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Ist BP schon verloren?

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 02.06.2010 18 Kommentare

Politisch kommt der Ölkonzern BP zunehmend unter Druck. An der Börse gilt die Aktie des angeschlagenen Riesen wegen ihres Kurszerfalls zunehmend als Schnäppchen. Selbst Übernahmegerüchte werden laut.

Cardow, The Ottawa Citizen

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Die Wut in den USA über den Ölkonzern BP (BPAM 5.1 -0.10%) wächst täglich. Bisher haben sich alle Hoffnungen zerschlagen, dass es dem Multi gelingt, den Ölausfluss im Golf von Mexiko zu stoppen. Das hat sich auch im Aktienkurs von BP niedergeschlagen. Am Dienstag ist die Aktie an der New Yorker Börse um 15 Prozent abgestürzt, an der Londoner um 13 Prozent. Auslöser war, dass die US-Regierung an diesem Tag zivil- und strafrechtliche Untersuchungen gegen BP eingeleitet hat.

Seit dem Ausbruch der Katastrophe am 22. April hat die BP-Aktie beinahe 40 Prozent an Wert verloren. Die Börsenkapitalisierung des Unternehmens ist – gemessen an den Kursen in New York – um rund 70 Milliarden Dollar auf 114,3 Milliarden Dollar geschrumpft. Dieser drastische Wertverlust liegt deutlich höher als die bisher schlimmsten Schätzungen dazu, was die Krise BP am Ende kosten könnte. Bisher hat der Ölmulti 990 Millionen Dollar für seine Versuche aufgewendet, den Schaden zu beheben, und für Entschädigungszahlungen. Von «Bloomberg» befragte Analysten gehen von möglichen weiteren Kosten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar aus – dabei ist ein für BP negativer Prozessverlauf bereits mit eingerechnet.

40 Prozent der Reserven von BP im Golf von Mexiko

Damit wären die finanziellen Kosten des Öldesasters für den Ölkonzern um ein Vielfaches grösser, als sie sich für den Exxon Mobile-Konzern beliefen, der für die bisher grösste Ölkatastrophe mit dem Tanker Exxon Valdez im Jahr 1989 verantwortlich war. Er musste dafür bisher 4,3 Milliarden Dollar hinblättern.

Dass selbst die schlimmsten Kostenszenarien für BP durch den Verlust an Marktwert übertroffen werden, erklären sich Marktbeobachter vor allem mit dem Reputationsverlust des Konzerns, aber auch mit der Bedrohung durch die US-Regierung. 40 Prozent aller Ölreserven des britischen Ölmultis befinden sich im Golf von Mexiko. Sollte BP als Folge der Krise von da verbannt werden, müssten die Anlagen notverkauft werden, was in der Regel mit deutlichen Preisabschlägen geschieht.

Börsenreaktion laut Analysten übertrieben

Die grössere Sorge um BP zeigt sich auch am dramatischen Anstieg der Kosten, um sich über «Credit Default Swaps» gegen einen Zahlungsausfall von BP abzusichern. Die entsprechende Prämie ist um 75 Prozent auf einen Rekordwert von 1,78 Prozent der versicherten Summe angestiegen. Absolut gesehen zeigt selbst dieser Wert keineswegs ein Konkursrisiko für den Konzern an. Zum Vergleich: Die entsprechenden Prämien für den Staat Griechenland sind auf dem Höhepunkt der Eurokrise auf 10 Prozent angestiegen. Schliesslich verfügt BP auch über eine starke Bilanz: Das Eigenkapital des Konzerns belief sich per Ende März auf 105 Milliarden Dollar, was hohe 44 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Allein der Gewinn im vergangenen Jahr belief sich auf knapp 17 Milliarden Dollar, in der Kasse liegen aktuell fast 7 Milliarden Dollar.

Die meisten Analysten halten daher die Reaktion der Börsen für übertrieben. Für sie ist der BP-Titel jetzt ein Schnäppchen. Laut Daten von «Thomson Financial» hat sich die Mehrheit der Analysten, die BP zum Kauf empfehlen, in den letzten vier Wochen sogar noch erhöht. Laut «Bloomberg wird das Unternehmen auch als Übernahmekandidat gehandelt. Da der Preisabschlag auf dem Börsenwert deutlich höher ausfällt als die erwarteten Kosten durch die Katastrophe, könnte der Ölmulti laut Analysten zu einem begehrten Kaufobjekt geworden sein. Namen eines potenziellen Käufers werden allerdings keine genannt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.06.2010, 13:40 Uhr

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18 Kommentare

Alfred Huesser

02.06.2010, 14:56 Uhr
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Es ist ein Skandal dass es so viel braucht bis eine schädliche Firma vernichtet wird. Too big to fail, das ist stets ein Problem. Solche Schäden durch Privatpersonen verursacht führen u. U. zu unbedingten Gefängnisstrafen. Weshalb kommen Firmen meist mit einem Sackgeld davon? Diese Probleme löst man indem man endlich Firmen gleich streng behandelt wie Privatpersonen. Antworten


Rudi Buchmann

02.06.2010, 14:15 Uhr
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"Börsenreaktion laut Analysten übertrieben". Wenn innert Kürze die Sauce nicht mehr heraus strömen würde, hätten die Analysten vielleicht recht. Doch gemäss Angaben wird das Leck frühstens Ende August behoben. Das heisst, wenn in der Zwischenzeit nichts passiert, wird im schlimmsten Fall ca. die dreifache Menge heraus fliessen. Bis dann ist BP reif für einen Konkurs. Antworten



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