Feintool baut in Lyss um, nicht ab

LyssDer Autozulieferer Feintool verlagert Teile der Produktion von Lyss nach Sachsen. Das Unternehmen investiert allerdings auch im Stammwerk, um es stärker zu spezialisieren.

«Ein Stellenabbau in Lyss steht nicht zur Debatte», beteuert Feintool-Chef Heinz Loosli.

«Ein Stellenabbau in Lyss steht nicht zur Debatte», beteuert Feintool-Chef Heinz Loosli. Bild: Keystone

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«Letztes Jahr um diese Zeit ging es uns nicht gut. Der Wegfall des Euro-Mindestkurses war ein Schlag.» Das sagte Alexander von Witzleben, Verwaltungsratspräsident von Feintool, am Dienstag bei der Bilanzpräsentation in Zürich. Feintool als international ausgerichteter Autozulieferer habe aber rasch reagiert und die Ziele trotz des Frankenschocks erreichen können.

So wuchs der Umsatz des Herstellers von Feinschneid- und Umformteilen sowie von Pressanlagen um 1,1 Prozent auf 508,9 Millionen Franken. Ohne Frankenaufwertung hätte das Plus gar 4,4 Prozent betragen. Feintool profitierte davon, dass die tiefen Ölpreise und Zinsen die Nachfrage «nach etwas dickeren Wagen» ankurbelten, wie von Witzleben sagte. Feintool habe damit das Marktwachstum übertroffen.

Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank aber wegen Wechselkurseinbussen um 6,4 Prozent auf 32,9 Millionen Franken. Das operative Ergebnis der Schweizer Standorte in Lyss und Jona SG fiel um 4,0 Millionen Franken schlechter aus als im Vorjahr. Unter dem Strich schrumpfte der Reingewinn gar um 18,5 Prozent auf 20,1 Millionen Franken. Das lag nicht nur an Währungseffekten, sondern auch an höheren Steuern und an strategischen Investitionen.

Expansion im Ausland

Denn nur wenige Wochen nach dem Frankenschock verkündete Feintool im Februar 2015 die Übernahme der Firma Gabler Feinschneidtechnik in Oelsnitz im ostdeutschen Bundesland Sachsen. Die Löhne sind dort laut von Witzleben nur ein Drittel so hoch wie in der Schweiz. Feintool wird in Oelsnitz die Zahl der Pressen von drei auf acht erhöhen und die Herstellung von 140 Werkzeugtypen dorthin verlagern. Damit fallen vom Umsatz des Stammwerks in Lyss rund 10 Millionen Franken weg.

Ausrichtung auf Spezialitäten

«Das überkompensieren wir mit neuen, höher spezialisierten und zukunftsträchtigeren Produkten», sagte Feintool-Chef Heinz Loosli im Gespräch mit dieser Zeitung. Feintool habe dazu über 10 Millionen Franken in Lyss investiert. Ein Stellenabbau in Lyss sei kein Thema, auch nicht am zweiten Schweizer Standort in Jona, sagte Loosli.

Im letzten Jahr ist die Zahl der Festangestellten in Lyss mit 277 gegenüber 278 per Ende 2014 praktisch stabil geblieben. In Jona sind es unverändert 59 Mitarbeitende. Hinzu kommen 22 Lehrlinge in Lyss und 5 in Jona. Weltweit erhöhte sich die Zahl der Festangestellten auch dank der Gabler-Übernahme von 1987 auf 2049. Produktionsstandorte befinden sich nicht nur in der Schweiz und in Deutschland, sondern auch in den USA, in Japan und China. «Wir wollen möglichst in den jeweiligen Absatzmärkten und Währungsräumen produzieren, um Wechselkursrisiken zu minimieren», sagte Loosli.

In der Schweiz gilt weiterhin ein Einstellungsstopp. Und die Arbeitszeit wurde von 40 auf 44 Stunden erhöht. Loosli lobte die Angestellten nochmals dafür, dass sie in wenigen Tagen dazu eingewilligt hätten. «Diese Flexibilität ist ein wichtiger Standortvorteil.» Die Arbeitszeit soll nun baldmöglichst reduziert werden. Feintool hatte das Konzept in der Schublade. Denn die Firma habe damit gerechnet, dass die Nationalbank den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken früher oder später aufgeben würde, sagte Loosli. «Wer dies nicht tat, hat nicht aufgepasst.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 08.03.2016, 19:16 Uhr)

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