Lufthansa-Chef Mayrhuber soll die UBS das Abheben lehren
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 08.12.2009 1 Kommentar
Als Person kommt Wolfgang Mayrhuber gut an: Er wird als bescheiden, witzig und locker beschrieben. (Bild: Keystone)
Sie würden sich hervorragend ergänzen: UBS-Präsident Kaspar Villiger und Konzernchef Oswald Grübel. Das ist die Botschaft, die die beiden jenen gern entgegenhalten, die nicht glauben wollen, dass das Alphatier Grübel über sich einen duldet, der vom Bankgeschäft wenig versteht.
Und jetzt das: Zwei Wochen ist es her, dass Grübel im Interview mit der «SonntagsZeitung» gefragt wurde, welches Profil er sich für die Besetzung der zwei vakanten Verwaltungsratssitze wünsche. Artig gab er zur Antwort: «Da habe ich nicht mitzureden.» Um gleich Klartext nachzuschieben: «Wünschen würde ich mir jemanden, der unser Geschäft versteht und unter Umständen schon darin tätig war.»
Wünsche gehen nicht immer in Erfüllung. Wolfgang Mayrhuber, neu nominiert für den Verwaltungsrat, versteht erstens nichts vom Bankgeschäft und war zweitens nie in diesem Bereich tätig. Die Ernennung kommt einer öffentlichen Ohrfeige Grübels gleich. Vermutlich hat er die Situation falsch eingeschätzt. Sonst hätte er sich im Interview kaum so weit aus dem Fenster gelehnt. Er sagte auch noch: «Es gab ja mal eine Periode, da schrie man nach total unabhängigen Leuten, die möglichst branchenfremd waren. Das war eine Fehlentwicklung.» Weiss da der Konzernchef, was der Verwaltungsrat ausheckt?
Auf dem falschen Fuss erwischt wurde offensichtlich auch die Kommunikationsabteilung der Bank. Sie hätte die Interviewpassage kaum zum Druck freigegeben, hätte sie geahnt, dass ein Flugtechniker ins Aufsichtsgremium gewählt werden soll.
Villiger zeigt Profil
Eines stellt die Nomination immerhin klar: All jene, die schon immer wussten, dass der Verwaltungsrat unter Villiger nach der Pfeife Grübels tanzt, sind jetzt eines Besseren belehrt. Das Gremium hat sich trotz Grübels öffentlicher Anweisungen für Mayrhuber entschieden. Villigers Begründung: «Wolfgang Mayrhuber hat sich in seiner fast 40-jährigen Laufbahn in einem global tätigen Unternehmen umfangreiche Führungserfahrung angeeignet. Er ist eine weit über seine Branche hinaus anerkannte Persönlichkeit und bringt neben seiner operativen auch strategische Expertise aus verschiedenen Tätigkeiten in Aufsichtsgremien mit.»
Mayrhubers Verdienste in der Luftfahrt sind unbestritten. Die Lufthansa steht besser da als die Konkurrenz. Sie schreibt trotz Krise immer noch schwarze Zahlen. Als Erfolgsausweis Mayrhubers gilt auch die Übernahme der Swiss. Ein deutscher Aviatikjournalist hegt gar den Verdacht, dass die UBS nur deshalb auf den Namen Mayrhuber aufmerksam geworden ist. «Weil das mit der Swiss gut gekommen ist, sieht man in ihm den grossen Strategen.» Dabei sei es der frühere Swiss-Chef Christoph Franz gewesen, der die Übernahme erfolgreich umgesetzt habe.
Als Person kommt Mayrhuber gut an. Er wird als bescheiden, witzig, locker beschrieben – als einer, der auf die Mitarbeitenden zugeht. Das bestätigt auch Urs Eicher, Präsident von Kapers, dem Verband des Kabinenpersonals. Er sei volksnah, nahbar und auf dem Teppich geblieben. «An einem Lufthansa-Fest tanzte er an vorderster Front.»
Franz als besserer Mayrhuber
Überhaupt scheint Franz als heutiger Stellvertreter Mayrhubers seinem Chef das Wasser abzugraben. In einem Internetartikel auf dem Portal Airline-Bewertungen.eu ist etwa zu lesen: «Das einstige Denkmal Mayrhuber hat zwischenzeitlich nicht nur Risse, sondern es bröckelt in allen Bereichen.» Auch der genannte Aviatikjournalist kritisiert, dass Mayrhuber oft die Augen vor der Realität verschliesse. So habe er zu lange negiert, was im Markt mit den Billigairlines abgehe. Dabei umgebe er sich vorzugsweise mit Leuten, die ihm nach dem Mund redeten.
Genau das kritisiert auch der erwähnte Artikel. Mit Franz würde offen über alles geredet. «Hatte man doch vorher gegenüber dem österreichischen Kaiser nur den obligatorischen Kniefall geübt»: Eine Anspielung auf die Herkunft Mayrhubers, der im März 1947 in Oberösterreich zur Welt kam. 1970, vor knapp 40 Jahren, begann er seine Lufthansa-Laufbahn als Ingenieur in der Triebwerkinstandhaltung in Hamburg. Seit 2003 ist er Konzernchef. Nächstes Jahr wird er dieses Amt niederlegen.
Die Wahl Mayrhubers in den UBS-Verwaltungsrat soll an der Generalversammlung im April vollzogen werden. Er ersetzt einen der beiden dann frei werdenden Sitze von Sergio Marchionne beziehungsweise Peter Voser. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.12.2009, 04:00 Uhr
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1 Kommentar
Seit wann geht es denn bei Ausichtsratsposten um Mitglieder, die etwas bewegen sollen. Es geht doch einzig darum, die Klappe zu halten und die Taschen zu füllen. Wenn wenn man das schön uns brav gemacht hat, kann der Vorstandsvorsitzende sich schon auf einen Platz im Aufsichtsrat bei der Lufthansa freuen. Diesen wird Herr Mayerhuber ja bald anführen... Antworten
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