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Geld ist nun praktisch gratis

Aktualisiert am 20.11.2008 66 Kommentare

Die Schweizerische Nationalbank senkt den Leitzins um ein ganzes Prozent – ein drastischer, aber richtiger Schritt. Eine Analyse von Philipp Löpfe.

Die Schweizerischen Nationalbank (SNB) senkt das Zielband für den Dreimonats-Libor auf eine Bandbreite von 0,5 bis 1,5 Prozent. Im Klartext: Geld ist praktisch gratis geworden. Das bedeutet auch: Die SNB hat die letzten Bedenken bezüglich Inflation über Bord geworfen und setzt alles daran, der immer stärker abstürzenden Wirtschaft zu helfen. Das ist gut so.

Der Reihe nach: Der Leitzins der SNB ist der Preis des Geldes. Zu diesem Zinssatz leiht die Nationalbank das Geld an Geschäftsbanken und diese wiederum an Unternehmen und Konsumenten. In Boomzeiten erhöht die Nationalbank die Leitzinsen, um ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern. In Schwächephasen senkt sie den Zins, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die grösste Sorge der Nationalbank ist die Geldentwertung. Die explodierenden Rohstoffpreise, hauptsächlich das Erdöl, haben bis in den Frühsommer die Inflation angeheizt. Die SNB ist dadurch in ein Dilemma geraten: Soll sie die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bannen, oder soll sie die Zinsen senken, um den sich abzeichnenden Konjunkturabschwung zu dämpfen? Dieses Problem hat sich erledigt, die Rohstoffpreise sind kollabiert und die Inflationsgefahr nicht mehr vorhanden. Dafür hat sich die Lage an der Konjunktur verschlimmert. Bereits ist die Rede von der schlimmsten Rezession seit der Grossen Depression.

An den Börsen zeichnet sich erneut eine Panikwelle ab. Wie in den 30er-Jahren zeichnet sich ein Sturm auf die Banken ab. Allerdings nicht physisch, das Geld wird per Mausklick abgezogen. Rund um den Globus muss der Staat Garantien für angeschlagene Finanzinstitute leisten. Trotzdem sacken die Börsenkurse der Banken ab, nicht nur jene der UBS und der CS. Der Kurs der bis vor kurzem grössten Bank der Welt, Citicorp, ist gestern 23 Prozent eingebrochen.

Die Tatsache, dass die Nationalbank so energisch die Zinsen senkt, ist ein Hoffnungsschimmer, ebenso die Bereitschaft der Staaten, alles zu unternehmen, um die Wirtschaft zu stützen. Doch ihre Mittel sind begrenzt. Die SNB hat mit der erneuten Leitzinssenkung ihr geldpolitisches Pulver praktisch verschossen. Unter Null kann sie die Zinsen bekanntlich nicht senken. Jetzt gilt das berühmte Bonmot von John Maynard Keynes: «Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selber.»

Erstellt: 20.11.2008, 15:42 Uhr

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66 Kommentare

Alfred Neumann

20.11.2008, 14:33 Uhr
Melden

Also ich muss für mein Geld arbeiten - Mache ich was falsch ? :-) Antworten


Janosch Waldmeier

20.11.2008, 14:42 Uhr
Melden

Und dafür kassieren die Typen auch noch Geld in Form von Lohn? Was besseren fällt ihnen nicht ein? Was, meine Lieben, wenn's trotzdem weiter den Bach runtergeht (davon gehe ich aus)? Wollt ihr dann den Kreditnehmern Geld bezahlen??? Antworten



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