Wirtschaft

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Kleinlieferant im Clinch mit Swatch

Von Rahel Guggisberg, Jon Mettler. Aktualisiert am 11.11.2010 1 Kommentar

Die Swatch Group hat eine Betreibung im Haus. Es geht um ein neues Verfahren zum Bedrucken von Armbändern. Die Streitsumme beträgt 65'000 Franken. Betreibender ist ein Kleinbetrieb aus Flamatt.

Ärger mit der Swatch Group: Otto Stalder    streitet mit dem
Uhrenkonzern um eine Rechnung von 65'000 Franken.

Ärger mit der Swatch Group: Otto Stalder streitet mit dem Uhrenkonzern um eine Rechnung von 65'000 Franken.
Bild: Urs Baumann

Stichworte

Als Otto Stalder aus der Presse erfährt, dass die Swatch Group (UHR 366.2 -1.21%) ein Betreibungsverfahren gegen die UBS einleiten will, reagiert er mit Unverständnis. «Für Verluste bei Finanzanlagen geht der Uhrenkonzern auf die Barrikaden und droht mit Klagen», ärgert sich der Chef der Otto Stalder&Partner AG mit Sitz in Flamatt FR. «Doch selber zeigt sich Swatch als wenig kulant.»

Was ist geschehen? Stalders Unternehmen, spezialisiert auf das Bedrucken von Spezial- kunststoffen, hat für die Swatch Group in den vergangenen Jahren Testdrucke für sogenannte Heisstransfer-Decorfolien ausgeführt. Dieses von Stalder selbst entwickelte Verfahren wurde erstmals zum Bedrucken von Armbändern gebraucht.

Weitere Zusammenarbeit

Ein schriftlicher Auftrag für die Erstellung von Testdrucken zwischen der Swatch-Tochtergesellschaft ETA und Stalder&Partner AG für die Jahre 2007 und 2008 liegt vor. Diese Kosten in Höhe von 28'000 Franken hat die Swatch Group bis Ende März 2008 beglichen.

«Es kam jedoch in der Folge bis ins Jahr 2010 zu weiteren Zusammentreffen zwischen Stalder und der Swatch und zu Arbeiten an diesem Projekt», sagt Stalder. Er habe Filme und Folien erstellt und Swatch habe ihn zu weiteren Treffen nach Sion eingeladen, wo er Swatch-Mitarbeiter beriet. Zudem habe er jeweils Protokolle erstellt, und er habe Swatch Möglichkeiten für Einsparungen aufgezeigt. Er gibt zu bedenken, dass er während den vorvertraglichen Verhandlungen mündliche Aufträge erhalten habe, welche die Swatch Group nun verleugne. Aber: Ein schriftlicher Vertrag für die Aktivitäten nach März 2008 liegt nicht vor.

Die Zusammenarbeit wurde im Mai 2010 abrupt beendet, als die ETA Stalder mitteilte, dass sie einen Rückzieher macht. Als Grund gab die ETA an, Stalder&Partner habe keine konkurrenzfähige Offerte geschickt. Darum habe sich die ETA entschieden, das Projekt Heisstransfer-Decorfolien mit Stalder nicht mehr weiterzuverfolgen.

«Die entstandenen Kosten und rund 500 Arbeitsstunden meiner Firma will die Swatch nicht mehr übernehmen. Es kann doch nicht sein, dass wir Arbeit und Beratung der Swatch-Gruppe kostenlos gemacht haben», so Stalder. «Rechtlich bestand ein Auftragsverhältnis. Ich habe darauf vertraut, dass ein Grosskonzern wie Swatch Aufwände vergüten wird», so Stalder weiter. Die involvierten Personen der ETA wüssten genau, dass nicht alles unter kostenlose Bemusterung falle.

Insgesamt stellte Stalder der Swatch Group für erbrachte Leistungen knapp 65'000 Franken inklusive Mehrwertsteuer in Rechnung. Zudem verlangt das Unternehmen eine Entschädigung für den Knowhow-Transfer, von dem die Swatch Group im Rahmen des Projekts profitiert hat.

Der Uhrenkonzern bestreitet in einem Briefverkehr mit der Stalder&Partner diese Kosten. Stalder hat deshalb am 4.August 2010 die Swatch Group betrieben.

Vertrauen gerechtfertigt?

Roger Lerf, Stalders Anwalt, ist überzeugt, dass hier ein Fall der sogenannten Vertrauenshaftung vorliegt: «Der Rechtsgrundsatz Culpa in Contrahendo regelt die schuldhafte Verletzung von Pflichten aus einem vorvertraglichen Schuldverhältnis. Hier liegt ein ausservertraglicher Vertrauensschaden vor», so Lerf. Stalder sei im Hinblick auf einen Vertrag für die Swatch tätig geworden, weil er darauf vertraute, dass ihm der Grosskonzern die Kosten erstattet.

Es habe zwischen der Stalder und der Swatch bereits in den Neunzigerjahren eine Zusammenarbeit gegeben. Diese Tatsache zeige, warum Stalder dem Grosskonzern ohne schriftlichen Vertrag vertraute. Auch damals habe man nur auf mündlichen Vereinbarungen basiert.

Swatch verteidigt sich

Die Swatch Group bestreitet Stalders Vorwürfe. Firmensprecherin Béatrice Howald verweist auf die beiden bezahlten Rechnungen in Höhe von 28'000 Franken. Die nachträgliche Forderung von 60'000 Franken sei «ungerechtfertigt». Wie viel Zeit ein potenzieller Zulieferer aufwende, um die Vorteile seines Produktes darzulegen, liege im Ermessen des Zulieferers.

Auch den Tatbestand der Culpa in Contrahendo sieht Howald nicht erfüllt: «Die Ausgangslage war klar dargelegt, ein Pauschalbetrag für die erbrachten Leistungen ausgehandelt und der Betrag bezahlt worden.» Die Testphase sei ordnungsgemäss abgelaufen, es seien zu keiner Zeit Rechte verletzt worden, die nachträgliche Forderungen oder Schadenersatz rechtfertigten würden.

Stalder dagegen will an seiner Betreibung festhalten und nötigenfalls gegen die Swatch Group klagen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.11.2010, 08:37 Uhr

1

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Hans Sütter

11.11.2010, 13:25 Uhr
Melden

Ein wunderbares Beispiel dafür, dass man auch einem noch so langjährig bekannten Geschäftspartner nicht blind vertrauen kann. Schriftlich ist immer noch das Wahre. Denn wenns ums Geld geht, dann wird plötzlich alles verleugnet. Schade, dass die Swatch Group sich hier um 65.000 Franken ziert und auf der anderen Seite Gewinne in Millionenhöhe fährt. Das Image der Swatch dürfte wieder Kratzer haben. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.