Fed: Der Abfallkübel der Nation
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 29.04.2009 3 Kommentare
Die Aufblähung der Bilanz der US-Notenbank ist eine direkte Folge des Versagens an Wallstreet. Banken wie die Citigroup und Bear Stearns oder der marode Versicherungskonzern AIG häuften Hunderte von Milliarden Dollar an faulen Krediten an, bis sie zu ersticken drohten. Hätte sich die Notenbank nicht als Abfallkübel zur Verfügung gestellt, so wären diese Konzerne wahrscheinlich bankrott gegangen. «Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir nicht für immer im Kreditgeschäft tätig sein können», sagte Notenbankchef Ben Bernanke vor Kurzem. «Wir brauchen eine Ausstiegsstrategie und müssen zulassen, dass die Märkte wieder vollständig in private Hände übergehen.»
Leichter gesagt alsgetan. Steigt Bernanke zu früh aus den minderwertigen Papieren aus, so sacken die Preise wieder in sich zusammen; und nicht nur die akut gefährdeten Banken, sondern auch die soliden Institute müssen erneut Abschreibungen vornehmen. Wartet er aber zu lange, kann Bernanke die Positionen nur mit hohen Kosten abstossen. Das grösste Risiko besteht darin, dass eine spätere Refinanzierung der Schuldscheine die Inflationsspirale nach oben zu treiben beginnt.
Eine neue Rolle für die Fed
«Für die Notenbank ist dies ein völlig neues Spiel. Noch nie hat sie ihre Tätigkeit so stark in die Kreditmärkte ausgeweitet«, sagt James Bianco, Chef einer auf Schuldpapiere spezialisierten Analysefirma in Chicago. «Sie geht so ein hohes Risiko ein, ihrer Glaubwürdigkeit zu schaden.»
Die Notenbank begann ab vergangenem Herbst, ihre konservative Bilanz umzuschichten und um fast das Dreifache aufzublähen. Noch im Dezember 2007 bestanden fast 90 Prozent der Vermögenswerte aus Staatsanleihen, die von der US-Regierung gesichert sind und höchste Qualität aufweisen. Als sich die Finanzkrise aber auszuweiten drohte, schmiedete Bernanke in rascher Folge etwa ein Dutzend neuer Finanzierungsinstrumente. So entfernte er faule Kredite von weit über 1000 Milliarden Dollar aus den Büchern der Banken, Versicherungen und Hypothekarinstitute. Er vergab zudem kurzfristige Darlehen an Industriefirmen und Dollarreserven an ausländische Notenbanken, um das globale Finanzsystem liquid zu halten.
Sicherheiten nicht durchweg stabil
Zwar gelang es in den letzten Wochen, die Bilanz etwas zu entlasten, vor allem weil die Notenbank die Devisen-Swaps abbaute. Doch hat Bernanke inzwischen zugesichert, im laufenden Jahr zusätzlich bis zu 1200 Milliarden Dollar für weitere Notfallübungen bereit zu legen. Auch meinte er, die Kredite seien nur gegen die Hinterlegung von ausreichenden Sicherheiten vergeben worden. Der Stresstest von 19 US-Banken zeigt aber, dass diese Sicherheiten nicht durchweg so stabil sind wie erhofft und dass möglicherweise noch sechs Banken mehr Kapital brauchen.
Das Risiko fällt auf die US-Steuerzahler zurück. Da es keine Garantie gibt, dass die Notenbank ihre Kredite voll zurückerhält, sind die Löcher durch neue Schulden zu stopfen. Was Bernanke versucht, ist ein Spiel auf Zeit, in der Hoffnung, dass eine bessere Wirtschaftslage die faulen Kredite aufwerten hilft und gar einen Gewinn abwirft. Von einer solchen Erholung sind die USA aber weit entfernt, wie die schlechte Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2009 zeigt. Darum entschied die Notenbank gestern, die Leitzinsen unverändert bei praktisch null Prozent zu belassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.04.2009, 22:11 Uhr
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3 Kommentare
zitiere: "in der Hoffnung, dass eine bessere Wirtschaftslage die faulen Kredite aufwerten hilft und gar einen Gewinn abwirft" da kommt mir die folgende Frage im Sinn...wenn diese faulen Kredite sich mehrheitlich auf gebaute Häuser in den USA stützen, die Hoffnung (oder Lösung) liegt in einer neuen Immobilienblasen!? Antworten
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