«Hochriskantes Verlustgeschäft»
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 18.05.2010
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Philipp Hildebrand vertritt zu etlichen Grundsatzthemen des Finanzplatzes Schweiz – wie er schon öfters deutlich gemacht hat – eine von der (Gross-)Bankensicht abweichende Auffassung. Eine Einladung der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft hat der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gestern genutzt, um erneut Dinge anzusprechen, die vorab den Grossbanken nicht schmecken dürften. Zwar konzedierte Hildebrand, dass global tätige Universalbanken für die Schweiz – und auch den Kanton Zürich – wohlstandsfördernd sein könnten. Er liess aber starke Zweifel anklingen, ob alle von den Grossbanken in den letzten Jahren getätigten Aktivitäten zu einer erfolgreichen Zukunftsstrategie gehörten.
Gravierende Folgen
Unser Land, so der SNB-Präsident, scheine vor allem dann zu profitieren, wenn die Banken auf ihre Kernkompetenzen vertrauten – und die lägen nach den Erfahrungen der letzten Jahre vorwiegend in der Vermögensverwaltung. Dagegen sei das globale Investmentbanking der Grossbanken, insbesondere aber der Eigenhandel, in den letzten Jahren ein «hochriskantes Verlustgeschäft» für die Schweiz gewesen.
So hat die Investmentbank der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) zwischen 2004 und 2009 einen kumulierten Verlust von 41,7 Milliarden Franken angehäuft, wie die Nationalbank aus den Geschäftsberichten der Grossbank errechnet hat.
Bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) resultierte zwar im gleichen Zeitraum ein Gesamtergebnis vor Steuern von 6,1 Milliarden im Investmentbanking, doch dem steht im Wealth Management ein Plus von 18 Milliarden gegenüber. Die Folgen der ausgeprägten Ertragsschwankungen im Investmentbanking bleiben keineswegs auf die Banken und ihre Aktionäre beschränkt. Wie Hildebrand mit Blick auf die jüngste Krise erinnerte, «können Verluste im Bankensektor die ganze Volkswirtschaft in Gefahr bringen». Die «gravierendste Folge» daraus könnte laut dem Notenbanker aber sein – abgesehen von den enormen Stützungs- und Rettungsmassnahmen für das globale Finanzsystem und vom starken Rückgang der Steuereinnahmen –, «dass zahlreiche Bewohner und Bewohnerinnen dieses Landes ihre Illusionen über unsere Grossbanken verloren haben».
Auslandgeschäft ohne Synergien
Ein dickes Fragezeichen setzte Hildebrand sodann hinter die Argumentation der Grossbanken, aus den risikoreichen Auslandaktivitäten entstünden positive Effekte für Schweizer Unternehmen. Diesen vermeintlichen Synergien hielt der SNB-Präsident die Tatsache entgegen, dass das Volumen des Auslandund des Inlandgeschäfts der Banken vor und während der Krise «weitgehend voneinander abgekoppelt» gewesen sei. Auch über diese Betrachtung des reinen Kreditvolumens hinaus seien ihm, Hildebrand, keine empirischen Belege für Synergien zwischen dem Ausland- und dem Inlandgeschäft bekannt.
Gleichwohl gab Hildebrand zu bedenken, dass eine Fokussierung im Auslandgeschäft auf die Vermögensverwaltung nicht einfach sein werde. Auf jeden Fall könne der heimische Finanzplatz nur mit einem steuerkonformen Geschäftsmodell seine international führende Rolle bewahren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2010, 10:28 Uhr
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