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«In Deutschland sind wir schon fast die Nummer 1»

Von Andreas Valda. Aktualisiert am 11.08.2009 2 Kommentare

Neue Töchter zukaufen, Wert abschreiben, Kosten senken, Stellen abbauen. Bei Adecco ist diese Strategie der Preis, um neue Märkte zu erobern, sagt der neue Chef Patrick De Maeseneire.

Neuer Konzernchef mit schlechten Botschaften: Patrick De Maeseneire.

Neuer Konzernchef mit schlechten Botschaften: Patrick De Maeseneire. (Bild: Keystone)

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Eine Milliarde Umsatz gekauft

Nach einer Serie von Gewinn- und Umsatzeinbrüchen vermeldet Adecco für das zweite Quartal 2009 rote Zahlen. Der weltgrösste Arbeitskräftevermittler mit Sitz in der Schweiz hat einen Verlust von 147 Millionen Euro geschrieben. Die Vermittlung von Teilzeitkräften leidet am stärksten bei der deutschen, italienischen und amerikanischen Autoindustrie. Im Vergleichsquartal April bis Juni 2008 hatte Adecco noch 212 Millionen Euro verdient.

Der Umsatz brach im abgeschlossenen Quartal um 31 Prozent auf 3,59 Milliarden Euro ein. Für das gesamte erste Halbjahr 2009 weist Adecco 124 Millionen Euro Verlust aus nach einem Gewinn von 349 Millionen Euro im Vorjahr. Allein im Deutschland-Geschäft wurden Wertberichtigungen von 186 Millionen Euro vorgenommen. Dennoch kauft Adecco Firmen zu. Sie erwirbt die mittelgrosse britische Mitbewerberin Spring Group. Der Konzern zahlt umgerechnet 194 Millionen Franken aus eigenen Mitteln. Spring setzte zuletzt umgerechnet knapp 1 Milliarde Franken um.

Sie sind seit Juni im Amt. Wie ist das, gleich ein schlechtes Ergebnis zu verkünden?
Gemessen am Betriebsgewinn, ist das Resultat gut. Eine Steigerung der Betriebsgewinn-Marge von 2,1 auf 2,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal lässt sich unter den negativen wirtschaftlichen Vorzeichen sehen. Wir sind in 60 Ländern aktiv. Wir haben die Kosten deutlich gesenkt, was sich auszahlt. Einzig Deutschland ist mit dem Abschreiber von 186 Millionen Euro ein Wermutstropfen.

Stört Sie der Abschreiber?
Für uns ist das ein einmaliger Abschreiber. Und es fliesst kein Geld aus der Firma. Das ist eine rein buchhalterische Notwendigkeit und bereitet mir keine Sorgen.

Adecco titelte: «Wir überstehen den Sturm mit Kostensenkungen.» Nicht Adecco sei schuld am Ergebnis, sondern die Krise.
Wir haben auf die wirtschaftliche Situation frühzeitig reagiert, ohne dass wir uns aus einzelnen Märkten hätten zurückziehen müssen. Und sind bestmöglichst vorbereitet auf die weitere Entwicklung.

Wie rechtfertigen Sie den grossen Abschreiber auf Töchter in Deutschland?
Wir waren in Deutschland lange untervertreten. Heute ist der Markt für uns einer der wichtigsten überhaupt in Europa. Dank Zukäufen sind wir dort fast die Nummer 1. Uns fehlt noch ein Prozent Marktanteil, um Leader zu werden. Wir erwarten für Deutschland eine starke Vertiefung unseres Geschäfts.

Die Strategie ist klar: Adecco will Marktanteile gewinnen und zahlt dafür den Preis. Doch haben Sie nicht viel zu viel bezahlt, sodass Adecco jetzt dafür büssen muss?
(Finanzchef Dominik de Daniel springt ein): Deutschland hat das höchste Wachstumspotenzial in Europa. Wir investierten stark von 2006 bis 2008, um die Position zu erringen, die wir heute haben. Doch wir müssen ehrlich sein: Die Rezession in Deutschland ist schlimmer als in anderen europäischen Ländern. Der Abschreiber macht dennoch bloss 15 Prozent der Werte der deutschen Töchter aus.

Sie kündigen einen weiteren Kostenabbau an. Wie viele Stellen werden gestrichen?
Seit Juni 2008 mussten wir 7500 Stellen abbauen, das sind rund 20 Prozent. Je nach der Konjunktur werden wir die Zahl weiter senken müssen.

Wie viele weniger?
Der Abbau wird weniger stark sein.

Wie viele denn? 4000? 5000?
(Erneut der Finanzchef): Wir können die Entwicklung nicht voraussehen. Zuerst wollen wir mit den Sozialpartnern reden. Dann können wir sagen, wie viele Stellen betroffen sein werden.

In der Schweiz? Einige Hundert?
Auch hier werden Stellen abgebaut, ein Teil über natürliche Abgänge, die im Schnitt etwas über 20 Prozent liegen. Es werden deutlich weniger als hundert Vollzeitstellen sein. Adecco ist in der Schweiz effizient aufgestellt.

Ihr angekündigter Abbau tönt wie eine bekannte Geschichte: Unternehmen wachsen über Zukäufe. Sie zahlen dafür einen hohen Preis. Ein, zwei Jahre später werden grosse Abschreiber nötig. Das Personal muss die Kosten kompensieren, Angestellte sagen sich: Ich bezahle den Preis für die Zukäufe.
Ich bin mit Ihnen nicht einig. Wir sind nicht glücklich darüber, dass wir Stellen abbauen. Sie müssen die Abschreiber im Kontext unseres Aufbaus in Deutschland sehen. 2002 hatten wir dort praktisch keine Marktpräsenz. Jetzt ist Adecco beinahe die Nummer 1. Lassen Sie uns die Frage in zwei Jahren nochmals beurteilen. Ausserdem: Wir wären schlechte Manager, wenn wir jetzt nicht Kostensenkungen durchführen würden. Wir tun das Richtige für die Zukunft unserer Angestellten. Wir schaffen eine starke Basis für zukünftiges Wachstum.

Adecco ist Dienstleister im Personalwesen. Sollte das Unternehmen nicht ein Vorbild für andere Firmen sein? Also nicht Arbeitsplätze auf Kosten von zu teuer eingekauften Tochterfirmen abbauen?
Wir müssen strategisch denken. Man hat die Wahl zwischen organischem und zugekauften Wachstum. Zukaufen führt rasch zu neuen Ertragschancen. Beispiel Japan. Dort kauften wir uns vor 19 Jahren ein. Heute trägt der Markt stark zum Gewinn bei.

Im Klartext: Es zahlte sich aus, dass Adecco in einen teuren Markt einstieg.
Absolut. Das gleiche wird mit Deutschland passieren. Es gibt sogar die umgekehrte Sichtweise: Wenn die Gewinnaussichten in einem Markt gross sind, wäre es töricht, den Markt organisch, also langsam zu erschliessen. Dann überlässt man die Marktchancen der Konkurrenz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2009, 21:55 Uhr

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2 Kommentare

Paul Angst

12.08.2009, 10:15 Uhr
Melden

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken - Nicht die kleinen Arbeitnehmer mit den niedrigen Löhnen abbauen, sondern Dörig und Co. Da lässt sich viel einsparen und es geht nicht einmal know-how verloren! Antworten


Sibylle Weiss

12.08.2009, 10:17 Uhr
Melden

Also so wie das heute in der Wirtschaft zu und her geht, glaube ich tatsächlich auch,dass es nicht an Adecco sondern an der Wirtschaftslage liegt. Antworten



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