Wirtschaft
In Freiburg ist man «schockiert»
Aktualisiert am 31.08.2010 15 Kommentare
Cardinal-Personal ist «schockiert»
Das Personal der von der Schliessung bedrohten Brauerei Cardinal in Freiburg ist gemäss Angaben der Gewerkschaft Unia «schockiert». Die Mehrheit der Angestellten traf sich am Dienstagnachmittag zu einer Aussprache. Kampfmassnahmen wurden nicht beschlossen.
Hingegen fordere die Belegschaft Feldschlösschen auf, wie bei einer Massenentlassung das Personal zu konsultieren, sagte der Unia- Gewerkschaftssekretär für Freiburg, Armand Jaquier, auf Anfrage. Das bedeutet, dass die Cardinal-Belegschaft das Recht haben will, bis in vier Wochen Feldschlösschen Alternativen zur Schliessung vorlegen zu können.
Die Belegschaft sei klar der Meinung, dass es die Möglichkeit gebe, in Freiburg Arbeitsplätze zu erhalten, so Jaquier.
Die Cardinal-Belegschaft sei nicht nur schockiert, sondern auch aufgewühlt und wütend. Jaquier sprach aber auch von zwei Geisteszuständen bei den Angestellten: Widerstand und Resignation. An der Versammlung auf dem Werksgelände nahmen ihm zufolge 50 bis 60 Personen teil, also die Mehrheit der 75 Angestellten.
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Die traditionsreiche Brauerei Cardinal in Freiburg wird im Juni 2011 geschlossen. Das Cardinal-Bier wird weiterhin produziert, aber ab diesem Zeitpunkt bei Feldschlösschen in Rheinfelden AG.
57 der Angestellten in Freiburg erhalten von der Feldschlösschen- Gruppe, zu der Cardinal gehört, in den nächsten Tagen ein Angebot für eine neue Stelle. Die übrigen 18 werden vorzeitig pensioniert, wie Feldschlösschen-Chef Thomas Metzger am Dienstag in Freiburg vor den Medien bekanntgab. Nach der Schliessung will Feldschlösschen das Areal in Freiburg verkaufen.
Folge eines dänischen Entscheids
Feldschlösschen begründet den Entscheid mit einem Beschluss der Carlsberg-Gruppe, zu der die Schweizer Nummer 1 im Biergeschäft seit 2000 gehört. Das dänische Mutterhaus habe entschieden, die bisher in Rheinfelden angesiedelte Produktion von alkoholfreiem Exportbier ins Elsass zu Kronenbourg zu verlagern.
Hinter diesem Entscheid stehen laut Metzger die Globalisierung des Handels, der damit steigende Druck auf die Profitabilität, der rückläufige Bier-Konsum in Westeuropa und Überkapazitäten in diesem Gebiet. Kronenbourg könne zudem billiger produzieren als Feldschlösschen, sagte Metzger auch.
Dazu kommt, dass bei Cardinal in den letzten Jahren die Anlagen nur zu 40 Prozent ausgelastet waren.
In dieser Situation habe es betriebswirtschaftlich gesehen nichts anderes gegeben, als die Bierproduktion in Rheinfelden zu konzentrieren, so Metzger. Die ins Elsass ausgelagerte Produktion entspricht etwa der bisher in Freiburg gebrauten Menge.
An der Marke Cardinal – der Nummer 2 in der Schweiz – will Feldschlösschen nicht rütteln: Cardinal bleibe «ein wichtiger Pfeiler im umfassenden Bierportfolio», teilte das Aargauer Unternehmen mit. Die zahlreichen Sponsoringverträge von Cardinal würden weitergeführt.
Um in Freiburg Entlassungen zu vermeiden, werde es auch an anderen Unternehmensstandorten in der Schweiz zu vorzeitigen Pensionierungen kommen. Kündigungen könnten vermieden werden, wenn die Freiburger Angestellten die Jobangebote in Rheinfelden und an anderen Standorten annänhmen.
Schockiert
Der Freiburger Staatsrat reagierte überrascht und schockiert. Die Kantonsregierung wird die Geschäftsleitung von Feldschlösschen auffordern, auf die Schliessung der Brauerei Cardinal per Juni 2011 zu verzichten, wie Staatsratspräsident Beat Vonlanthen am Dienstag bekanntgab.
Auch die Freiburger Stadtregierung wollte den Entscheid noch am Dienstag besprechen und rasch mit Vertretern von Feldschlösschen zusammensitzen. Der Freiburger Stadtammann Pierre-Alain Clément (SP) führte den Entscheid in einer ersten Stellungnahme auf die Globalisierung zurück. Er hoffe, dass es zu keinen Kündigungen komme, sagte Clément der Nachrichtenagentur SDA.
Der Freiburger Gemeinderat drückte den Angestellten von Cardinal seine Anteilnahme über den «unvermeidlichen Entscheid» aus.
Das Personal der Brauerei Cardinal ist laut der Gewerkschaft Unia «schockiert». Die Mehrheit der Angestellten traf sich am Dienstagnachmittag zu einer Aussprache. Kampfmassnahmen wurden nicht beschlossen.
Hingegen fordere die Belegschaft Feldschlösschen auf, wie bei einer Massenentlassung das Personal zu konsultieren, sagte der Unia- Gewerkschaftssekretär Armand Jaquier. Das bedeutet, dass die Cardinal-Belegschaft das Recht haben will, bis in vier Wochen Feldschlösschen Alternativen zur Schliessung vorlegen zu können.
Auf Facebook bildete sich umgehend eine Gruppe «Cardinal gehört Freiburg», die am Dienstagabend bereits 500 Mitglieder hatte.
Schon 1996 drohte Cardinal Schliessung
Im Vergleich zu 1996, als Feldschlösschen - damals noch als Feldschlösschen-Hürlimann-Holding - schon einmal Cardinal schliessen wollte, hätten sich die Verhältnisse geändert, sagte der Freiburger Stadtamman Clément weiter. Dies, da Feldschlösschen nun seinerseits eine Tochtergesellschaft sei.
1996 war bei Cardinal der Abbau von 200 der damals 300 Stellen geplant. Kurze Zeit später protestierten in der Saanestadt 10'000 Menschen auf der Strasse gegen den Entscheid. 80'000 unterzeichneten eine Petition an Feldschlösschen. Danach nahm das Aargauer Unternehmen den Beschluss zurück. (bru/sda/)
Erstellt: 31.08.2010, 19:08 Uhr
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15 Kommentare
die internationalisierung der weltwirtschaft geht weiter. bald werden sehr viele "schweizerische" unternehmen nicht mehr von hier aus dirigiert, sondern - und damit kaum mit ruecksicht auf die schweiz - von irgendwoher. das ist das ergebnis des immer-groesser-werden-wollens, um damit die menschen immer mehr zu vergessen. die retour-kutsche wird mit sicherheit kommen. Antworten
Wieviel kosted denn das Gelaende mit der Brauerei? ( Die Braui wurde vor 25 Jahern total modernisiert und war damals die modernste in Europa.) Ist es moeglich die Braui zu uebernehmen und Bier fuer den Export herzustellen? Ich bin sicher das koennte funktionieren, wenn nur jemand das Geld vorstrecken wuerde. Hopfen und Malz Gott erhalts! Antworten
Keine Angst, wird nur noch ein paar Jahre gehen, dann wird auch Feldschlösschen geschlossen und in irgendeiner Grossbrauerei mit 20 anderen Biermarken gebraut. Willkomen zur Globalisierung. Wer weiss, vielleicht ja in irgendeinem Land in Afrika ;) Und wenn du Carlsberg "wehtun" willst (was nicht wirklich gehen wird), musst du schauen welche Biermarken genau zu Carlsberg gehören. Antworten
Das ist der viel gelobte globale >freie Markt<.Logisch ist jede Schliessung für die Angestellten tragisch.Solche Prozesse sind schon eh und je gewesen-nur dreht sich das Rad heute schneller.Ich musste achtmal (8x)in 52 Jahren (gezwungener)weise neu anzufangen.Habe kein Cent v.Arbeitslosenkasse etc. abgeholt.Dafür musste ich mit 3 Kindern mobil sein. Das schlimmste war der uneinheitliche Schulbegin Antworten
Wie kann man "schockiert" sein, wenn man weiss, dass nur noch ca. jedes 10. getrunkene Bier aus Brauereien in Schweizer Besitz stammt und der Markt von Dänen und Holländern kontrolliert wird. Markenbiere werden zu Spielbällen und irgendwo gebraut, demnächst wird die Produktion von Cardinal nach Polen verlegt... (Schock!). Und wer hat vom Aus der Berner Brauerei profitiert? Gurten made by Cardinal! Antworten
Es ist absehbar, dass durch Grosskonzerne übernommene Standorte über kurz oder lang geschlossen werden. Ähnliches wird irgendwann auch Calanda, Eichhof, vielleicht sogar Feldschlösschen widerfahren. Für mich sind Marken wie Heineken und Carlsberg schon seit Jahren tot. Gibt es in einem Lokal keine Alternativen, trink ich lieber Wasser. Lang leben die unabhängigen Schweizer Brauereien! Antworten
Ist ja schon klar: Wenn man ein Rädchen ist im Getriebe eines global tätigen Unternehmens wie Carlsberg, dass man dann nach globalwirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet wird. Globale Wirtschaft ist keine "Geschützte Werkstatt" - da geht's um Rendite - sonst gar nichts. Ein Wunder eher, dass sich Cardinal so lange halten konnte! Antworten
Der Kampf geht weiter. Der Widerstand organisiert sich langsam, bereits hat sich ein Komitee gegen die Schliessung der Fabrik in Freiburg gegründet - mit Unterstützung des CVP-Kantonalpräsidenten und einer Nationalrätin. Die Facebook-Gruppe Sauvons Cardinal / Rettet Cardinal hat bereits mehr als 6000 Mitglieder! Mehr Informationen: rettet-cardinal.ch. Antworten
Die Ersten die die schweizer Brauereien verraten haben sind wir Konsumenten. Wegen den paar Rappen die ein ausländisches Bier billiger ist. Wir sind gegen die EU, kaufen aber alles, was billiger ist, dort. Und sägen frisch und fröhlich am Ast auf dem wir sitzen. Prost. Antworten
Seit Jahren wird dies in der Wirtschaft vorgelebt, trotzdem sind die Leute jeweils "schockiert". Wer die Augen nicht verschliesst bzw. über den Tellerrand schaut dem ist diese Praxis nicht fremd. Heute die vermeindliche Rettung durch eine Fusion und Morgen wird die Firma geschlossen. Die Carlsberg-Gruppe kann dies nicht stören, ein Grossteil trinkt weiterhin dieses seelenlose Gebräu! Antworten









René Kündig
Das ahnte ich schon vor 14 Jahren, dass es einmal so kommen muss. Der nächste Schritt, auch in ein paar Jahren wird sicher Feldschlösschen geschlossen mit der Begründung, Produktion zu teuer. Ab dann werden wir nur noch billiges Bier aus Dänemark und Holland trinken. Gott sei dank produziere ich mein eigenes Bier und das kann man auch so geniessen. Antworten