Wirtschaft
Helsana heizt den Optikern ein
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 01.02.2010
Mann beim Augentest: Die Nachfrage nach Sehhilfen steigt aus demografischen Gründen, die Preise sinken. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Stichworte
Das Angebot klingt verlockend: Versicherte der Helsana-Gruppe erhalten in den 54 Filialen von McOptik einen exklusiven Rabatt von 10 Prozent – auf Korrekturgläser und Brillenfassungen, auf Kontaktlinsen und Dienstleistungen wie Sehtests.
Diese bestehende Partnerschaft wird jetzt ausgebaut. Der Helsana-Kunde kann einen Augenarzt mit Eyemedics-Computersystem aufsuchen. Dieses Gerät misst mittels integrierter Videokamera die Werte für die Brillenanpassung, berechnet die Zentrierung der Brillengläser, zeigt auf dem Bildschirm am Gesicht des Kunden verschiedene Brillenmodelle und liefert auch mehrere Preisvarianten. Wünscht der Kunde eine solche Brille, braucht es nur noch einen Mausklick, die Bestellung landet im Produktionscenter von McOptik und wird dann dem Augenarzt zugeschickt.
Kleines Angebot in Zürich
Klingt gut, nur gibt es landesweit erst zehn Augenärzte, die dieses System anbieten – nicht einer im ganzen Kanton Zürich. Hinter Eyemedics steht die Firma Eyemetrics, die wie McOptik durch die Familien Thaler und Brozek-Thaler kontrolliert wird.
McOptik profitiert massiv von der Kooperation mit Helsana. Wer exakte Zahlen sucht, beisst allerdings nicht nur beim Basler Familienunternehmen, sondern in der ganzen Branche auf Granit. Helsana sagt, dass McOptik dank der Kooperation den Marktanteil zwischen Dezember 2007 und Dezember 2009 auf 7,1 Prozent verdoppelt hat. McOptik selbst nimmt für sich einen Marktanteil von rund 12 Prozent in Anspruch und gehört damit neben der Westschweizer Visilab und der deutschen Fielmann-Gruppe zu den drei grossen Anbietern in der Schweiz. Dass McOptik von der Zusammenarbeit mit Helsana profitiert, räumt auch Robert Giehl ein, Sprecher und Mitglied der Geschäftsleitung: «Unter den Neukunden ist der Anteil der Helsana-Kunden von Januar 2008 bis November 2009 um die Hälfte gestiegen.»
Konkurrenz ist nicht begeistert
Da erstaunt es nicht, dass die Konkurrenz dieses Kooperationsmodell mit Argwohn beobachtet. Dominic Ramspeck von der Infostelle des Schweizer Optikverbandes sagt: «Dass Helsana diese Kooperation eingeht, freut uns nicht besonders.» Es sei bedenklich, dass eine Krankenkasse ihren Versicherten durch kurzfristige finanzielle Anreize die qualitätsorientierte Wahl des Leistungserbringers einschränke. Für Ramspeck ist der Fall klar: «Helsana macht das vor allem, um sich bei Neukunden zu profilieren.»
Helsana-Chef Manfred Manser widerspricht: «Nein, uns geht es darum, dass wir unseren Versicherten Dienstleistungen zur Verfügung stellen und aufzeigen, wo man zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis Gesundheitsgüter einkaufen kann.» Nach Manser profitieren neben McOptik die Versicherten, weil sie eine günstige Bezugsquelle haben, und auch Helsana, «da wir unseren Versicherten solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen». Eigentlich ist es ein Profilierungsversuch, um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben. Denn in der obligatorischen Krankenversicherung – so Manser – ist der Leistungskatalog vorgegeben. Alle bieten deshalb das Gleiche an.
Teure Brillen, fette Margen
Irgendwo muss es auch Verlierer geben: die Konkurrenten von McOptik. Das stimmt nur teilweise. «Das Lädelisterben ist bis heute ausgeblieben», sagt Dominic Ramspeck vom Optikverband. Wohl seien mit Fielmann und anderen Discountern die Preise unter Druck geraten. Der Preis pro Brille sinke, die Stückzahlen würden aber, vor allem aus demografischen Gründen, ansteigen. Das bestätigt McOptik-Sprecher Giehl: «Immer mehr Leute, die über 45 sind, brauchen eine Lese- oder eine Gleitsichtbrille. Der Markt wächst deshalb.» Somit gibt es kein Optikersterben, obwohl es vor allem die Ketten sind, die Marktanteile gewinnen.
Ein anderer Grund, dass sich auch kleine Optiker zu halten vermögen, sind die offenbar dünner werdenden, aber immer noch fetten Margen. Nach Giehl sind sie so hoch, dass ein Optiker selbst dann überleben kann, wenn er pro Tag nur zwei Brillen verkauft. Vor diesem Hintergrund nimmt Manser die Kritik an Helsana gelassen: «Die Brillenpreise sind in der Schweiz einsame Spitze. Von daher schadet es nichts, wenn ein gewisser Preisdruck entsteht.»
Helsana hat sich noch etwas anderes einfallen lassen: den mobilen Sehtest für unterwegs – allerdings nur für Nutzer von iPhones. Wer feststellt, dass er in diesem Sehtest durchfällt, wird umgehend an die nächstgelegene McOptik-Filiale verwiesen. Selbst der Helsana-Chef räumt ein, dass dies eher ein Gag als eine seriöse Abklärung ist – wohl um die jungen Gesunden auf die Versicherungsgruppe aufmerksam zu machen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.02.2010, 04:00 Uhr
Wirtschaft
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.





