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Lehman-Pleite: 70 Milliarden Dollar verschollen

Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 02.10.2008

Die Zahl der Hedge-Funds, die in die Lehman-Falle tappten, steigt. Das UBS-Milliarden-Paket ist nicht das einzige, das spurlos verschwunden ist.

Der ehemalige UBS-Chef Luqman Arnold befindet sich in illustrer Gesellschaft. Wie seine Investmentgesellschaft Olivant, deren 1,5 Milliarden Franken schweres UBS-Aktienpaket unauffindbar ist, fahnden Hunderte von Hedge-Funds nach den Wertschriften, die sie bei der Pleitebank Lehman Brothers eingelagert haben. Wie viel Geld auf dem Spiel steht, ist unklar. PriceWaterhouseCoopers, die Lehman-Konkursverwalterin in Grossbritannien, macht keine Angaben dazu. Bekannt ist nur, dass PWC versucht, 8 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln zurückzubekommen, die die US-Muttergesellschaft Lehman vor ihrem Kollaps aus ihrer britischen Tochter abgesaugt hat.

Ein Insider, dessen Hedge-Funds Lehman als Prime-Broker nutzte, schätzt den Umfang der eingefrorenen Konten auf 50 bis 70 Milliarden Dollar, berichtet die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Verschiedene Hedge-Funds haben den Braten frühzeitig gerochen. In der Woche vor dem Konkurs wurde die Hälfte aller Prime-Broker-Vermögenswerte von Lehman abgezogen. Prime-Broker stellen Hedge-Funds und Investmentgesellschaften Fremdkapital gegen Sicherheiten zur Verfügung und streichen dafür einen Zins ein.

Die Zahl der Lehman-Opfer steigt

Erstes Opfer dieser Entwicklung ist der 1987 gegründete Hedge-Funds Oak Group. «Wir werden den Betrieb wahrscheinlich einstellen und die Firma liquidieren müssen. Das Spiel ist aus», sagte Oak-Chef John James gestern. Seine Firma hat eigenen Angaben zufolge 70 Prozent des Anlagekapitals beim britischen Lehman-Ableger liegen. Ironie der Geschichte: Der in Chicago ansässige Hedge-Funds hatte den Umweg über Grossbritannien gewählt, weil er dort mehr Kredit erhielt als bei US-Prime-Brokern. Was sich jetzt rächt.

Wie viele Hedge-Funds von der Lehman-Pleite betroffen sind, weiss niemand. Medienberichten zufolge befinden sich darunter bekannte Namen wie GLG, Augustus Asset Management, Brevan Howard Asset Management und Ramius. Ihr Problem: Ihre Wertschriften sitzen fest. Womöglich haben sie mit deren Transfer zu Lehman sogar ihre Eigentumsrechte verwirkt, schreibt die Konkursverwalterin PWC.

Experten befürchten, dass es nun zu einer Panikreaktion unter Hedge-Funds kommen könnte. Gemäss dem Nachrichtendienst Dow Jones versuchen über tausend Hedge-Funds, ihre Wertpapiere von ihren Prime-Brokern zurückzuziehen, um so ihre Risiken wieder in den Griff zu kriegen. Dies könne das Ende des bisherigen Prime-Broker-Systems sein, sagt Sameer Shalaby vom Hedge-Funds-Datenlieferanten Paladyne. Die Hedge-Funds müssten sich verstärkt die Frage stellen, wie sie ihre Risiken auf mehrere Prime-Broker aufteilen könnten. Profiteure dieser Entwicklung seien Universalbanken wie UBS oder CS. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2008, 10:26 Uhr

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