Floss Madoffs Geld auch in die Schweiz?
Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 16.07.2009 5 Kommentare
Sonja Kohn.
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Für Bernard Madoff ist die Show zu Ende: Für den grössten Anlegerbetrug in der Geschichte verurteilte ihn ein US-Gericht zu 150 Jahren Haft. Seine Immobilien wurden vom Staat konfisziert, seine Ehefrau sagte sich von ihm los. Nur eine Frage bleibt offen: Wo sind die über 50 Milliarden Dollar geblieben, die Madoff seinen Kunden abgenommen hat?
Amerikanische, britische und österreichische Ermittler suchen einen Teil des Vermögens in Wien und in der Schweiz. Sonja Kohn, die heute 60-jährige Gründerin der kleinen, privaten Bank Medici könnte bis zu 40 Millionen Dollar als Kickback-Zahlungen von Madoff kassiert haben. Für Kohn gilt die Unschuldsvermutung, sie selbst bezeichnete sich in einem Telefonat mit dem «Wall Street Journal» als Madoffs grösstes Opfer.
Aufstieg in New York
Sonja Kohn wuchs als Tochter jüdischer Flüchtlinge im Wien der Nachkriegszeit auf. In den Achtzigerjahren ging sie mit ihrem Mann nach New York und stieg ins Fondsgeschäft ein. Gemeinsam mit der Bank Austria (die später an die italienische Uni Credit verkauft wurde) gründete sie die Bank Medici: Kohn hält 75 Prozent, die Bank Austria 25 Prozent am Kapital.
Den Namen Medici gab Kohn der Bank, weil er nach Kultur und Geld klingt. Mit der berühmten italienischen Familie hat das Unternehmen nichts zu tun, das Bankwappen mit den drei Löwen gleicht dem Staatswappen Bulgariens. Kohn hatte beste Kontakte zu den wirtschaftlichen und politischen Eliten Österreichs. Im Verwaltungsrat der Bank sitzen ehemalige konservative und sozialdemokratische Minister, Kohn erhielt für ihre Leistungen ein Ehrenzeichen der Republik. Mit ihrem guten Ruf konnte sie schnell finanzstarke Anleger gewinnen, vor allem in Russland, der Ukraine und Israel. Wohin das Geld tatsächlich floss, erfuhren die Investoren freilich nie. Managementgebühren kassiert
Wohnsitz in Zürich
Die Herald-Fonds der Bank Medici arbeiteten nicht selbst mit dem Geld, sondern transferierten es über die zwischengeschaltete Bank HSBC zu einer Gesellschaft von Bernard Madoff. Bis jetzt haben die Ermittler Kenntnis von 3,5 Milliarden Dollar, die Madoff von Kohn erhielt. Obwohl Kohn selbst nie operativ tätig war, kassierte sie zwischen zwei und zehn Prozent Management-Gebühren. Das Geld soll auf Konten von Schweizer Banken geflossen sein. Kohn und ihr Mann haben auch einen Wohnsitz im Zürcher Enge-Quartier.
Als Madoffs Kartenhaus zusammenbrach, verloren auch die Anleger der Bank Medici ihr Vermögen. Ein russischer Grossinvestor reichte im Frühjahr über einen Wiener Anwalt Klage gegen die Bank ein. Die Bank Medici wurde im Januar unter staatliche Aufsicht gestellt, Ende Mai verlor sie ihre Konzession. Sie will nun unter dem neuen Namen 20.20 Medici weitermachen.
Sonja Kohn wurde Ende April in Wien von Ermittlern aus Österreich und aus den USA verhört. Ihr wird Betrug vorgeworfen. Auszüge aus dem Verhörprotokoll wurden später vom Nachrichtenmagazin «Profil» veröffentlicht. Kohns Auskünfte dürften die Ermittlungen nicht wirklich weitergebracht haben. Die Bankerin behauptete, sie habe niemals persönlich Geld erhalten. Laut «Wall Street Journal» untersucht die US-Staatsanwaltschaft jetzt Geldflüsse von Madoff an eine in New York registrierte Gesellschaft namens Infovaleur, die Kohn gehört. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.07.2009, 06:40 Uhr
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