«Keiner lässt sich gern raufbluffen»
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Roche gibt im Preispoker um die Übernahme des amerikanischen Gentechnikspezialisten Illumina nach: Der Basler Pharmakonzern erhöhte heute seine Offerte von 44,50 auf 51,00 Dollar in bar pro Aktie. Die Illumina-Führung hatte das vor zwei Monaten lancierte Übernahmeangebot über insgesamt rund 5,7 Milliarden Dollar als «krass unangemessen» bezeichnet. Gehen die Illumina-Aktionäre auf das neue Angebot ein, würde Roche die Übernahme nun über 6,5 Milliarden Dollar kosten. Der Verwaltungsrat von Illumina hielt sich am Donnerstag in einer ersten Stellungnahme zurück. Er riet den Aktionären, auch die aufgebesserte Offerte vorerst nicht anzunehmen. Der Verwaltungsrat werde das Angebot prüfen und den Aktionären «zu gegebener Zeit» eine Empfehlung unterbreiten.
Der Genentech-Deal
Es war die grösste Übernahme in der Schweizer Firmengeschichte: Der Pharmakonzern Roche übernahm nach monatelangem Tauziehen seine US-Biotechnologietochter Genentech komplett. Für 46,8 Milliarden US- Dollar kaufte Roche 2009 die restlichen Genentech-Anteile von 44 Prozent.
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5,7 Milliarden Dollar ist der Basler Pharmakonzern Roche (ROG 251 1.62%) bereit für die amerikanische Gentechfirma Illumina zu zahlen. Der Haken daran: Die umworbene Braut ziert sich, wenn nicht zu sagen: weigert sich. Nun gingen die Roche-Oberen über die Bücher und legen nochmals eine knappe Milliarde drauf. Und wie ist die Reaktion? Der Verwaltungsrat von Illumina riet den Aktionären, auch die aufgebesserte Offerte vorerst nicht anzunehmen. Der Verwaltungsrat werde das Angebot prüfen und den Aktionären «zu gegebener Zeit» eine Empfehlung unterbreiten. Der Grund ist klar: Möglicherweise lässt sich noch mehr aus dem Basler Pharmamulti herausholen. Der Fall erinnert an Roches noch grössere Übernahme von Genentech im Jahr 2009 (siehe Box links).
Was wie ein Spiel am Pokertisch klingt, ist ganz einfach «eine Frage des richtigen Preises», sagt ein M&A-Experte (Mergers & Aqusitions, Anm. der Redaktion), der nicht namentlich genannt werden will. Wenn die unternehmerische Strategie hinter der Kaufabsicht klar sei, verringere dies das Risiko, dass man sich zu überhöhten Angeboten verleiten lasse. Für den Kenner ist klar: «Keiner lässt sich gern raufbluffen.»
Das M&A-Fieber
Trotzdem: Preisübertreibungen bei Übernahmen kommen immer wieder vor, vor allem aber bei feindlichen. In der Branche spricht man auch vom sogenannten M&A-Fieber. Es ist nicht einfach, eine geplante Transaktion sausen zu lassen, vor allem, wenn schon viel Arbeit in die Sache gesteckt wurde.
Damit Fehlkäufe nicht passieren, braucht es in einem Unternehmen «Checks and Balances», sprich gegenseitige Kontrollen. Die operative Führung handelt zusammen mit Beratern solche Deals aus. Dann wird die Sache dem Verwaltungsrat zur Begutachtung und zur Genehmigung vorgelegt.
Ein Angebot ablehnen ist auch ein Risiko
Beispiele für gescheiterte oder wenig gelungene Übernahmen gibt es dennoch genug: Von der Mutter aller Übernahmen war gemeinhin die Rede, wenn das Wort auf den Zusammenschluss von Vodafone und Mannesmann fiel. 200 Milliarden Euro bezahlten die Briten in einer historischen Übernahmeschlacht für den deutschen Konzern. Es war die Zeit des Dotcom-Booms. Später folgte die Ernüchterung und mehrere Dutzend Milliarden schwere Abschreiber auf den Deal. Vodafone litt jahrelang unter den Nachwehen.
Bei Übernahmepokern geht aber nicht nur der Bieter ein Risiko ein. Auch beim anvisierten Übernahmekandidaten wird man sich das Vorgehen genau überlegen müssen. Also, ob man ein Angebot ablehnt oder annimmt. Ein solcher Fall war vor rund 10 Jahren Baumgartner Papiers, wobei ein amerikanischer Käufer ein Angebot unterbreitete und so der Aktienkurs auf über 1000 Franken anstieg. Nach Ablehnung durch das Management der Westschweizer Firma sank der Aktienkurs innert zweier Jahre auf rund 100 Franken. «In solchen Fällen muss sich der Verwaltungsrat kritische Fragen des Aktionärsrats gefallen lassen», sagt der Experte.
Illumina wird sich die Haltung genau überlegen müssen
Womit wir wieder beim Fall Roche wären. Illumina wird sich laut Kennern solcher Geschäfte nicht beliebig zieren und den Preis nach oben treiben können. Sollte nämlich Roche von der feindlichen Übernahme absehen, würde der Aktienkurs möglicherweise rasch wieder sinken, was dem Verwaltungsrat der amerikanischen Firma unangenehme Fragen aufhalsen würde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.03.2012, 06:11 Uhr
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