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«Herr Schawinski ist jenseits der biologischen Grenze»

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 20.03.2009 20 Kommentare

Es sei gut möglich, dass Radioleute bald mit Kameras ausrücken, sagt SRG-Generaldirektor Armin Walpen im grossen Interview. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe zu viel Macht.

«Es ist natürlich, dass man sich als Erstes überlegt, wer den Job des Superdirektors übernehmen könnte»: SRG-Generaldirektor Armin Walpen.

«Es ist natürlich, dass man sich als Erstes überlegt, wer den Job des Superdirektors übernehmen könnte»: SRG-Generaldirektor Armin Walpen.
Bild: Keystone

Herr Walpen, werden in zwei Jahren Reporter von Radio DRS gleich auch noch mit einer Fernsehkamera ausrücken?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das wird heute im Ausland bereits relativ oft so gehandhabt.

Radioredaktoren mit Kameras. Wirklich?
Es wird natürlich in der Regel nicht so sein, dass der Radiojournalist eine Kamera im Rucksack mitträgt.

Sondern?
Er nimmt einen Kameramann mit. Zusammen machen sie Aufnahmen für das Radio einerseits und für das Fernsehen andererseits. Wobei solche Zusammenarbeit eigentlich fast ausschliesslich bei Newssendungen Sinn macht. So wird das etwa in Kanada oder bei der BBC in England, vor allem aber auch von BBC Scotland, seit einiger Zeit erfolgreich praktiziert.

Gestern hiess es aber bei der SRG, dass ausgerechnet die Newsredaktionen von Radio und TV wahrscheinlich nicht fusioniert werden.
Es ist sogar sicher, dass die Informationsabteilungen im Rahmen des jetzt gestarteten Konvergenz-Projektes nicht zusammengelegt werden. Die Informationsabteilung des Fernsehens wird in Zürich bleiben, jene von Radio DRS bleibt definitiv in Bern.

Aber?
Institutionalisierte Zusammenarbeit und gemeinsame Einsätze der beiden Abteilungen werden trotzdem möglich sein.

Nennen Sie ein konkretes Beispiel.
Die Zusammenarbeit ist insbesondere bei der Themenplanung denkbar. Zum Beispiel: Die Redaktion der TV-Sendung Rundschau sagt, sie mache einen Beitrag zum Bankgeheimnis. Gleichzeitig macht das Radioteam vom «Echo der Zeit» ebenfalls einen Beitrag zu diesem Thema. Die Zusammenarbeit kann nun darin bestehen, dass sich die beiden absprechen, wer welchen Aspekt recherchiert. Die Redaktionen stellen sich dann gegenseitig ihr Material zur Verfügung.

Kritiker befürchten Qualitätsverluste beim Radio als Medium mit der heute höchsten Publikumsglaubwürdigkeit.
Die Erfahrung zeigt, dass das Gegenteil zutrifft: Überall im Ausland, wo diese Zusammenarbeit eingeführt wurde, ist die Qualität gestiegen und interessanterweise auch die Vielfalt der Beiträge.

Im letzten Monat gerieten Sie heftig unter Beschuss. Sie haben, hiess es, nicht einmal SRG-intern über ihr Konvergenzprojekt informiert. Warum nicht?
Das stimmt schlicht nicht. Ich habe immer informiert. Wir haben im Februar 2006 mit dem Konvergenzprojekt in der italienischen Schweiz begonnen. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Projekt SRG-intern und extern immer wieder thematisiert.

Wann genau?
Ich habe unter anderem letztes Jahr am Management-Meeting der SRG SSR in Flims vor dem oberen Kader lange referiert. Ich habe bereits damals praktisch alles, was heute über das nationale Konvergenzprojekt der SRG bekannt ist, als Option auf den Tisch gelegt. Ich habe auch bereits damals mehrere Interviews zu diesem Thema gegeben und alle Mitarbeitenden mit mehreren Schreiben informiert.

Sie gerieten auch in die Kritik, weil sie die TV-Direktorin Ingrid Deltenre durch die Hintertür zur Superdirektorin – Leiterin von Radio und TV – befördern wollten.
Mir ist diese Hintertür nicht bekannt.

Aber Sie favorisieren für den Posten des Superdirektors Frau Deltenre?
Es ist absolut natürlich, dass man sich als Erstes fragt, wer eigentlich diesen Job übernehmen könnte. Es scheint mir ebenso natürlich, dass man zuerst einerseits an den heutigen Radiodirektor und andererseits an die Fernsehdirektorin denkt.

Nochmals, Sie bevorzugen die TV-Direktorin Deltenre, oder?
Das stimmt, sie ist erst 48 Jahre alt und eine fähige Direktorin mit gutem Leistungsausweis. Radiodirektor Walter Rüegg hingegen ist bereits 62 Jahre alt. Man darf allerdings eines nicht vergessen. Ich bin weder für die Wahl noch für den Wahlvorschlag zuständig.

Wer wird denn gemäss den künftigen SRG-Richtlinien dafür zuständig sein?
Den Wahlvorschlag macht der Ausschuss der SRG Region Deutschschweiz zuhanden des nationalen Verwaltungsrates. Dieser kann Ja oder Nein sagen.

Als Generaldirektor haben Sie allerdings schon jetzt sehr viel Einfluss auf die vielen nationalen und regionalen SRG-Entscheidgremien. Das wird immer wieder kritisiert. Die Neuorganisation wird Ihnen noch mehr Macht geben.
Schauen Sie, man kann sich fast gegen alles besser wehren als gegen Klischees. Da ist es am besten, man lässt diese Kritik einfach laufen. Was stimmt: Ich bin der oberste operative Verantwortliche des Unternehmens SRG. Und als oberster Verantwortlicher darf man von mir auch erwarten, dass ich Entscheidungen treffe und durchsetze. Dazu brauche ich entsprechende Kompetenzen. Das heisst noch lange nicht, dass ich alleine entscheide, die SRG hat eine komplexe Governance.

Es gäbe übrigens jemanden, der hätte sowohl im Bereich Radio wie im Bereich Fernsehen mehr Erfahrung als Frau Deltenre: Roger Schawinski: Wäre nicht er ein guter Superdirektor?
Nein, Herr Schawinski ist definitiv keine Option. Es ist bei ihm wie bei Radiodirektor Rüegg, Roger Schawinski ist bereits jenseits der biologischen Grenze, auch wenn er selber das vielleicht noch nicht gemerkt hat. Er ist sicher für jeden Posten in der schweizerischen Medienszene die richtige Besetzung, ausgenommen für diesen einen Job. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2009, 08:03 Uhr

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20 Kommentare

Peter Landolt

20.03.2009, 10:38 Uhr
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Herr Walpen ist ja ein Paradebeispiel eines marktfremden Monopolisten. Die Aussagen zu Herrn Schawinski untermauern dies deutlich und exemplarisch. Es ist Zeit, dass die Nabelschau mit unseren Geld ein Ende hat. Es ist Zeit, dass sich Herr Walpen extern am Markt orientiert und nicht mit internen Sandkastenspielchen weiter Gelder verschleudert. Zeit für den Rücktritt von Herrn Walpen. Antworten


Werner Recher

20.03.2009, 10:10 Uhr
Melden

Es nähme mich wunder, auf welcher Seite der biologischen Grenze Herr Walpen sich sieht. Ich jedenfalls sähe ihn jenseits verschiedener Grenzen. Antworten



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