Luzerner Rohstoffhändler wegen hochgiftiger Transporte in Kritik

Laut einem renommierten britischen Fachblatt soll die Luzerner Werco Trade AG stark arsenhaltige Rohstoffe nach China exportiert haben.

Der Ursprung der Kupferladungen: Die peruanische Mine Three Doe Run, eine der grössten Minen Perus. (Meridith Kohut/Bloomberg)

Der Ursprung der Kupferladungen: Die peruanische Mine Three Doe Run, eine der grössten Minen Perus. (Meridith Kohut/Bloomberg)

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Wenn vom Schweizer Rohstoffhandel die Rede ist, fallen meist die Namen von Genf, Zug und vielleicht Lugano. In diesen Städten befinden sich die meisten der rund 500 in der Schweiz ansässigen Rohstofffirmen. In der Zentralschweiz wird der Handel mit Öl, Kupfer, Kohle und Zink abgewickelt. Dabei «fliegt» der verhältnismässig kleine Luzerner Rohstoffhandelsplatz meist unter dem Radar der Öffentlichkeit. Trafigura hat hier ihre Metallhandelsabteilung angesiedelt. Und 2014 ist der Pariser Rohstoffkonzern Louis Dreyfus Commodities mit seinem Zürcher Ableger nach Luzern umgezogen. Mit 97 Milliarden Dollar Umsatz gehört Trafigura zu den weltgrössten Rohstoffhändlern.

Nur einmal sorgte Luzern für Aufsehen: Trafiguras Tanker Probo Koala hatte 2006 Hunderte Tonnen giftigen Ölschlamms aus Kostengründen in Abidjan entsorgt. Der Giftmüll wurde illegalerweise auf diverse Halden in der ivorischen Wirtschaftsmetropole gekippt. Laut der UNO starben deshalb 15 Menschen, 30'000 Personen erlitten gesundheitliche Schäden. Erst heute wurde bekannt, dass Trafigura deshalb wegen einer neuen Sammelklage in den Niederlanden vor Gericht muss.

Verschwiegene Rohstoffbranche

Mittlerweile haben sich einige Rohstofffirmen unter dem Druck der Öffentlichkeit ein wenig geöffnet: So publiziert die inzwischen an der Börse kotierte Zuger Glencore-Xstrata immerhin jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht, letztes Jahr veröffentlichte Trafigura erstmals Angaben zu Überweisungen an staatliche Stellen, und die 2012 gegründete Zug Commodity Association (Zuger Rohstoffbranche-Vereinigung) kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit – in der aber nach wie vor immer noch sehr verschwiegenen Branche.

Kürzlich berichtete die renommierte, 1913 gegründete Londoner Fachzeitschrift «Metal Bulletin» (Eigenwerbung: The premium intelligence service for metals and steel professionals) über den Luzerner Rohstoffhändler Werco Trade AG. Titel des gebührenpflichtigen Artikels: «Einfuhr von stark arsenhaltigen Rohstoffen von Peru nach China im Jahr 2015».

Das südamerikanische Land ist reich an Bodenschätzen, vor allem Gold, Silber und Kupfer, und gehört weltweit zu den grössten Produzenten dieser Rohstoffe. Nach der Fusion mit Xstrata verkaufte Glencore seine Kupfermine Las Bambas in Peru für etwa 5,85 Milliarden Dollar aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. Dies aber auch, nachdem die Minen weltweit Schlagzeilen wegen Umweltproblemen, gewalttätiger Auseinandersetzungen und breiter Demonstrationen der Bevölkerung gemacht hatten. Trafigura ist in Peru weiterhin tätig, betreibt neben einer Erzmine auch ein Tankstellennetz und eine Hafenanlage.

«Chinas gesetzliche Importvorschriften verletzt»

«Es wurden Kupferkonzentrate im Wert von über 50 Millionen Dollar von den typischerweise stark arsenhaltigen Minen Perus nach China exportiert», schreibt «Metal Bulletin». Kupferkonzentrate sind der wichtigste Rohstoff zur Kupfererzeugung. Mindestens 8 der 40 Schiffsladungen hätten stark arsenhaltige Rohstoffe geladen, die Chinas gesetzliche Importvorschriften verletzten, heisst es weiter im Artikel. Dabei hätten die Schiffsdokumente gezeigt, dass diese Ladungen gegen chinesische Zollbestimmungen verstossen hätten. Dies sei insofern bemerkenswert, als China seit geraumer Zeit versuche, Umweltverschmutzungen zu reduzieren, und sich gleichzeitig für strengere Umweltkontrollen in der Metallindustrie einsetze.

Die britische Publikation bezieht sich dabei unter anderem auf Dokumente, die öffentlich zugänglich sind und auf der Website der peruanischen Zollbehörde Sunat aufgeschaltet sind. Dabei lassen sich 12 Schiffsladungen der in Luzern ansässigen Werco Trade AG zuordnen, weitere 18 Ladungen gehen auf das Konto der Luzerner Metco Suisse GmbH. Gründer, Verwaltungsratspräsident respektive Vorsitzender Geschäftsführer der beiden Firmen ist der Luzerner Marco Wermelinger. Laut «Metal Bulletin» ist Wermelinger ein ehemaliger Händler der MRI, die dem inzwischen verstorbenen legendären Zuger Rohstoffhändler Marc Rich gehörte. Ebenfalls für Werco tätig ist Pit Werner, der frühere Chefkupferhändler, der verantwortlich für das Amerika-Geschäft bei Trafigura war. Wermelinger sagte «Metal Bulletin», dass seine Firma Kupferkonzentrate in Peru verkaufen und finanzieren würde, aber schlussendlich nicht mehr verantwortlich sei, sobald jemand die Rohstoffe gekauft habe: «Es ist die Entscheidung und Verantwortung des Käufers, wohin der Rohstoff transportiert wird.» Wermelinger war nicht bereit, die Namen der Endkäufer zu nennen. Bekannt ist nur der Ursprung der Kupferladungen. Sie stammen aus der peruanischen Mine Three Doe Run, einer der grössten Minen des Landes. Sie gehörte früher der amerikanischen Doe Run Company, dem grössten Bleiproduzenten der Welt. Mittlerweile wurde die Mine verstaatlicht. Ob die Luzerner Firmen auch im Auftrag von Trafigura Lieferungen übernommen haben, wollte Wermelinger dem TA nicht sagen.

Intransparente Rohstoffbranche

In der weltweiten Rohstoffbranche herrscht eine komplizierte Arbeitsteilung, die grossen Akteure sind zudem mittels schwer durchschaubarer Firmengeflechte organisiert. Auch die rechtliche Seite des Rohstoffhandels ist für Aussenstehende schwer verständlich und voller Spitzfindigkeiten. So stellt auch «Metal Bulletin» fest, dass die Minen- und Händlerfirmen nicht illegal gehandelt hätten. Mit rechtlichen Folgen müssten diejenigen Firmen rechnen, die zum Zeitpunkt des Imports nach China die Ware besessen hätten. So stellt denn auch Oliver Classen von der Erklärung von Bern fest: «Da das von Werco gelieferte Kupferkonzentrat die gesetzlichen chinesischen Grenzwerte für Arsen um das bis zu 15-Fache übersteigt, war dessen Import illegal – haftbar dafür sind allerdings die Importeure der Giftfracht, in dem Fall also Wercos chinesische Abnehmer.» Gemäss den UNO-Richtlinien für Wirtschaft und Menschenrechte müssten Zwischenhändler aber sicherstellen, dass auch ihre Vertragspartner keine Umweltstandards oder Menschenrechte verletzen würden.

«Eine pauschale Verurteilung von kleinen Rohstoffhändlern ist falsch», sagt Martin Fasser, Präsident des Zuger Rohstoffhandelsverbands. Es gebe unzählige solche kleinen Händler, die sehr professionell arbeiten würden. Er sagt aber auch: «Tatsache ist, dass die Rohstoffbranche eine vergleichbare Entwicklung wie in der Bankenbranche durchmacht.» Es gebe immer mehr Regulierungen, die sich kleine Händler nicht mehr leisten können und wollen. «Die Konkurrenz durch kleine wird abnehmen.»

Die Werco Trade AG lässt dem TA ausrichten, dass der Artikel Bestimmungen des schweizerischen Bundesgesetzes gegen unlauteren Wettbewerb und die Persönlichkeitsrechte der Werco und deren Verwaltungsratspräsidenten Marco Wermelinger verletzen würde. «Metal Bulletin» würde unterschwellig unterstellen, dass Zollbestimmungen von China wiederholt verletzt oder zumindest umgangen worden seien. Erschwerend würde dazukommen, dass «in unzulässiger Weise ein Exempel statuiert wird, indem eine einzelne Unternehmung herausgegriffen wird für die Kritik an einem Geschäftsgebaren, welches, wenn schon, die ganze Branche betrifft».

Wie Wermelinger bestätigt, wurde der «Metal Bulletin»-Artikel nicht gelöscht. Die Frage, ob rechtliche Schritte gegen die Zeitschrift eingeleitet wurden, blieb unbeantwortet. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 02.03.2016, 18:36 Uhr)

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