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Lohnopfer: Nicht nur Rieter will auf dem Buckel der Angestellten sparen

Von David Vonplon. Aktualisiert am 03.08.2009 24 Kommentare

Rieter-Mitarbeiter sollen freiwillig auf zehn Prozent ihres Lohnes verzichten. Das Beispiel könnte Schule machen: Je länger die Krise anhält, desto mehr Unternehmen werden vom Personal Sparopfer verlangen.

«Mit Sicherheit kein Einzelfall»: Rieter-Hauptsitz in Winterthur.

«Mit Sicherheit kein Einzelfall»: Rieter-Hauptsitz in Winterthur.

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Das Rieter-Personal soll künftig für weniger Geld arbeiten - und so zur Gesundung des angeschlagenenen Winterthurer Konzerns beitragen. Das ist ein Novum: Von keinem anderen Unternehmen ist bis heute bekannt, dass auch Mitarbeiter der unteren Hierarchiestufen Lohnopfer leisten müssen. Andere krisengeschüttelte Firmen wie Georg Fischer oder Kuoni setzen den Rotstift vor allem beim Salär der Führungskräfte an - deren Boni werden gestrichen, deren Gehälter gekürzt.

Trotzdem gibt es Hinweise, dass nicht nur bei Rieter, sondern auch in anderen Firmen auf dem Buckel des Personals gespart wird. «Rieter ist mit Sicherheit kein Einzelfall», erklärt ein Consultant, der Unternehmen in Not berät und anonym bleiben will, «bei Sanierungen ist ein solidarischer Lohnverzicht immer wieder ein Thema – auch für Mitarbeiter der unteren Gehaltsstufe.»

Öffentlichkeit erfährt nichts

Das glaubt auch Barbara Gisi, Sprecherin des Kaufmännischen Verbandes Schweiz: Sie geht davon aus, dass auch anderswo Lohnverzicht-Deals abgeschlossen werden - vor allem in kleineren Firmen. Nur erfahre die Öffentlichkeit davon nichts: Die betroffenen Mitarbeiter scheuen sich oft, den Kontakt zu den Angestelltenverbänden aufzunehmen oder an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie Angst haben. Zu recht, wie Gisi findet: «Aus ihrer Sicht könnten sie so die Entlassung herausfordern.»

Rieter betont, der Lohnverzicht geschehe auf freiwilliger Basis und sei gleichsam ein solidarischer Akt. Deshalb werde er auch von einem Grossteil der Belegschaft mitgetragen. Doch auf Seiten der Arbeitnehmer will das niemand so recht glauben: Weigert sich ein Mitarbeiter, die Lohnkürzung hinzunehmen, wird sein direkter Vorgesetzter darüber in Kenntnis gesetzt. Für Unia-Gewerkschafter Beda Moor ist deshalb klar: «Er kommt auf eine schwarze Liste - zumindest in den Köpfen der Vorgesetzten.»

Wie Moor hält auch Gisi nichts von Lohnkürzungen bei der Belegschaft – auch weil der betriebswirtschaftliche Nutzen fragwürdig sei: «Das Sparpotenzial auf den unteren Gehaltsstufen ist gering. Ergiebiger wäre es, die Löhne des Managements stärker zu kürzen.» Zumal sich die Lohnopfer des Personals nicht mit der Streichung der Boni von Kadernmitarbeitern vergleichen liessen: «Boni sind von Natur aus vom Geschäftsgang abhängig, der Lohn nicht.»

Kurzarbeit kommt an ein Ende

Anders sieht man das freilich auf Arbeitgeberseite: Von einem «Ausnahmefall» spricht Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. Er will nicht ausschliessen, dass auch andere Unternehmen, die wegen des drastischen Nachfrageeinbruchs in eine Zwangslage geraten seien, von ihrem Personal Lohnkürzungen verlangen. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass diese Massnahmen flächendeckend in der Wirtschaft angewandt werden.

Weniger optimistisch ist Stefan Studer, Geschäftsführer vom Verband Angestellte Schweiz. Er befürchtet, dass auch andere Firmen, die hart von der Krise erfasst wurden, Sparopfer vom Personal verlangen könnten. Nicht zuletzt in der krisengeplagten Textilbranche: «Bei vielen Firmen kommt die Kurzarbeit langsam an ein Ende. Einige arg gebeutelte Firmen müssen sich nun nach neuen Lösungen umsehen.» Noch seien solche Instrumente allerdings nicht allzu weit verbreitet. «Dies könnte sich aber ändern, wenn die Krise anhält.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2009, 15:35 Uhr

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24 Kommentare

Paul Thürig

03.08.2009, 19:50 Uhr
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Lieber befristet etwas weniger Lohn in der Zahltagstüte zu haben,als den Job ohne Sozialplan zu verlieren! So geschehen bei zwei Massenentlassungen von über 150 Mitarbeitenden, z.B. bei Pro Ciné Colorlabor AG,Wädenswil. Antworten


Martina Diener

03.08.2009, 17:52 Uhr
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Klassisches Beispiel für ein Unternehmen geführt von Managern versus Familienunternehmen mit einem Patron: Während der Patron viel Geld für schlechte Zeiten auf die Seite legt und bei Bedarf wieder einschiesst, haben die Manager die Millionen mit beiden Händen abgeschöpft und auf nimmerwiedersehen der Firma entzogen. Der dumme ist der Arbeiter. Aber 10% weniger Lohn vorübergehend geht OK. Antworten



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