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Europas Banken schneiden besser ab als erwartet

Von Stephan Israel. Aktualisiert am 24.07.2010

Den Belastungstest der europäischen Bankenaufsicht CEBS haben sieben Institute nicht bestanden. In Deutschland ist es die Hypo Real Estate. UBS und CS schnitten in einem Test der Finma gut ab.

Bild: Felix Schaad

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Stresstest: Sieben von 91 fielen durch

Stresstest: Sieben von 91 fielen durch
Sieben der 91 überprüften europäischen Banken sind durch die öffentlichen Stresstests gefallen, wie das Komitee der Europäischen Bankenaufseher (CEBS) am Freitag in London bekanntgab.

CEBS: die europäische Bankenaufsicht

Durch die Stresstests zur Krisentauglichkeit der europäischen Banken ist eine bisher nur Kennern bekannte Abkürzung plötzlich in in aller Munde: die europäische Bankenaufsicht CEBS. Die Abkürzung CEBS steht für Committee of European Banking Supervisors - Ausschuss der europäischen Bankenaufseher. Das CEBS ist eine der jüngsten EU-Behörden - gerade einmal sechs Jahre alt.

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Die Liste der Wackelkandidaten zählte bis zu zehn Namen, am Ende scheiterten beim Bankenstresstest der EU allerdings nur sieben Finanzinstitute. Neben fünf spanischen Sparkassen haben die deutsche Hypo Real Estate und die griechische ATE Bank die Belastungstests nicht bestanden, wie die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (CEBS) gestern Abend in London mitteilte.

Im strengsten Szenario blieben sie mit ihrer Kernkapitalquote unter sechs Prozent, wie die CEBS in London mitteilt. Neben der Hypo Real Estate sind auch die griechische Atebank sowie die spanischen Sparkassen Diada, Cajasur, Espiga, Unnim und Civica gescheitert.

Insgesamt waren 91 Banken aus 20 Mitgliedsstaaten getestet worden. Spanien stellte die meisten Versager, hatte aber auch proportional die meisten Banken prüfen lassen – und spanisch war die Bank, die am besten abschnitt. Bei den Belastungstests wurde durchgespielt, wie sehr Stabilität und Kapitaldecke der Institute in verschiedenen Extremszenarien leiden würden.

Zufrieden mit Testergebnis

Die Bankenaufsichtsbehörde veröffentlichte die Testergebnisse bewusst am Freitagabend, um den Banken übers Wochenende Zeit zu lassen, fehlendes Kapital aufzutreiben. Bei den sieben Problembanken handelt es sich durchwegs um nicht kotierte Institute. In Deutschland haben neben der bereits verstaatlichten HRE zwei Landesbanken und die Postbank nur knapp bestanden.

Die Bankenaufseher, Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission zeigten sich mit dem Testergebnis zufrieden. Erst am Montagmorgen bei Eröffnung der Börsen wird jedoch klar sein, wie die Finanzmärkte die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse bewerten. Unter Experten waren die Parameter der Stresstests bis zuletzt umstritten. Die Bankenaufseher hatten eine zweijährige Rezession, einen massiven Einbruch an den Aktienmärkten und Abschreibungen bei den Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken zur Grundlage genommen.

«Die härtesten Stresstests der Welt»

Die EZB bezeichnete die Stresstests gestern als «die härtesten der Welt». Die verwendeten Szenarien seien noch negativer als beim amerikanischen Stresstest. Eine Staatspleite sei ausgeklammert worden, da die EZB nicht daran glaube, dass ein europäischer Staat Pleite machen könne.

Die Verlierer:

  • Diada Spanien 3,9 Prozent
  • Cajasur Spanien 4,3 Prozent
  • Agricultural Bank of Greece (Atebank) Griechenland 4,36 Prozent
  • Unnim Spanien 4,5 Prozent
  • Banca Civica Spanien 4,7 Prozent
  • Hypo Real Estate (HRE) Deutschland 4,7 Prozent
  • Espiga Spanien 5,6 Prozent

Die Gewinner:

  • Banca March Spanien 19,0 Prozent
  • OTP Bank Ungarn 16,2 Prozent
  • Powszechna Kasa Oszczednosci Bank Polski Polen 15,4 Prozent
  • Bilbao Bizkaia Kutxa Spanien 14,1 Prozent
  • Barclays Grossbritannien 13,7 Prozent
  • Sydbank Dänemark 13,2 Prozent
  • Jyske Bank Dänemark 12,5 Prozent
  • Rabobank Niederlande 12,5 Prozent

Die Atebank teilte noch am Freitagabend mit, am Markt neues Kapital aufnehmen zu wollen. Laut CEBS brauchen die sieben betroffenen Institute insgesamt 3,5 Milliarden Euro frisches Geld.

UBS und CS mit Quote von acht Prozent

Die Grossbanken Credit Suisse und UBS haben einen Stresstest der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) souverän bestanden. Laut dem Krisenszenario wären sie selbst dann nicht gefährdet, wenn neben der Weltwirtschaft auch Immobilienmärkte und Euro-Staaten kollabierten. Der Schweizer Stresstest ist strenger als jener des Verbands europäischer Bankenaufsichtsbehörden (CEBS). Grund für diese Sonderbehandlung ist die besondere Bedeutung der beiden Grossbanken für die Schweiz, wie die Finma am Freitag erklärte.

Zusätzlich zu früheren Stresstests, die seit Anfang 2009 als Folge der Finanz- und Bankenkrise regelmässig durchgeführt werden, wird auch eine «spezifisch sehr ausgeprägte» Verschärfung der Schuldenkrise einiger EU-Staaten angenommen. Gemäss der Belastungsprobe blieben die Kapital- und Liquiditätspuffer der Credit Suisse und der UBS ausreichend. Die Kernkapitalquote (Tier 1) würden nicht unter die mindestens geforderten 8 Prozent sinken.

Drei Szenarien

An dem europäischen Stresstest, dessen Ergebnisse erstmals veröffentlicht wurden, nahmen 91 Kreditinstitute aus 20 Mitgliedstaaten teil. Sie repräsentieren, gemessen an der Bilanzsumme, 65 Prozent des EU-Bankensystems. Vergleichsweise schlecht schnitten noch zwei weitere deutsche Banken ab: So blieb die Nord/ LB im Extremszenario mit 6,2 Prozent Kernkapitalquote nur ganz knapp über der Mindestgrenze, die Postbank erreichte in diesem Szenario 6,6 Prozent.

Dabei wurde getestet, wie sich das Kapital der Banken in drei Szenarien verhält: Im ersten Szenario bei guter, im zweiten bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung. Im dritten Szenario kamen zur schlechten Wirtschaftsentwicklung auch noch massive Wertverluste von Staatsanleihen hinzu.

Mehr Vertrauen auf den Märkten

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat das Abschneiden der deutschen Geldinstitute beim europäischen Banken-Stresstest begrüsst. «Es ist ein positives Signal, dass ausnahmslos alle teilnehmenden deutschen Banken die aufsichtsrechtlichen Anforderungen auch im unwahrscheinlichen Fall eines schweren Wachstumseinbruchs erfüllen», erklärte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Die breite Teilnahme und die Offenlegung der Ergebnisse sei ein wichtiger Schritt für mehr Vertrauen auf den Märkten.

«Bei Bewertung der Ergebnisse ist zudem zu beachten, dass beim Sonderfall HRE die bereits eingeleitete Neustrukturierung beim Stresstest noch nicht berücksichtigt werden konnte», erklärte Schäuble. Ungeachtet des insgesamt erfreulichen Ergebnisses bleibe jedoch die Notwendigkeit bestehen, weitere Fortschritte bei der Konsolidierung des Landesbankensektors zu erreichen.

Im Notfall hilft der Staat

Europäische Institutionen haben eine positive Bilanz der Stresstests gezogen. Die Überprüfung der Institute habe die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems insgesamt bestätigt, erklärten die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bankenaufsicht CEBS am Freitag.

Die Tests seien ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte. Banken, die zusätzliche Mittel benötigten, sollten das Geld über den privaten Sektor beschaffen. Notfalls könnten die Institute mit Kapitalbedarf aber auch auf den Staat zurückgreifen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2010, 06:26 Uhr

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