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Fastweb-Skandal: So funktionierte der Betrug

Von . Aktualisiert am 03.03.2010 51 Kommentare

Das Karussell der Geldvermehrung: Rechnungen über zwei Milliarden Euro, auf denen Mehrwertsteuer erhoben, aber nicht abgeliefert wurde – so hat Fastweb Geld gewaschen.

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Mit dem Begriff «Karussell» bezeichnen die italienischen Ermittlungsbehörden das betrügerische System, an dem sich auch Fastweb und Sparkle, eine Tochter von Telecom Italia, bereichert haben sollen. Das System beruht - gemäss Behörden - auf einem internationalen Kreislauf von Finanztransaktionen, die auf Rechnungen für fiktive Dienstleistungen beruhen. Neben den real tätigen Firmen Fastweb und Sparkle sind eine Reihe von Unternehmen in den Kreislauf involviert, die einzig und allein für den Betrug gegründet wurden.

Konkret: Eine Firma in London bestellt bei Fastweb und Sparkle Telekommunikationsleistungen, die nur auf dem Papier existieren, und erhält dafür eine Rechnung aus Italien (A in der Grafik rechts). Weil diese Transaktion grenzüberschreitend ist, unterliegt sie nicht der Mehrwertsteuer. Vom überwiesenen Betrag behalten Fastweb und Sparkle einen Teil als Kommission, was ihnen erlaubt, ihre Bilanz aufzublasen. Dann bestellen sie dieselben - fiktiven - Leistungen bei einer italienischen Scheinfirma, die ihnen 20 Prozent Mehrwertsteuer in Rechnung stellen muss (B). Zwecks Tarnung des Betrugs wird dasselbe Geschäft noch mit einer zweiten Scheinfirma in Italien abgewickelt (C). Diese überweist den Betrag anschliessend inklusive Mehrwertsteuer an einen Broker in Panama, der wiederum eine Rechnung für dieselbe fiktive Leistung ausgestellt hat (D). Geschlossen wird der Kreislauf schliesslich mit dem identischen Handel zwischen dem Broker in Panama und der erstgenannten Firma in London (E).

Gewaschenes Geld wieder investiert

Wenn die Firma in London 100 Euro nach Italien überweist, erhält sie am Schluss 114 Euro zurück. Im zweiten Umgang werden daraus 130 Euro. Und so weiter. Aus diesen Gewinnen entstanden jene schwarzen Kassen, welche die kriminelle Organisation laut Ermittlern mit Investitionen in Autos, Schmuck und Liegenschaften wieder gewaschen haben soll. Insgesamt sollen fingierte Rechnungen im Umfang von 2 Milliarden Euro gestellt worden sein. Davon gingen gut drei Viertel auf das Konto von Sparkle und knapp ein Viertel auf das Konto von Fastweb. Dem Staat entstand ein Schaden von knapp 400 Millionen Euro, weil Fastweb und Sparkle die weitergeleitete Mehrwertsteuer von ihrer Steuerrechnung abziehen konnten.

Die Ermittler werfen Fastweb und Sparkle vor, entweder selbst Teil dieser kriminellen Organisation zu sein oder dieser zumindest ihre reale Geschäftsstruktur zur Verfügung gestellt zu haben. Besonders gravierend sei dies, weil auch die kalabresische’Ndrangheta Teil der Organisation sei. Um das ganze Geschäft abzusichern und sich besser über allfällige Ermittlungen der Behörden ins Bild setzen zu können, soll die’Ndrangheta einen Politiker und einen hohen Offizier der Finanzpolizei gekauft haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2010, 16:40 Uhr

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51 Kommentare

Alfred Hellmüller

25.02.2010, 09:52 Uhr
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Da hat Herr Blocher leider recht. In gut einem halben Dutzend Ausland-Abenteuer hat Swisscom Milliarden um Milliarden verlocht; allen bei Debitel (D) ca. 3 Mia. Wenn man selbst kein Killer-Wal ist, sollte man Haifischbecken meiden. Antworten


alex Meyer

25.02.2010, 10:13 Uhr
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Die Firma wurde 2007 für über 6.9 Mia Franken gekauft und steht heute mit 2.6 Mia in den Büchern (hat lediglich ein paar Milliönchen an Gewinn abgeworfen). Also pro Jahr über eine Mia wegen Managementfehler "verbrannt", die der Staat sprich wir schlussendlich bezahlen. Gleichzeitig entlässt die Swisscom altgediente Mitarbeiter (überlässt deren Unterhalt dem Staat) um "profitabler" zu werden. Antworten



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