Gescheitert im Sinne des Anspruchs
Eine Analyse von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 16.09.2011 189 Kommentare
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Was sich genau bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) abgespielt hat, will die Bank noch nicht sagen. Doch was sie bekannt gab, reicht schon aus für ein Erdbeben: Ein nicht genannter Händler des Investmentbanking hat mit nicht genehmigten Deals rund 2 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Wie hoch die Summe insbesondere für die UBS ist, zeigt sich am Vergleich zu den ausgewiesenen Gewinnen der Bank. In Schweizer Franken entsprechen die 2 Milliarden Dollar zu aktuellen Kursen rund 1,75 Milliarden Franken. Das ist deutlich mehr als der letzte Quartalsgewinn der Bank, der sich auf 1 Milliarde Franken belief.
Doch hier steht nicht die Gesamtbank im Vordergrund, sondern das ohnehin schon hoch umstrittene Investmentbanking – wo der Händler den Verlust eingefahren hat. Im Vergleich zu den Gewinnen, die diese Division erzielt, ist die Schadenssumme von 2 Milliarden Dollar geradezu gigantisch: Selbst die Gewinne der letzten drei Quartale wiegen die Summe nicht auf – sie belaufen sich gerade mal auf 1,3 Milliarden Franken und dies noch vor Steuern. Betrachtet man den Erfolg der letzten vier Jahre dieses Geschäftsbereiches, dann zeigt sich dort ein Verlust von 53,5 Milliarden Franken. Das Verhalten der Investmentbanker war es schliesslich, das die Bank fast um ihre Existenz gebracht hat. Nur weil der Schweizer Staat und die Nationalbank für sie eingesprungen sind, hat die UBS überlebt.
Seine Tage sind gezählt
Doch das hätte Vergangenheit sein sollen. Ein vollkommen neues Team wollte alles neu richten: Der Haudegen Oswald Grübel, der sich zuvor als Chef der Credit Suisse Meriten geholt hatte, war dafür gedacht. Mit Alt-Bundesrat Kaspar Villiger hat man ihm einen Präsidenten vor die Nase gestellt, der vom Bankgeschäft nichts verstand, aber in erster Linie die Politik still halten sollte. Worum sich der auch redlich bemüht hat. Dieses Team ist mit dem heute bekannt gewordenen Skandal endgültig gescheitert. Villiger wollte sowieso gehen. Grübel hat zu seinem Abgang nichts verlauten lassen. Doch jetzt sind seine Tage gezählt.
Möglicherweise ist Grübel vom Verhalten des Traders genauso überrascht worden wie die Öffentlichkeit. Aber darum geht es nicht. Der UBS-Chef hat schon verschiedentlich bewiesen, dass er die Veränderungen seit der Finanzkrise nicht akzeptiert und weitermachen will wie eh und je. Das betrifft insbesondere das Investmentbanking, das sich für die Allgemeinheit wie für die Öffentlichkeit als besonders grosses Risiko erwiesen hat. Grübel wollte wieder Gewinne schreiben wie in den alten schlechten Tagen. Denn die waren – wie wir heute wissen – das Ergebnis besonders hoch eingegangener Risiken, vor allem im Investmentbanking.
Die Zeichen der Zeit verkannt
Oswald Grübel – sekundiert von seinem Präsidenten Villiger – hat wie kein anderer Banker öffentlich gegen die «Too big to fail»-Vorlage gewettert. Keiner hat sich so vehement öffentlich gegen die geplanten höheren Sicherheitsschranken gewehrt, um die Folgen von Fehleinschätzungen, zu hoch eingegangenen Risiken und verbrecherischem Handeln vor allem im Investmentbanking für die Gesellschaft zu mindern. Es wirkt fast wie eine Ironie der Geschichte, dass gerade heute, wo das Schweizer Parlament die «Too big to fail»-Vorlage berät, die UBS einmal mehr beweist, welche Gefahren von einer Bank ausgehen können – vor allem von den Handelstischen des Investmentbanking.
In einem E-Mail an seine Mitarbeiter hat Grübel heute festgehalten, der 2-Milliarden-Fehltritt des Händlers ändere nichts an der fundamentalen Stärke der UBS. Seine Mitarbeiter könnten das anders sehen. Das Investmentbanking, an dem der Chef eisern festhält, hat ihnen gigantische Verluste und ständige Gefahren eingebrockt. Dennoch kassieren die Chefs dort Boni in einem Ausmass, von dem sogar Banker nur träumen können. Carsten Kengeter, den Grübel im September 2008 von Goldman Sachs holte und der heute die Investmentbank leitet, hat sowohl für das letzte Jahr mit 9,3 Millionen wie im vorletzten Jahr mit 13,1 Millionen Franken die höchste Vergütung der Bank kassiert.
Trennt sie ab
Mit dem Rollen von Köpfen allein ist es nicht getan. Wenn in einem Geschäftsbereich Einzelne derart grosse Risiken, Fehler oder Verbrechen eingehen können, dass Verluste von 2 Milliarden Dollar resultieren – und noch viel grössere, wie die jüngste Vergangenheit zeigt, dann stellt sich mit aller Dringlichkeit erneut die Frage, ob ein solcher Geschäftsbereich wie das Investmentbanking tatsächlich mit jenen Bankbereichen verbunden bleiben soll, die Kundengelder entgegennehmen, den Zahlungsverkehr organisieren und die Kredite an die kleinen und mittleren Unternehmen sicherstellen.
Die Geschichte der Finanzbranche hat schon zur Genüge gezeigt, welche Gefahren für ganze Volkswirtschaften lauern, wenn die Stabilität von Banken infrage gestellt wird. Und kein Bankbereich ist unstabiler als das Investmentbanking. Nun hat dieses Geschäft für grosse und weltweit tätige Konzerne seinen Nutzen. Wo aber der Nutzen in der Verknüpfung dieses Geschäfts mit dem übrigen Banking liegt, ist immer schwieriger zu erklären. Die Banken selbst betonen stets die Synergieeffekte. Wie sich heute wieder zeigt, überwiegen vielmehr die Risiken. Nicht zuletzt deshalb hat man in den USA als Lehre aus der Weltwirtschaftskrise untersagt, dass Geschäftsbanken auch ein Investmentbanking betreiben dürfen. Erst Ende der 1990er-Jahre hat man dieses Verbot wieder aufgehoben. Die Folgen sind bekannt.
Paul Volcker, der grosse alte Mann des US-Finanzplatzes und einstige Notenbankchef, hat gefordert, dass eine solche Trennung wieder eingeführt wird. Die Banklobby hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute haben wir einmal mehr gesehen, welche Gefahren vom Investmentbanking tatsächlich ausgehen können. In der Schweiz haben wir es in der Hand, das Thema erneut anzupacken und die Trennung des Investmentbanking einzufordern – nicht nur bei der UBS, ebenso bei der Credit Suisse. Das wäre im Interesse der Anleger, der Öffentlichkeit und aller Banker, die ein verantwortungsvolles Geschäft betreiben, ohne dafür übermässige Risiken einzugehen.
Erstellt: 15.09.2011, 12:25 Uhr
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Und die SVP versuchte heute noch die "Too big to Fail" - Debatte in Bern zu sabotieren, geschlossene Fraktion, also auf Befehl von oben. Gleichzeitig erfahren wir, dass SVP NR Stamm sich mit seiner ausländischen Haushaltshilfe um Salär streitet. Die Dame verdiente bei 288 Stunden monatlich rund Fr. 3'000.-- also etwas mehr als Fr. 10.-- pro Stunde! 2Mia zu Fr. 10.-- super. Antworten
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