Wirtschaft
Licht aus für Edisons Vermächtnis
Ein Pionier im Geschäft mit dem Licht: Thomas Edison.
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Er war vor 130 Jahren nicht der Erste, der sie erfand; doch sein Patent war das erste, das sich als tauglich für die Produktion erwies. Thomas Edisons Modell der Glühlampe war der Vorbote des Elektrizitätszeitalters. Bald löste Edisons Patent Kerze, Gas- und Öllampe als Lichtquelle Nummer eins ab und forcierte so die Elektrifizierung der Städte. Doch so rasch, wie sie zum Ende des 19. Jahrunderts Einzug in die Haushalte der entwickelten Welt hielt, so schnell wird sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder aus ihnen verschwunden sein.
Eine EU-Richtlinie
Ab September dürfen klare Glühbirnen ab 75 Watt sowie alle mattierten Glühbirnen nicht mehr verkauft werden. So will es eine EU-Richtlinie, welche die Schweiz in ihre revidierte Energieverordnung vom Juli 2009 aufnahm. Ein explizites Verbot schreibt die Verordnung indes nicht vor. Sie fordert die Erfüllung von Energieeffizienzklassen (A bis G). Mattierte Birnen müssen demnach ab Mittwoch die sparsamste Klasse A, die klaren Birnen ab 75 Watt die Klasse C erfüllen, was beide schlicht nicht können, da herkömmliche Glühbirnen in den Klassen D bis G liegen. Schrittweise wird so bis 2012 Edisons Vermächtnis erlöschen.
Doch warum übernimmt die Schweiz diese Glühbirnenregelung der EU? In der Union gilt die Verordnung bereits seit September 2009. Vorbild ist Australien, das schon 2007 ankündigte, ebenfalls ab 2010 den ineffizienten Stromfresser Glühbirne abzuschaffen. Die Politik hat hier ein massives Einsparpotenzial an Kohlendioxid ausgemacht, hilfreich beim Erreichen der hochgesteckten Klimaziele.
Schweiz in punkto Energiesparen voraus
Die Schweiz zieht nun ein Jahr später als die EU nach. Nicht nur Umweltverbände, auch die Marktführer unter den Glühbirnenherstellern, Osram und Philips, forderten zuvor die Anlehnung an den Kurs der EU. Migros und Coop fingen bereits 2009 an, die Glühlampe vor der Zeit aus den Regalen zu nehmen.
Energiepolitisch betrachtet ist die Übernahme der EU-Linie nur konsequent, denn abgesehen von den Glühlampen war und ist die Schweiz der EU in punkto Energiesparen stets einen Schritt voraus. So schreibt die Gesetzgebung bei Waschmaschinen, Trocknern, Backöfen, Kühl- und Tiefkühlschränken sowie weiteren Haushaltgeräten strengere Stromsparrichtlinien vor oder regelt Bereiche, an denen die Union noch arbeitet.
Import aus EU
Vor diesem Hintergrund ist es einleuchtend, dass die Schweiz ihrer eigenen energieeffizienten Linie treu bleibt und Regelungen auch für Haushaltslampen beschliesst. Doch warum sie allein in diesem Punkt gleich eins zu eins die Richtlinie der EU übernimmt, liegt wohl noch an einem anderen Faktor: dem Schweizer Import von Haushaltslampen. Dieser geschieht nämlich zum grössten Teil aus der EU. «Wir haben keinen grossen einheimischen Hersteller von herkömmlichen Glühlampen», sagt die Sprecherin des Bundesamts für Energie (BFE), Marianne Zünd.
Für ein weltweit tätiges Unternehmen, so der Sprecher von Osram Schweiz, Rudolf Bosshard, hätte es sich nicht gelohnt, extra für einen kleinen abweichenden Markt Schweiz inmitten eines sonst regeltechnisch homogenen Markts EU zu produzieren. «Das wäre für den Detailhandel schwierig geworden», sagt Zünd.
Zeit für den Notvorrat
Die energiesparenden, langlebigen Alternativen zur herkömmlichen Glühlampe seien ein Vorteil für die Konsumenten. «Warum sollten wir also zuwarten?», so Denise Stadler, Sprecherin von Coop, über die vorzeitige Umstellung des Sortiments. So sei das Unternehmen auch nicht von einem Stichtag betroffen gewesen und konnte Restbestände in Ruhe abverkaufen. Dadurch habe man auch keine Hamsterkäufe erfahren, meint Stadler. Ähnliches hört man bei Migros, die rollierend von den herkömmlichen auf die Sparlampen umstellt.
Anders als beispielsweise das Elektrohaus Boner in Basel, das noch heute und morgen die betreffenden Lampen führt. «Kürzlich hat eine Dame für 2300 Franken Glühlampen eingekauft», sagt die Mitarbeiterin Kathrin Grieder. Einige Kunden legten sich Notvorräte an, sagt auch Rahel Schönenberger vom Lampen-Shop in Sissach. Dennoch würden wohl Reste im Lager übrig bleiben, die nach morgen nicht mehr verkauft und nur noch weggeworfen werden können.
Zwar gebe es fast für jede herkömmliche Birne einen sparsamen Ersatz, ein qualitativer Unterschied sei dennoch ersichtlich, so Schönenberger. Gerade bei den matten Lampen, die übermorgen ganz verschwinden, «kann dieser Welten bedeuten». Zudem seien die Kunden verärgert, weil sie die Energiesparlampen wegen eines geringen Quecksilberanteils aufwendiger entsorgen müssten, so Kathrin Grieder.
Hoffnung auf Preisabfall
Für die herkömmlichen Glühbirnen spricht zumindest im Hinblick auf Energieeffizienz nicht viel. Nur rund fünf Prozent der eingesetzten Energie wird in Licht umgewandelt, der Rest heizt die Umgebung. Energiesparlampen haben hier deutlich bessere Werte. Sie sind zwar aufgrund aufwendiger Produktion teurer, halten aber dafür um einiges länger und sind im Verbrauch deutlich ökonomischer. Unter dem Strich ergibt sich so eine Ersparnis für den Konsumenten. Ausserdem besteht die Hoffnung, dass durch grösser werdende Mengen aufgrund des Verschwindens der Glühlampe der Preis noch fällt.
Die Glühlampenrichtlinie kennt aber auch, wie fast jede Verordnung, ihre Ausnahmen. Die neuen Mindestanforderungen gelten so nicht für Speziallampen, für die es noch keinen Ersatz gibt oder deren hauptsächlicher Betriebsgrund nicht der ist, Licht zu erzeugen. Unter diese Ausnahmeregelung fällt auch das Sortiment eines in Basel produzierenden Unternehmens. Die Fabrik für Kleinglühlampen AG stellt unter anderem Lampen für Backöfen, Signal- und Liftanlagen, Velos, Autos, Mikroskope oder Telefone her. «Wir sind zum Glück nicht betroffen», sagt die Geschäftsführerin der AG, Judith Jenny.
Sparpotenzial
Die EU verspricht sich von ihrer Richtlinie Einsparungen von 32 Millionen Tonnen Kohlendioxid, elf Millionen Euro oder 80 Terawattstunden pro Jahr, was ungefähr dem heutigen Jahresstromverbrauch von Belgien entspricht. 2014 sollen der Prozess evaluiert und technische Entwicklungen berücksichtigt werden. Auch hierbei wird die Schweiz mitziehen. Doch zunächst werden im September 2012 die letzten Glühlampen aus den Regalen verschwinden. Dann müssen alle Birnen die Energieeffizienzklasse C erfüllen. Von den herkömmlichen kann das keine.
Der alte Thomas Edison wirds wohl nicht gern hören. Die Glühlampe, 1880 patentiert, ist nämlich neben dem Akku und dem elektrischen Stuhl eine seiner wenigen Erfindungen, die von ihrem Prinzip her unverändert die Zeit überdauert hat – bis jetzt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 30.08.2010, 15:17 Uhr
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