Ex-Lehman-Chef: «Sie tragen keine Waffe, das ist gut»
Artikel zum Thema
- Führte ein Missverständnis zur Lehman-Pleite?
- Lehman-Pleite: Vorwüfe gegen weitere Schweizer Bank
- Die grossen Geldvernichter sind zurück
- Ex-Lehman-Chef verkauft Villa für 100 Dollar – an seine Frau
Ketchum, Idaho – hier weilt Fuld in den Ferien
«Sie tragen keine Waffe, das ist gut», empfängt der abgehalfterte Banker den Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Fuld muss in ziemlicher Angst leben. Besucht hat der Journalist den Ex-Lehman-Boss in dessen Landhaus, in einem kleinen Dorf namens Ketchum im Bundesstaat Idaho, rund 800 Kilometer östlich der Westküste.
Der Multimillionär steht in einem schwarzen Faserpelzpullover, kurzen Hosen und Sandalen vor seinem Haus. Fuld will reden – und doch nicht. Er sei hin und hergerissen, über das Vergangene zu sprechen. Warum? Er glaube, die Welt sei noch nicht bereit, zu hören. Was zu hören? Seine Wahrheit offenbar.
Hat er eine andere, als die bisher geltende? Diejenige von einem Banker, der 1994 bei Lehman Brothers einsteigt, das Wallstreet-Institut mit atemberaubenden Tempo und hochriskanten Geschäften zu Milliarden-Gewinnen führt und damit selbst Branchen-Primus Goldman Sachs nervös macht. Im September 2008 aber unter gigantischer Last fauler Kredite die Bank in den Ruin trieb, die Weltwirtschaft damit an den Rand einer Kernschmelze brachte und fortan als Symbolfigur für die Gier der Banken und das Böse der Finanzwelt galt.
Verbale Prügel ohne Ende
«Wissen Sie was? Der Jahrestag kommt», sagt Fuld dem Reporter, als wüsste dieser nicht um die Bedeutung des 15. Septembers. Es war der Tag, als die Menschen mit Kartonschachteln aus der Lehman-Bank rannten, abgelichtet von Fotojournalisten. Auch das Bilder für das Geschichtsbuch. Und als Höhepunkt der öffentlichen Demütigung: Fuld, umringt vom wütenden Mob mit Plakaten wie «Schäm dich».
Die Wut der Menschen erreicht ihn offenbar heute noch. «Auf mich wird ununterbrochen eingeprügelt. Immer und immer wieder. Aber ich kann damit umgehen. Wissen Sie was, ich lass das einfach an mir vorbeigehen», so Fuld. Und die verbalen Prügel werden nochmals zunehmen, wenn am nächsten Dienstag sich einer der schlimmsten Tage der jüngsten Wirtschaftsgeschichte zum ersten Mal jährt.
Erneut macht er glauben, es stünde noch eine andere Wahrheit hinter dem Schlammassel. Er will noch eine Weile warten, bis er auspackt. «Keiner will es hören. Die Fakten sind zwar da. Aber niemand will sie hören, speziell nicht von mir.» Den grossen Knall darf man nicht erwarten. Wohl will Fuld einfach nochmals wiederholen, dass nicht seine Bank Schuld an der Misere ist, dass andere schon viel früher damit angefangen haben, Hypotheken zu verbriefen und damit die hohen Risiken vertuscht haben.
Auf die Hügel kraxeln
Was Fuld jetzt macht, will er dem Reporter nicht verraten. Einzig, dass er am Morgen des Journalisten-Besuches bereits einen Berg bestiegen hat. In dem Reuters-Bericht werden aber Freunde und Bekannte Fulds zitiert, die den Ex-Lehman-Chef wieder im Business sehen. Angeblich betreibt er eine Beraterfirma. Hoffentlich hat der Mann die richtigen Lehren aus dem Debakel gezogen. (cpm)
Erstellt: 08.09.2009, 12:48 Uhr
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang



