Wirtschaft

Mehr als 700 US-Banken droht der Bankrott

Die Finanzinstitute in den USA sind keineswegs über den Berg. Vor allem bei Spar- und Leihkassen sowie regionalen Instituten spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Die Zahl der faulen Bankkredite in den USA nimmt zu.

Die Zahl der faulen Bankkredite in den USA nimmt zu.

Die grossen Wallstreet-Banken mögen das Schlimmste überstanden haben. Doch über 8000 Institute, die das Land mit Geschäftskrediten, Baudarlehen und Hypotheken versorgen, stehen vor riesigen Problemen: Jeder zehnte ausstehende Kredit ist in Verzug oder bereits verloren. Die staatliche Einlagenversicherung FDIC befürchtet, dass über 700 Banken akut gefährdet sind.

Das Ausmass der gefährdeten Kredite verdeutlicht, wie unausgewogen der staatliche Auskauf der Finanzindustrie nach dem Kollaps von 2008 war. Der grösste Teil der Zuschüsse kam den dominanten Banken an der Wallstreet sowie einigen führenden Regionalbanken zugute; die starken wurden dadurch noch stärker und noch dominanter. Im Land draussen aber, wo die Spar- und Leihkassen sowie regionale Institute die entscheidende Rolle spielen, hat sich die Lage drastisch zugespitzt. Noch nie seit der grossen Depression kämpften diese Banken mit so vielen gefährdeten Krediten, wie aus der jüngsten Bilanz der FDIC hervorgeht, die 1934 gegründet wurde und heute Spareinlagen bis zu 250'000 Dollar absichert. Die Banken mussten letztes Jahr 3 Prozent der Kredite als Totalverluste abschreiben. Zusätzlich sind mehr als 7 Prozent in Zahlungsverzug oder so lang ausstehend, dass sie nicht mehr als Aktiven in den Büchern geführt werden dürfen.

Fast 40 Prozent der Baukredite gefährdet

Am meisten gefährdet sind die Baukredite für Einfamilienhäuser, wovon knapp 40 Prozent auf der Kippe stehen. Als riskant gelten zudem 16 Prozent der Konsumkredite sowie 12 Prozent der Hypotheken für Einfamilienhäuser. Nach Angaben der FDIC müssen 702 Banken mit einer Bilanzsumme von 403 Milliarden Dollar als akut bedroht betrachtet werden, das sind fast dreimal mehr als Ende 2008. Wie rasch sich die Situation verschlechtert hat, geht auch aus den Zwangsschliessungen durch die FDIC hervor. 2008 noch musste die Versicherung «nur» 25 Banken schliessen und mit 15 Milliarden Dollar auffinanzieren, damit sie neuen Eigentümern übergeben werden konnten. 2009 machte die FDIC dann bereits 140 Banken dicht und schoss im Zuge der Sanierung 37 Milliarden zu. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres kamen erneut 22 Banken unter den Hammer und der Zuschuss erreichte 4,5 Milliarden, fast dreimal mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres.

Die grosse Unbekannte sind die Kredite für Geschäftsliegenschaften. Sie werden für sieben bis zehn Jahre gewährt, in der Annahme, sie regelmässig den veränderten Zinsbedingungen anzupassen. Der Markt ist indessen derart geschwächt, dass solche Umfinanzierungen kaum mehr möglich sind. Ende 2009 führten die Banken erst sechs Prozent dieser Kredite als gefährdet auf; Experten befürchten aber, dass die Ausfälle im laufenden Jahr massiv steigen. Es sei denn, der Markt erhole sich schlagartig. Damit rechnet auch die grösste britische Bank, HSBC, nicht. Im gestern publizierten Geschäftsabschluss erhöhte sie die Reserven für Kreditausfälle um neun Prozent auf 26,5 Milliarden Dollar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2010, 08:48 Uhr

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16 Kommentare

Markus Meyer

02.03.2010, 20:48 Uhr
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Wenn ein Staat Pleite geht dann gehen auch seine Banken Pleite.! Also Kein Wunder das ist die Realität Antworten


Patrick Ryf

02.03.2010, 14:42 Uhr
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@ thomas bisang Ich habe nicht von Bankern im Allgemeinen, sondern in diesem Fall von Wall-Street Bankern gesprochen. Es gilt klar zwischen redlichen Banken, die für die Realwirtschaft von Nutzen sind und den Casino-Banken, die nur noch fiktives Kapital um den Globus jagen zu unterscheiden. Die Regierung der USA wird von der Wall-Street instrumentalisiert, daher nennt man sie auch Goverment Sachs Antworten


thomas bisang

02.03.2010, 14:11 Uhr
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@Patrick Ryf Eigentlich haben die Politiker versagt, welche jedem Amerikaner ein eigenes Haus versprachen. Als Obama noch Anwalt war, hat er eine Bank verklagt, weil diese zu wenige Hypothken an finanziell schwache Haushalte vergab. Um diese Risiken nicht in den Bücher halten zu müssen, wurden sie verbrieft. Komplex, ich weiss, ist es doch einfacher auf die bösen Banken zu prügeln. Antworten


Thomi Horath

02.03.2010, 12:28 Uhr
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@ Heinz Köhli: Ich gehe mit Ihnen einig, dass in einem "normalen" System wahrscheinlich jeder sich zu helfen wüsste. Das Problem ist aber hier, das gar nicht für jeden Schuldner ein Gläubiger existiert, weil das FED Geld ausgeliehen hat (und noch immer ausleiht) welches einfach aus dünner Luft gemacht wurde. Die Folge (früher oder später) Inflation bis zum Bach runter. Antworten


Marc Heusser

02.03.2010, 12:04 Uhr
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Ist noch gar nicht lange her, haben wir unsere Revision der (AG's und GmbH) anpassen müssen - wegen den Amis - unser System ist nicht "gut" genug. Gleichzeitig werden die vermeintlich AAA Zertifikate mittels Salamitaktik über die Welt verteilt. Jetzt steht die Entwertung des $'s bevor! Wer macht Verluste? Die Ami's... wohl kaum. Ja, ja geschickt eingefädelt !! Antworten


Patrick Ryf

02.03.2010, 10:59 Uhr
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Die Wall-Street Banken haben diese Krise inszeniert um davon Profit zu machen und mehr Macht zu gewinnen. 1. Erpressung mit Bailout-Spiel, 2. Bailout-Geld wird nicht an Wirtschaft weitergereicht, sondern durch Kontraktion der Geldmenge werden kleine Banken, Firmen und Private in den Ruin getrieben. 3. WallStreet Banken üppig ausgestattet mit Steuergeldern können nun Penny on the Dollar einkaufen. Antworten


Reto Friedrich

02.03.2010, 10:47 Uhr
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die klientel der politischen parteien, die bis anhin das geld am generösesten verteilt haben, sind die, die jetzt am meisten leiden. weniger staat, weniger sozialausgaben, dafür nachhaltig. über jahre haben wir die administration und den sozialstaat ausgebaut und nun stellen wir fest, dass wir ihn so gar nicht bezahlen können. Antworten


Stephan Kunz

02.03.2010, 10:38 Uhr
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Die Subprime-Krise in den USA ist nur die Spitze eines Eisbergs, der direkt auf uns zusteuert. Die Kredit- und Schuldenwirtschaft ist zu einem Krebsgeschwür geworden, das in vielerlei Hinsicht gesunde Wirtschaftszweige befällt. Und die Mehrheit der Entscheidungsträger hat das Problem nicht erkannt. Auf zur schuldenfreien Marktwirtschaft... Antworten


philippe barbier

02.03.2010, 10:18 Uhr
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Leider ist es so - es gibt keine Win/Win-Situationen ohne Verlierer. Dass dies uns jedoch ausgerechnet unsere Lehrer und Professoren immer wieder vorhalten, empfinde ich nicht minder schlimm als was den Kreuzzügen voranging. Realitätsbezogenheit?!? Heuchelei, Egoismus und assoziale Kurzsichitigkeit - all das nur, um sich im Sonnenlichte zu WÄHNEN. Das SEIN ist dann natürlich was anderes . . . Antworten


Raffael Grassi

02.03.2010, 10:08 Uhr
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Die Marktwirtschaft zeigt ihr hässliches Gesicht - Marktbereinigungen nennt man das. Wenn man wie die USA seit Jahren auf Pump lebt, dann sind Marktbereinigungen irgendwann unausweichlich. Man wird aber Wege finden, das Unausweichliche abzuwenden...durch Inflation und Geldentwertung...die Zeche zahlen alle, die auf US-Dollars sitzen - und diese sind im Ausland. Weltgesellschaft wach endlich auf... Antworten


Peter Müller

02.03.2010, 10:03 Uhr
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Leider sind eben keine Banken gefährdet und der aufgeblähte Markt wird nicht bereinigt werden, weil der Staat und das FED wieder schnell hin rennen und alles erhalten müssen. Der wirkliche Gott unserer Gesellschaft ist nicht in einer Religion zu suchen, sondern ist der Konsum um jeden Preis! Wäre ja unvorstellbar und tragisch, wenn sich die Leute mal ein paar Jahre einschränken müssten... Antworten


Melita Zimmermann

02.03.2010, 09:57 Uhr
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Da stellt sich doch die Frage, ob es wirklich ratsam ist, die Obama/Volcker-Pläne umzusetzen und wieder ein Trennbankensystem einzuführen. Die Banken, die jetzt auf der Abschussliste stehen, sind keine Investmentbanken, aber sie haben in diesen Zeiten keine Möglichkeit Gewinn außerhalb der normalen Bankgeschäfte zu generieren. Antworten


Hans Müller

02.03.2010, 09:47 Uhr
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Die "Weltwirtschaftsmacht" USA, und zwar vom Staat über verschiedene Unternehmen bis zum Bürger, lebt schon viel zu lange auf Pump; dass dieses Kartenhaus nicht ewig Bestand haben kann ist nicht schwer zu begreifen. Diese Realität persistent zu Negieren nennt man "Realpolitik". Der Letzte macht das Licht aus... Antworten


Heinz Köhli

02.03.2010, 09:09 Uhr
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Wo ein Schuldner ist, ist auch ein Gläubiger. Auf welcher Seite ist es angenehmer, wenn es kracht ? Dass heute Staaten mit dem Rücken zur Wand und in der Schuldenfalle sitzen, ist nicht überraschend. Seit Jahrzehnten fröhnen sie dem Machbarkeitswahn und rauben dem Bürger den Willen (und die Fähigkeit), seine Probleme in erster Linie selber zu lösen. Antworten


Reinhard Schaffner

02.03.2010, 08:56 Uhr
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Was wir hier sehen, sind die Auswüchse eines vorwärtsfinanzierten Lebensunterhalts. Alle wussten es immer, aber niemand hat es geglaubt. Antworten


Bruno Waldvogel

02.03.2010, 08:31 Uhr
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Ja, das stimmt leider so. Was hier nicht erwähnt ist, dass nicht nur Banken, sondern ganze US-Staaten vor dem Bankrott stehen. Von Kalifornien hat man schon gehört. Aber was ist mit Illinois? 75% der Polizisten werden entlassen. Ebenso kommt es zu Massenentlassungen bei den Lehren. Doch was ist mit Florida, Ohio, Carolina, Oregon? 42 Staaten sind hochverschuldet. Der Big Bang kommt noch. Antworten



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