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Lindt & Sprüngli schreibt Pralinen-Geschichte

Aktualisiert am 01.03.2012 12 Kommentare

Trotz weniger Umsatz hat Lindt & Sprüngli 2011 mehr verdient und damit die Analysten überrascht. Der Schokoladenhersteller konnte seine Marktanteile weltweit ausbauen – mit einer Ausnahme.

Noch nie hatte Lindt und Sprüngli einen höheren Marktanteil im Schweizer Pralinengeschäft: Pralinen des Schweizer Schokoladenherstellers. Bild: Patrick Gutenberg

Noch nie hatte Lindt und Sprüngli einen höheren Marktanteil im Schweizer Pralinengeschäft: Pralinen des Schweizer Schokoladenherstellers. Bild: Patrick Gutenberg

Spitzenverdiener Tanner

Lindt & Sprüngli hat Konzernchef Ernst Tanner das Salär versüsst. Insgesamt erhielt er für das vergangene Jahr eine Gesamtentschädigung von etwas über 8 Millionen Franken. Damit erhöhte sich seine Bezahlung gegenüber dem Vorjahr um gut 1 Millionen Franken, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Tanner gehört damit erneut zu den bestbezahlten Schweizer Spitzenmanagern. Im Einzelnen setzt sich die Vergütung aus einem Fixlohn von 1,3 Millionen Franken, einem variablen Bonus von 1,6 Millionen Franken sowie übrigen Bestandteilen in Höhe von 0,6 Millionen Franken zusammen. Dazu kommen Optionen im Gegenwert von 1,8 Millionen Franken sowie Aktien von 2,7 Millionen Franken.

Zusätzlich zu seiner Entschädigung als Konzernchef erhält Tanner für seine Funktion als Verwaltungsratspräsident weitere 260'000 Franken in bar. Die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung sowie der erweiterten Geschäftsleitung - gesamthaft sieben Personen - wurde 2011 mit insgesamt 11,2 Millionen Franken entschädigt. (sda)

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Lindt & Sprüngli (LISN 39765 -1.41%) hat 2011 ein zart-bitteres Resultat erzielt: Zwar gelang dem grössten Edelschokoladenhersteller der Welt der drittbeste Reingewinn der 166-jährigen Unternehmensgeschichte. Für den bitteren Beigeschmack sorgte allerdings die Franken-Stärke. Die Schuldenkrise und die instabilen Währungen vieler Staaten hätten weitherum bei Konsumenten und beim Detailhandel für Unsicherheit und Zurückhaltung gesorgt, sagte Lindt & Sprüngli-Chef Ernst Tanner auf der Bilanzmedienkonferenz in Kilchberg ZH. Viele Geschäfte seien gerade im wichtigen Weihnachtsgeschäft vorsichtig mit Bestellungen gewesen.

Dennoch habe Lindt & Sprüngli die langfristigen Ziele erreicht. Die Verkäufe in Lokalwährungen seien um 6 Prozent gestiegen, während die Schokoladenmärkte stagniert hätten oder geschrumpft seien, erklärte Tanner. Der Konzern habe Marktanteile gewonnen. Einen Strich durch die Rechnung machte allerdings der starke Franken. Dieser sorgte für einen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent auf 2,489 Milliarden Franken. Ohne die Franken-Aufwertung wäre der Umsatz seit dem Rekordjahr 2007 insgesamt gut ein Viertel höher, sagte Tanner.

Mehr Gewinn

Dennoch hat der Konzern im vergangenen Jahr mehr verdient, weil die Kosten gesenkt wurden. Der Betriebsgewinn legte um 1 Prozent auf 328,7 Millionen Fr. zu. Unter dem Strich konnte Lindt & Sprüngli den Reingewinn um 1,9 Prozent auf 246,5 Millionen Fr. steigern. Damit ist das Unternehmen nicht mehr allzu weit von den Boomjahren 2007 und 2008 entfernt, als Lindt & Sprüngli mehr als 250 Millionen Fr. Reingewinn eingefahren hatte.

Besonders erfreulich sei das Geschäft in den wichtigsten Ländern USA ( 9,7 Prozent), Deutschland ( 7 Prozent) und Frankreich ( 10,3 Prozent) verlaufen. In der Schweiz konnte Lindt & Sprüngli um 1,4 Prozent zulegen, während der hiesige Schokoladenmarkt um 3,2 Prozent geschrumpft sei, sagte Tanner. Beim Verkauf von Pralinen habe man hierzulande den höchsten Marktanteil der Unternehmensgeschichte erzielt. Und der letztes Jahr eingeführte Schokoladenbär habe das Weihnachtsgeschäft beflügelt.

Schokobär soll Goldhase werden

Der neue Lindt-Teddybär solle ebenso zur Ikone des Weihnachtsgeschäft werden wie es der Goldhase im Ostergeschäft sei, sagte Tanner. Man habe bereits im ersten Jahr über 30 Millionen Bären weltweit verkauft. Zum Vergleich: Von den Goldhasen gingen rund 150 Millionen Stück über den Ladentisch. Positiv habe sich auch der Absatz in Hongkong entwickelt, das für den Schokoladehersteller ein wichtiger Zugang zum chinesischen Markt ist. Lindt & Sprüngli will den Chinesen Schokolade schmackhaft machen. Diese greifen bisher kaum zu.

Ein Chinese esse im Durchschnitt nicht mal eine Tafel Schokolade pro Jahr (100 Gramm), während die Schweizer 12 Kilogramm davon verdrückten, sagte Verkaufschef Uwe Sommer im Gespräch. Der chinesische Schokolademarkt sei lediglich gleich gross wie der Schweizer. Auch in weitere Länder wolle Lindt & Sprüngli expandieren. Als Beispiele nannte Tanner Russland und Brasilien. Im vergangenen Jahr habe der Konzern schon eine Tochtergesellschaft in Südafrika gegründet. Lindt & Sprüngli wolle ein Netz von eigenen Läden in schnell wachsenden Schwellenländern aufbauen.

Fürs laufende Jahr zeigte sich Tanner trotz der düsteren Konjunkturwolken optimistisch: «Wir wollen weiterhin schneller wachsen als die Schokoladenmärkte.» Für 2012 rechnet der Konzerchef mit einem Umsatzanstieg um 6 bis 8 Prozent und einer besseren Betriebsgewinnmarge. Dadurch dürfte der Konzernumsatz bis 2017 um 1,5 Milliarden Fr. klettern.

(wid/sda)

Erstellt: 01.03.2012, 08:34 Uhr

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12 Kommentare

Heidi Boser

01.03.2012, 09:35 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

Die aggressive Strategie von Lindt + Sprüngli täuscht noch über ein zunehmendes Problem hinweg: auch wenn ich im Coop Kilchberg (!), eine Lindt-Schokolade kaufe, muss ich auf der Rückseite im Kleingedruckten nachsehen, ob diese Tafel nicht etwa in Frankreich oder Italien hergestellt wurde. Diese Verunsicherung wird nicht besser, wenn man auf Teufel komm raus immer mehr produzieren will. Antworten


Alois Krieger

01.03.2012, 09:39 Uhr
Melden 7 Empfehlung 1

Der Franken wird international noch recht günstig werden, wenn wir die 1.20 zum Euro beibehalten. Die EZB fängt erst gerade mit dem Gelddrucken an.
Die SP Politiker und Gewerkschafter können dann ihren Büezer erklären, wieso sie mit ihren Renten nichts mehr kaufen können. Sie überboten sich ja mit ihren Zielen für den Franken. Hauptsache im nächsten Jahr wenig Arbeitslose und gewählt werden.
Antworten



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