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Junger Mann, was nun?

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 19.05.2012 39 Kommentare

Der Börsengang von Facebook ist geschafft, Mark Zuckerberg ist Milliardär. Ist damit alles erledigt? Für die Zukunft tun sich vor allem vier Problembereiche auf.

Kleiner Knopfdruck bringt grossen Gewinn: Mark Zuckerberg läutet am Firmensitz in Menlo Park die Nasdaq-Glocke für den Börsengang. (18. Mai 2012)

Kleiner Knopfdruck bringt grossen Gewinn: Mark Zuckerberg läutet am Firmensitz in Menlo Park die Nasdaq-Glocke für den Börsengang. (18. Mai 2012)
Bild: Reuters

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Facebook: Das grösste soziale Netz geht an die Börse

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Der Börsengang von Facebook ging am Freitag, 18. Mai 2012 über die Bühne. Es war der zweitgrösste Börsengang aller Zeiten.

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Facebook (FB 26.25 0.46%) ist das letzte einer Reihe erstaunlicher Jungunternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley. In wenigen Jahren hat Mark Zuckerberg aus einem Studententreffpunkt die weltweit führende Social-Media-Plattform und nebenbei rund tausend Mitarbeiter zu Millionären gemacht. So weit, so gut. Doch erscheint die Zukunft von Facebook weniger gesichert als die hohen Gewinne der Gründergeneration.

Umstritten und heisst diskutiert sind vor allem vier Punkte: Einnahmen, Nutzerverhalten, Management und politische Verankerung von Facebook.

Umsatz und Gewinn: Zuckerberg hat zugesichert, dass die Plattform «gratis ist und es immer sein wird». Tatsächlich konnte Facebook nur deshalb über 900 Millionen Nutzer binden, weil es eine globale Vernetzung erlaubt, ohne einen Rappen zu kosten. Doch wie kann ein Unternehmen Gewinn erzielen, das sein Kerngeschäft kostenlos anbietet? Die immens hohe Bewertung deutet darauf hin, dass Investoren von neuen, noch nicht ausgeschöpften Umsatzmöglichkeiten ausgehen.

2011 stammten 85 Prozent der Gewinne von 3,7 Milliarden Dollar aus Werbeeinnahmen von Firmen; doch gesichert ist dieser Geldstrom nicht. Der Autohersteller GM etwa hat seine 10 Millionen Dollar für Werbung gestrichen, weil er sie als völlig wirkungslos betrachtete. Facebook weist zwar 900 Millionen Nutzer aus, aber ein Drittel davon sind fiktiv. Und Werbung findet immer lokal statt, nie global.

Deshalb erkundet Zuckerberg neue Wege. Letzte Woche begann das Unternehmen, die Nutzer in Neuseeland mit zwei NZL-Dollar zu belasten, wollten ihre «Friends» weiterhin vollen Zugriff auf ihre Mitteilungen haben. Dies ist eine gefährliche Gratwanderung für eine Firma, die sich als kostenlose Plattform anpreist. Eine weitere Option ist die Entwicklung kostenpflichtiger Anwendungen. Mit dem Zukauf des Fotoaustauschdienstes Instagram hat Zuckerberg den ersten Schritt in diese Richtung getan. Doch bleibt die mobile Verfügbarkeit von Facebook und die entsprechende Werbung ein Schwachpunkt.

Politik: Facebook wird die gleichen politisch heiklen Erfahrungen machen wie andere dominante Anbieter der digitalen Welt. Wettbewerbshüter und Datenschützer haben Microsoft, Apple und Google umso gnadenloser untersucht, je grösser sie wurden und je mehr sie ihre Dominanz ausspielen wollten. Im grössten Wachstumsmarkt der Welt, China, ist Facebook bereits unerwünscht. Im Westen ist der Datenschutz mit Abstand das am schwersten zu lösende Problem.

Facebook hat zwar einen grossen und gefährlichen Datenklau bislang vermieden. Doch ist das Unternehmen immer wieder gezwungen, seine Richtlinien und Kontrollen anzupassen und zu verschärfen. Dies verunsichert die Nutzer und führt zu einem gewissen Überdruss. Umfragen zeigen, dass die Nutzer von Facebook der Datensicherheit weniger Vertrauen schenken als bei Apple, Google, Twitter oder Microsoft.

Facebook versucht daneben seinen politischen Einfluss in den USA mit Lobbyarbeit in Washington zu erhöhen; und zwar mehr, als dies Apple je hätte machen müssen. Auch spenden Facebook-Manager mehr als je direkt an politische Kampagnen. Das börsenkotierte Unternehmen hat offenbar seine politische Unschuld eingebüsst.

Management: Das Schicksal von Pionierfirmen ist vom Können und Wissen ihrer Gründer abhängig. Google holte den erfahrenen Eric Schmidt, um die Gründer Larry Page und Sergey Brin als Manager sattelfest zu machen. Steve Jobs war zwar der Vordenker, doch schaffte er es, ein hervorragendes Team von Managern zu bilden und zu behalten, das Apple auch nach seinem Tod steuert.

Was macht Zuckerberg ist in dieser Hinsicht? Ihm zur Seite steht vor allem Sheryl Sandberg, sie stiess von Google zu Facebook, hält das Unternehmen innen zusammen und vertritt es nach aussen. Zudem hat Zuckerberg für strategische Fragen Marc Andreessen. Der Netscape-Erfinder sitzt im Verwaltungsrat und spielt als Mentor eine zentrale Rolle.

Dennoch erscheint das Management nicht voll gefestigt. Zuckerberg hat in der Vergangenheit viele seiner engsten Mitarbeiter enttäuscht. Wenn nun nach dem Börsengang gegen 1000 Angestellte mehr als eine Million Dollar kassieren können, ist nicht ausgeschlossen, dass eine Reihe der erfahrensten Leute gehen werden.

Nutzer: Facebook bewegt sich mit seinen 900 Millionen Nutzern auf völlig unerforschtem Gelände. Wie es mit den unterschiedlichen Kulturen und Bedürfnissen der Nutzer umgeht, ist ebenso unklar wie die Frage, wie Facebook den Übergang in den nächsten Entwicklungszyklus schafft.

Andere Pionierfirmen, die auch einen Hype erlebten, sollten Warnung sein: AOL, Yahoo, Ebay, Myspace. The «Next Big Thing» kommt immer schneller; die Treue der Kundschaft ist limitiert. Zuckerberg muss zeigen, ob er ähnlich wie Steve Jobs seine volle, ungeteilte Aufmerksamkeit der Qualität und dem Design seines Produkts schenken kann.

Das Einzige, was die Investoren in den letzten Wochen gesehen haben, war ein ungeduldiger junger Mann, der lieber einen Hackathon mit seinen Mitarbeitern anführt, als sich kritischen Fragen zu stellen. Und der sich nach wenigen Minuten verabschiedet, um sich um Frau und Hund zu kümmern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2012, 10:07 Uhr

39

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39 Kommentare

Andreas Meier

19.05.2012, 10:27 Uhr
Melden 79 Empfehlung 0

Nachdem Kursverlauf von gestern, steht für mich fest - Facebook dürfte wohl einer der grössten Börsenflops der jüngeren Geschichte werden! Niemand kann derzeit einen vernünftigen Wert einschätzen - da niemand weiss, wieviel Facebook in Zukunft verdienen wird, noch ob die Benutzer der Firma treu bleiben?! Die Aktie ist schlicht und einfach eine heisse Kartoffel..;-)! Antworten


Fritz Miehl

19.05.2012, 10:49 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

Es ist schon beachtenswert wie ein Unternehmen das nachweisslich gegen Datenschutzgesetze verstösst- wieso erfasst und speichert FB Daten dritter, die in, z.B. Kontakten von Mitgliedern vorhanden sind, die aber selbst keine Mitglieder sind, überhaupt- über seinen angeblichen Geldwert in den Medien derart hofiert wird! Ein weiteres untrügliches und traurigmachendes Zeichen für unsere Degeneration! Antworten



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