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Gelbe Baustellen in 23 Ländern

Von Philippe Müller. Aktualisiert am 13.01.2010 9 Kommentare

Die Auslandgeschäfte der Post und die von Post-Präsident Béglé geplante Expansion sind umstritten. Ein Blick auf die Weltkarte zeigt: Bereits heute ist die Post in 23 Ländern vertreten – wenn auch nicht sehr erfolgreich.

BZ Grafik/Signer

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Er plant «viele kleine Deals» im Ausland

Claude Béglé verteidigt seine Auslandstrategie. Milliardeneinkäufe im Ausland will er aber nicht tätigen. An der Spitze der Post rumort es seit der Entlassung von Post-CEO Michel Kunz Mitte Dezember. Post-Präsident Claude Béglé sah sich in den letzten Tagen mit viel Kritik konfrontiert. «Das ist unangenehm, und es hat mich und auch den Verwaltungsrat in der Arbeit stark gehemmt», sagte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Dass am Wochenende ehemalige Vorgesetzte und der frühere Bundesratssprecher Oswald Sigg sich zu seinen Leistungen öffentlich äusserten, habe ihn überrascht. Er sei von gewissen Personen enttäuscht.

Erneut verteidigte Béglé seine umstrittene Auslandstrategie und er erklärte, die Post wolle weder Klumpenrisiken eingehen, noch Milliardeneinkäufe im Ausland tätigen, sondern durch «viele kleinere Deals» wachsen. Béglé sagte, er verstehe die Ängste der Schweizer gegenüber Auslandgeschäften. Doch es werde kein Engagement in ausländischen Service-public-Betrieben geben, wie von Politikern befürchtet. Das internationale Geschäft könne den Rückgang der Erträge im Inland kompensieren. Davon ist die Post allerdings noch weit entfernt (siehe Haupttext).

Hauptziel der Post ist laut dem Präsidenten «nicht ein maximaler Gewinn, sondern die Grundversorgung, der Universaldienst der Post bei Briefen, Zeitungen, Paketen und Zahlungsverkehr im Inland». Noch im Dezember wurde Béglé mit der Aussage zitiert, die Post müsse werden «wie Nestlé».

Béglé: «Kein Rücktritt»

Im Streit um die künftige Strategie war es vergangene Woche zu einem weiteren Abgang an der Spitze der Post gekommen: Verwaltungsrat Wolfgang Werlé hatte am 6.Januar seinen sofortigen Rücktritt angekündigt – zwei Wochen zuvor schied Rudolf Hug aus dem Gremium aus. Béglé: «Ich habe den Dialog mit beiden gesucht, doch es gab keinen Konsens.» Wenn ein neuer Mann komme, gebe es immer verschiedene Lager. Der Verwaltungsrat sei handlungsfähig, sieben Mitglieder seien noch da. An Rücktritt hat Béglé nie gedacht. Wie er selber sagt, gab es niemals Zweifel.

«Zu vertrauenswürdig»

Dass Béglé selber viel geredet hat, sieht er im Nachhinein als Fehler: «Ich war zu vertrauensselig und habe unterschätzt, was ich auslöse, wenn ich laut denke.» Als Romand versuche er zumindest, sich jeweils auf Deutsch auszudrücken. Das gelinge nicht immer. «Es scheint mir aber auch, dass ich von einzelnen Leuten bewusst missverstanden worden bin.» Rahel Guggisberg

Die Standbeine

Swiss Post International (SPI): In 13 europäischen Ländern, 5 asiatischen Metropolen und in den USA beschäftigt SPI 1300 Mitarbeiter. Neben dem grenzüberschreitenden Briefverkehr wickelt SPI Massenwerbesendungen für Firmen ab.

Swiss Post Solutions (SPS): 6300 Mitarbeiter übernehmen in 13 Ländern für Unternehmen die interne Post und das Dokumentenmanagement. Prominentester Kunde ist die Air France.

Postauto: Das Busunternehmen betreibt in Frankreich und Liechtenstein Regionalbusnetze mit 350 Mitarbeitern. Der Markteintritt in Deutschland und Italien wird geprüft. phm

Das Wort «Auslandstrategie» ist in den letzten Wochen zum Reizwort verkommen. Der Grund ist bekannt: Claude Béglé, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post, will künftig im Ausland stark expandieren und dort jenes Geld erwirtschaften, das die Post in der Schweiz zur Sicherstellung der Grundversorgung benötigt. Diese Pläne bezeichnen Béglé Gegner gerne als «riskant».

Ein Blick auf die Weltkarte zeigt: Bereits heute ist der gelbe Riese ausserhalb der Schweiz in 23 Ländern aktiv (siehe Grafik). Ein Grossteil des Auslandgeschäfts konzentriert sich auf Europa, wo die Post in 17 Ländern vertreten ist. Das heutige Auslandengagement in Zahlen: Die Post beschäftigt im Ausland rund 8000 der insgesamt 44000 Mitarbeiter. Jeden fünften Franken setzt sie ausserhalb der Schweiz um. Das entsprach 2008 einem Umsatz von 1,8 Milliarden Franken.

Nur ein kleiner Gewinn

Das klingt nach viel. Der Gewinn, den das Auslandgeschäft unter dem Strich abwirft, lag 2008 jedoch bloss bei knapp 50 Millionen Franken. Das entspricht lediglich sechs Prozent des Konzerngewinns. Die Post ist also noch lange nicht dort, wo Claude Béglé hin will.

In der Sonntagspresse war die Rede davon, dass die Post gemäss Berechnung der Beratungsfirma Roland Berger das Potenzial hätte, innerhalb von zehn Jahren im Ausland einen Umsatz von 2,7 Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn von 100 Millionen Franken zu erwirtschaften. Dieses Papier wurde vom Verwaltungsrat jedoch bisher nicht abgesegnet.

Drei Standbeine

Die Post hat im Ausland drei Standbeine: Swiss Post Solutions, Swiss Post International und die Sparte Postauto. Letztere trägt mit rund 30 Millionen Franken Umsatz pro Jahr und dem Betrieb einzelner Linien in Frankreich und Liechtenstein allerdings nur marginal zum Betriebsertrag bei.

Der ergiebigste Zweig ist Swiss Post International (SPI), der 16 Länder in Europa, Amerika und Asien umfasst. Umsatz: Rund 1 Milliarde Franken pro Jahr, der Gewinn lag 2008 bei 36 Millionen Franken. Unter anderem ist dieser Zweig für den grenzüberschreitenden Briefverkehr zuständig. SPI tritt im Ausland aber auch als Konkurrentin der staatlichen oder ehemals staatlichen Postgesellschaften auf (siehe Kasten).

Die grösste Hoffnung setzt Béglé in die Post-Tochter Swiss Post Solutions (SPS). In dieser Sparte will die Post fulminant wachsen und in der Welt der digitalen Verarbeitung von Dokumenten eine dominante Marktposition erobern. SPS übernimmt für Unternehmen die interne Post sowie das Scannen, die elektronische Bearbeitung, das elektronische Archivieren sowie das Drucken und Versenden von Dokumenten.

Geschäft ist rückläufig

Die Post spricht für diesen Markt von einem «Milliardenpotenzial». Bisher wurde dieses jedoch nicht ausgeschöpft: SPS handelte sich in den ersten drei Quartalen 2009 einen Verlust von 13 Millionen Franken ein. Fazit: Der Weg zu einem Gewinn von 100 Millionen Franken ist noch weit.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2010, 11:49 Uhr

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9 Kommentare

Pius Tschirky

13.01.2010, 12:21 Uhr
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"Debitel" lässt grüssen. Seinerzeit hat ja die Swisscom mit dem Kauf- und Wiederverkauf sehr viel "Steuergelder" verloren. Konsequenzen gab es aber keine, weil wohl die Rechtsgrundlage fehlte. Unsereinen würde man wohl einsperren! Antworten


Sandra Lauber

13.01.2010, 12:53 Uhr
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Wäre Herr Begle Eigentümer der Post, würde er bestimmt wählerischer umgehen mit Auslandinvestitionen. Da die Post nicht ihm gehört, kann er etwas freier sein mit dem Geldausgeben. So versucht er mal dies und das. Die Frage ist auch, wie kamen die schmalen Gewinne bisher zustande. Es ist so einfach zu manipulieren, wenn man eine Strategie beweisen will. Die Swissair hats lange genau so gemacht. Antworten



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