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Langenthaler Firma will Polster liefern

Von Mirjam Comtesse/sda. Aktualisiert am 14.05.2010

Die Langenthaler Textilfirma Lantal hat das geplante Interieur für die neuen Doppelstockzüge der SBB mitentwickelt. Nun hofft sie, dass sie die Sitzbezüge und Teppiche für die Doppelstöcker auch selbst herstellen darf.

Design-Entwurf für die Sitze in der zweiten Klasse. Die Lantal Textiles in Langenthal hat die Innenausstattung  mitentwickelt und -produziert.

Design-Entwurf für die Sitze in der zweiten Klasse. Die Lantal Textiles in Langenthal hat die Innenausstattung mitentwickelt und -produziert.
Bild: zvg

Bombardier baut Züge

Der kanadische Konzern Bombardier hat das Rennen gemacht: Er erhält den grössten Auftrag in der Geschichte der SBB und baut 59 Doppelstockzüge für 1,9 Milliarden Franken. Dies sind 436 vollklimatisierte Wagen mit über 36'000 Sitzplätzen.

Der Entscheid ist gemäss SBB klar ausgefallen. Zwar haben laut SBB-Chef Andreas Meyer auch die beiden Mitkonkurrenten Stadler Rail und Siemens Angebote «auf gutem Niveau» gemacht, doch Bombardier habe sowohl beim Komfort für die Kundinnen und Kunden als auch bei der Wirtschaftlichkeit am besten abgeschnitten: Die Züge kosten die SBB 1,9 Milliarden Franken statt der budgetierten 2,1 Milliarden.

Siemens und die Stadler Rail von SVP-Nationalrat Peter Spuhler reagierten enttäuscht. «Hocherfreut» zeigte sich dagegen der Bombardier-Konzern. Er will in der Schweiz insgesamt 300 neue Stellen schaffen. sda

«Wir werden alles daransetzen, dass wir die Sitzbezüge für die neuen Doppelstockzüge liefern können», sagt Urs Rickenbacher. Er ist der Chef der Langenthaler Firma Lantal, die Webstoffe für Verkehrsbetriebe, also Flugzeuge, Bahnen, Busse und Kreuzfahrtschiffe, herstellt.

Am Mittwoch haben die SBB bekannt gegeben, dass der kanadische Konzern Bombardier ihre 59 neuen Doppelstöcker für den Fernverkehr bauen darf (siehe Kasten). Noch unklar ist aber, wer für das Interieur zuständig sein wird. Rickenbacher macht sich grosse Hoffnungen, dass seine Firma den Zuschlag erhält: «In den letzten ein bis zwei Jahren und insbesondere in den letzten Monaten haben wir sehr intensiv mit den SBB zusammengearbeitet. Wir haben das Innendesign für die neuen Züge mitentwickelt und -produziert», erzählt er. «Deshalb wissen wir genau, was die SBB wollen.» Dazu gehört etwa, dass sich die Stoffe für die Sitze und Teppiche leicht reinigen lassen, einfach im Unterhalt sind und nur schwer Feuer fangen.

Lantal muss sich anstrengen

Doch der Auftrag ist keineswegs gesichert. Denn die SBB müssen Grossaufträge international ausschreiben. «Wir gehen davon aus, dass dies Ende Jahr oder Anfang des nächsten Jahres geschehen wird», meint Rickenbacher. Er ist guten Mutes, dass seine Lantal Textiles das Rennen macht: «Ich habe gehört, dass die SBB fertig konfektionierte Sitzüberzüge möchte. Wir könnten bereits bezogene Schaumstoffe für die Sitze liefern – sowie Teppiche und Lätzli für die Kopfstützen.» Wie viel Geld dies in die Kassen spülen würde, kann Rickenbacher nicht sagen: «Es ist noch nicht bestimmt, welche Zugwagen genau mit welchen Textilien ausgestattet werden. Ausserdem könnten die SBB und Bombardier nicht nur eine, sondern zwei Firmen mit der Lieferung beauftragen.»

Auch «wilde» Ideen

Bei der Entwicklung des Interieurs hat die SBB gemäss Rickenbacher verschiedenste Varianten geprüft. «Farblich waren mutige Ideen dabei, und auch einige Muster waren sehr gewagt», erzählt er. «Doch meistens entscheiden sich Grossunternehmen letzten Endes für eine eher konservative Aufmachung.» Ein Beispiel: In der Luftfahrtindustrie schlage Lantal immer wieder bewusst hellere Farben vor. Schliesslich wollten die Auftraggeber aber die Klassiker Blau, Grau oder Grün.

Kabelloses Internet für alle

Die Züge der neusten Generation versprechen unabhängig vom Design einen hohen Komfort. So soll es unter anderem an allen Sitzplätzen Steckdosen und kabelloses Internet geben. In Tunnels sowie beim Kreuzen von Zügen sollen zudem geringere Druckwellen als bis anhin entstehen.

Ganz neu ist die sogenannte Wankkompensation. Die Tests mit dieser Technologie beginnen im Herbst. Fahrplanmässig kommen ab 2013 zwei derart ausgerüstete Züge zum Einsatz – zuerst im Intercity-Verkehr auf der Achse St.Gallen–Genf. Von der Wankkompensation verspricht sich die SBB eine 10 bis 15 Kilometer schnellere Fahrt in den Kurven.

Im Gegensatz zum Neigezug, der sich in Kurven rund 8 Grad neigt, soll sich der Bombardier-Zug um höchstens 2 Grad neigen. Die Fahrzeit zwischen Zürich und St.Gallen sowie zwischen Bern und Lausanne könnte damit auf unter eine Stunde fallen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2010, 07:25 Uhr

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