Ackermann. US-Kunden hielten rund ein Prozent der von der ZKB verwalteten Vermögen.

Schweizer in den USA betroffen

Das Gros der Betroffenen sind Schweizer in den USA. Schon ab September 2008 hatte die ZKB keine neuen US-Kunden mehr akzeptiert, die ihr Vermögen in den USA nicht deklarierten. Immerhin können Kunden mit einer Hypothek in der Schweiz diese behalten, mit dem dazugehörigen Transaktionskonto.

Ob sogar ZKB-Kunden, die nur ein Konto, aber keine Wertschriften halten, ausgesondert werden, ist noch unklar. «Bezüglich Kontokunden ist noch nichts entschieden», sagt Sprecher Ackermann. Hier warte die ZKB wie andere Banken ab, wie sich die Rechtslage entwickle. In Amerika leben rund 75'000 Schweizer.

«Nicht Zielscheibe der USA werden»

«Ich verstehe den Ärger von Schweizern, die in den USA leben und als Kunden nicht mehr erwünscht sind», sagt Martin Naville von der Handelskammer Schweiz-USA. Betroffene haben sich laut Naville jüngst beim Besuch von Bundesrätin Doris Leuthard beschwert, dass ihre Schweizer Hausbank einfach Konten geschlossen habe. Ein Schweizer Ehepaar mit Mehrfamilienhaus in der Schweiz habe sich beklagt, die Bank habe ihnen die Hypothek gekündigt. Er könne ein Stück weit auch nachvollziehen, dass der Fall UBS Schweizer Banken übervorsichtig macht: «Sie wollen unter allen Umständen verhindern, zur Zielscheibe der USA zu werden.»

Migros-Bank und ZKB sind in bester Gesellschaft. Jüngst hat Credit Suisse Kunden mit französischen Wertpapieren geschrieben, sie gebe auf Anfrage allenfalls Informationen an die französische Börsenaufsicht weiter. Die drittgrösste Schweizer Privatbank, HSBC, forderte gar von allen Kunden mit Schweizer Konto den weitgehenden Verzicht aufs Bankgeheimnis. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2009, 09:28 Uhr

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13 Kommentare

Arthur Spieser

17.07.2009, 17:07 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Was die Schweizer Banken mit ihren langjährigen US-Kunden oder in den USA lebenden Schweizer Kunden machen, ist nur noch beschämend und peinlich. Da hat man jahrelang an ihnen gut verdient und heute ekelt man sie richtiggehend aus der Bank heraus, sperrt ihnen die Konti und e-banking- Verträge und lässt sie kalt im Regen stehen. Von Anstand und Fairness keine Rede. The fine art of banking? Antworten


Lutz Merian

17.07.2009, 17:35 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es kommt wohl darauf an, wie diese schlechte Nachricht von der ZKB ihren ehemals umworbenen US Kunden mitgeteilt wrid. Das könnte ZKB CEO Scholl als oberster Verantwortlicher der Zürcher Bank gleich selbst erledigen. Verbringt er doch gerade 5 (in Worten: "fünf"!) Wochen Ferien mit seiner Familie in den USA. Sowas geht wohl nur bei einem staatlichen Betrieb wie der ZKB ... Antworten



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