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Fiat-Autos müssen sich nun selber finanzieren

Aktualisiert am 21.04.2010

Bis heute hat der Gewinn aus der weniger bekannten Landmaschinensparte das Autogeschäft von Fiat gestützt. Das ändert sich nun: Fiat teilt seinen Konzern auf.

Stützt nicht länger die Auto-Sparte: Iveco-Geländewagen an einer Ausstellung in Hannover 2008.

Stützt nicht länger die Auto-Sparte: Iveco-Geländewagen an einer Ausstellung in Hannover 2008.

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Der italienische Fiat-Konzern rüstet sich für die Zukunft und spaltet sein Auto-Geschäft von der Industriesparte ab. Vorausgesetzt, dass die konjunkturelle Lage stabil bleibt, soll die Trennung bis Ende Jahr vollzogen sein. In einer sechsstündigen Präsentation legte Konzernchef Sergio Marchionne am Mittwoch erstmals seit dem Einstieg bei Chrysler seine Pläne für die nächsten fünf Jahre vor.

Fiat (FIAT 4.044 1.61%) besteht bisher neben der Auto-Sparte aus den Geschäftsbereichen Agrar- und Baumaschinen und Produktionssysteme. Die Autosparte macht knapp die Hälfte des Umsatzes aus. Zu ihr gehören neben der nach dem Konzern benannten Automarke auch die Hersteller Lancia und Alfa Romeo. Zudem besitzt der Konzern die Mehrheit an Ferrari und Maserati.

Beide Sparten sollen über 3 Milliarden Gewinn schreiben

2014 soll die neue Auto- Einheit einen Umsatz von 64 Milliarden Euro und einen Handelsgewinn zwischen 3,2 und 3,8 Milliarden Euro erwirtschaften, wobei der US-Partner Chrysler künftig einen grösseren Beitrag leisten soll.

Die Landmaschinensparte CNH, der Lastwagenhersteller Iveco sowie Fiat Powertrain Industrial and Marine sollen künftig unter dem Namen «Fiat Industrial» an der Mailänder Börse gelistet werden. Für diese Sparte strebt der Konzern 2014 einen Handelsgewinn von 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro und Erlöse von 29 Milliarden Euro an.

«Das ist nicht fair»

«Die Auto-Sparte hat sich lange Zeit auf die Unterstützung des Industriegeschäfts verlassen, das ist nicht fair», sagte Marchionne. Es sei nicht sinnvoll, die beiden Bereiche mit ihren unterschiedlichen Geschäftszyklen und Kapitalanforderungen weiter zusammenzuhalten.

Der Konzernchef hat wiederholt signalisiert, dass es aus seiner Sicht in der Autobranche nicht weitergehen kann wie bisher. Er geht davon aus, dass nur wenige grosse Massenhersteller die Krise überleben.

Fiat kann gemäss der Konkursvereinbarung mit der US-Regierung seinen Anteil an Chrysler von 20 auf 35 Prozent erhöhen, wenn das neue Management bestimmte Geschäftsziele erreicht. In diesem Moment halten viele Experten eine Fusion der beiden Auto-Geschäfte für sinnvoll.

Zukunft mit Partnern

Sparzwang und hohe Investitionskosten treiben die Auto-Hersteller immer häufiger in Partnerschaften, zuletzt auch den deutschen Daimler-Konzern mit dem französischen Hersteller Renault und dessen japanischen Compagnon Nissan.

Als nächster Kandidat gilt für eine Allianz gilt PSA Peugeot Citroen, der bereits einmal die Fühler zu Fiat ausgestreckt hat. Seit Fiats Zusammengehen mit Chrysler ist der Gesprächsfaden aber abgerissen.

Fiat verringert Verlust

Vor der Vorstellung der neuen Strategie legten Fiat und Chrysler für den Jahresauftakt Zahlen vor. Fiat gelang dank der Abwrackprämien ein Handelsgewinn von 352 Millionen Euro. Chrysler setzte sich zumindest im operativen Geschäft von den verlustreichen Monaten seit dem Ende seines Konkursverfahrens im Juni 2009 ab. Unter dem Strich blieb jedoch ein Minus von 197 Millionen Dollar.

Fiat verringerte seinen Nettoverlust auf rund 20 Millionen Euro nach 410 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzern geht davon aus, das Gesamtjahr netto an der Grenze zur Gewinnschwelle abzuschliessen. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten um 14,7 Prozent auf knapp 13 Milliarden. Für das Gesamtjahr rechnet Fiat mit einem Handelsgewinn zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro und einem Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro.

Chrysler hat seit dem Ende seines Insolvenzverfahrens einen Verlust von 3,8 Milliarden Dollar verbucht. Der drittgrösste US-Auto- Hersteller sieht sich dennoch auf Kurs: Chrysler werde noch 2010 die Gewinnschwelle auf operativer Basis ererichen, hiess es. Es war das erste Mal seit seinem Umbau unter Gläubigerschutz, dass der Konzern ausführlich informierte.

Agnelli-Sprössling kommt

Auf der Grossveranstaltung stellte Marchionne auch den neuen Chef des Verwaltungsrats vor: Der 34-jährige John Elkann, ein Sprössling der Industriellenfamilie Agnelli, rückt vom Stellvertreter-Posten an die Spitze des Gremiums und übernimmt die Aufgaben des langjährigen Präsidenten Luca Cordero de Montezemolo.

«Trotz seines Alters hat er nun die richtige Reife erreicht, diese Rolle auszufüllen», sagte Marchionne. «Er und ich haben den Konzern die vergangenen sechs Jahre durch einige Haifisch-Gewässer gesteuert.» (oku/sda)

Erstellt: 21.04.2010, 20:31 Uhr

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