Frankenspekulanten auf der Lauer
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.01.2012 139 Kommentare
SMI schliesst im Plus
Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich im Plus geschlossen. Allgemein herrsche wieder ein freundlicheres Marktklima in Europa und den USA, sagten Händler.
Der SMI schloss 1,06 Prozent höher bei 6050,78 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) legte um 1,42 Prozent auf 893,70 Punkte zu, der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,04 Prozent auf 5446,62 Zähler. (sda)
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Die unmittelbaren Folgen des Rücktritts Philipp Hildebrands vom Chefposten der SNB sind für den Schweizer Franken noch nicht absehbar. Nur eines steht bereits fest: Der Franken hat zum Euro wieder zugelegt. In den vergangenen Wochen lag der Kurs noch klar über der Marke von 1.22. Die Ankündigungen und die Entschlossenheit der Nationalbank und ihres Präsidenten Philipp Hildebrand hatten der Entschlusskraft des Direktoriums Gewicht verliehen. «Dementsprechend musste die SNB bisher nur verhältnismässig wenig Mittel einsetzen, um die Kursuntergrenze zu verteidigen», sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt. Die blosse Ankündigung, die Kursuntergrenze um jeden Preis zu verteidigen, hat offenbar gewirkt. Die Investoren haben dem SNB-Direktorium und seinem Vorsitzenden die Ansagen geglaubt.
Investoren testen SNB
Doch das wird von den Finanzinvestoren jetzt infrage gestellt. «Die Tendenz geht wieder in Richtung 1.20», sagt Portfoliomanager Patrick Wirth vom Hedgefonds Quantica Capital. Derzeit steht der Schweizer Franken zum Euro bei einem Kurs von 1.21. Zur Beibehaltung der Kursuntergrenze hat sich der neue interimistische SNB-Chef, Thomas Jordan, bisher verhalten geäussert. Nur ein offizielles Communiqué aus der Zeit Hildebrands, auf das sich Jordan beruft, stellt die Entschlossenheit der SNB klar.
Der Rücktritt Hildebrands und eine neuerliche Debatte über die Kursmarke von 1.20 kündigt sich an. Unter welchen Bedingungen der Franken und damit die Schweizer Exportwirtschaft verteidigt werden sollen, könnte Gegenstand neuerlicher wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen werden. Das oberste Ziel von Jordan sei es, eher die Inflation in Schach zu halten, als die Exportwirtschaft zu beflügeln. Dieser Meinung ist Ökonom Rudolf Strahm in einem Interview mit dem Finanzportal «Cash». Jordan dürfte Finanzkreisen zufolge den Fokus mehr auf die Geldpolitik und ihre Auswirkungen legen und weniger auf die kurzfristigen Bedürfnisse der Realwirtschaft.
Spekulanten im Aufwind
Für Spekulanten sind die währungspolitischen Unwägbarkeiten ein gefundenes Fressen. Sie haben bereits begonnen, dezent die Entschlusskraft der SNB auf die Probe zu stellen. Vor allem sogenannte Makro-Fonds, die auf die Analyse nackter makroökonomischer Daten gepaart mit Marktpsychologie spezialisiert sind, könnten sich herausgefordert fühlen. «Die Investoren solcher Fonds denken nur darüber nach, wie sie den Markt antizipieren und Renditen erzielen können», erklärt Portfoliomanager Wirth. Aus Spekulantensicht gehöre es allerdings zu den riskantesten Geschäften, gegen eine Nationalbank zu wetten, weil diese bei Bedarf unbegrenzt Geld drucken könne – im aktuellen Fall, um den Franken gegen die Aufwertung zu verteidigen.
Unsicherheiten halten an
Um sich wirksam gegen Devisenspekulationen und einen Angriff auf den Franken zu wehren, wird die SNB wohl noch viele Mittel aufwenden müssen. Wenn Geld in hohem Masse geschöpft wird, steigt durch diese expansive Geldpolitik aber auch die Inflationsgefahr. Ob die SNB das tatsächlich tun wird, darf bei einem angeblich inflationsorientierten Geldpolitiker wie Jordan bezweifelt werden. «Er könnte durchaus eine andere Politik verfolgen als sein Vorgänger», sagt Wirth. «Er könnte zum Beispiel sagen, dass die Kursuntergrenze von 1.20 nicht zu halten ist, weil der Markt den Franken anders bewertet. Und was der Markt sagt, das sei zu akzeptieren.» Allein die Unsicherheit, dass sich die Währungspolitik mit Jordan auf diese Weise ändern könnte, löse die aktuelle Kurstendenz aus.
Realwirtschaftliche Bedrohung
Die Verteidigung der Kursuntergrenze des Frankens zum Euro, die primär aus realwirtschaftlichen Gründen eingeführt wurde, wird so zu einer Mammut-Aufgabe für die SNB. Zur Erinnerung: Der starke Franken hat der heimischen Exportwirtschaft dermassen zugesetzt, das der Standort Schweiz, die konjunkturelle Entwicklung und damit auch die Arbeitsplätze im Land bedroht sind. Die Einführung der Kursuntergrenze sollte jenen Unternehmen helfen, die in Franken fakturieren und ihre Produkte im Ausland zu günstigeren Preisen verkaufen, aber Schweizer Löhne zahlen müssen. Das hat die Gewinnmargen der Unternehmen geschrumpft. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2012, 20:13 Uhr
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