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Holocaust-Überlebende unter den verdächtigten UBS-Kunden

Von Renzo Ruf, Washington. Aktualisiert am 14.08.2009

Um von reduzierten Bussen zu profitieren, melden sich in den USA immer mehr UBS-Kunden freiwillig bei den Steuerämtern. Eine Gruppe ist dabei tendenziell übervertreten.

«Noch nie haben in meinem Büro derart viele Menschen geweint»: UBS-Gebäude in New York.

«Noch nie haben in meinem Büro derart viele Menschen geweint»: UBS-Gebäude in New York.
Bild: Keystone

Eine überraschende Enthüllung im Streit um die Übergabe von UBS-Kundendaten an die amerikanische Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service): Ein amerikanischer Steueranwalt sagt, dass eine grosse Gruppe von Holocaust-Überlebenden und -Flüchtlingen zu den betroffenen US-Steuerzahlern gehört.

Er beschäftige sich derzeit mit 250 Fällen, sagte Bryan Skarlatos – dabei handelt es sich um Steuerpflichtige, die sich «freiwillig» beim IRS melden, um während der Amnestie von reduzierten Bussen zu profitieren. Und bei rund der Hälfte dieser 250 Fälle handle es sich um Holocaust-Überlebende oder ihre Nachfahren. «Noch nie haben in meinem Büro derart viele Menschen geweint», sagte Skarlatos gemäss der gestrigen Ausgabe des «Wall Street Journal».

Neutrale Länder gefragt

Anwälte von UBS-Kunden bestätigten gegenüber der renommierten Finanzzeitung diese Angaben: Flüchtlinge machten eine der vier vom aussergerichtlichen Vergleich betroffenen Gruppen aus. Bei den übrigen handle es sich um Kriminelle wie zum Beispiel Geldwäscher, um Steuerhinterzieher sowie um Amerikaner mit doppelter Staatsbürgerschaft. Auf Einzelheiten gingen die anonymen Informanten nicht ein. Sie sagten einzig, dass verfolgte Menschen traditionellerweise Finanzinstitute in neutralen Ländern bevorzugten.

Skarlatos ist Partner in der Anwaltskanzlei Kostelanetz & Fink in New York – einer Stadt mit einem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil. New York war vor mehr als zehn Jahren auch der Schauplatz eines heftigen Rechtsstreits um die Rolle der Schweizer Banken im Zweiten Weltkrieg gewesen.

Erinnerung an Bankenvergleich

Im Januar 1999 willigten die Grossbanken UBS und Credit Suisse schliesslich in eine Entschädigungszahlung von 1,25 Milliarden Dollar für die Besitzer sogenannter nachrichtenloser Konten ein. Die Übergabe von Kundendaten von Holocaust-Überlebenden – die in den USA unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehen – könnten diese alten Wunden nun wieder aufreissen.

Skarlatos präzisiert auf Nachfrage des «Bund», dass es sich bei seinen Klienten vielfach um langjährige UBS-Kunden handle, die auch nach ihrer Vertreibung ihre Beziehung zur Grossbank nicht abgebrochen hätten. Skarlatos sagt, auch unter den Kunden, die vom aussergerichtlichen Vergleich betroffen seien, könnten sich «eine grosse Zahl» von Holocaust-Überlebenden befinden.

Derweil geht in den amerikanischen Medien die Spekulation über die Zahl der Kundendaten weiter, die von den Schweizer Behörden bald in die Hände des IRS übergeben werden. Im «Wall Street Journal» wurde darüber spekuliert, dass die Namen von 8000 bis 10000 UBS-Kunden an die amerikanischen Behörden übergeben würden. In der «New York Times» wurde einmal mehr die schon früher erwähnte Zahl 5000 genannt. (Der Bund)

Erstellt: 14.08.2009, 10:32 Uhr

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