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Es war alles viel schlimmer, als man ahnen konnte

Von Claude Chatelain. Aktualisiert am 12.01.2012 1 Kommentar

Über ein Jahr brauchte die Finanzmarktaufsicht, um jenen Entscheid zu fällen, der von der Branche erwartet worden war: Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Walter Bosch und sein Vize Bernhard Liechti haben in Führungspositionen im Finanzbereich zumindest in den kommenden vier Jahren nichts mehr zu suchen.

Ein milderes Urteil wäre von der Branche kaum verstanden worden. Doch die Finma rügt auch die übrigen Verwaltungsräte und ordnet ihre Suspendierung an. Sie deckt Verfehlungen auf, die bisher nicht bekannt waren. So haben etliche Verwaltungsräte zusätzlich zum festen Honorar und den Boni weitere Zahlungen entgegengenommen, für die sie keine Leistungen erbrachten. Ein starkes Stück. Die Finma spricht von «teils substanziellen Zahlungen».

Man darf davon ausgehen, dass solche Verfehlungen auch schon vor dem untersuchten Zeitraum begangen wurden. Wäre die Finma nicht wegen des umstrittenen Aktienrückkaufsprogramms auf die KPT aufmerksam geworden, wären diese Machenschaften womöglich noch lange nicht aufgedeckt worden. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die Aufsichtsbehörde sogar eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung angekündigt hat.

Walter Bosch, Willi Morger und Simon Schenk befinden sich im Herbst ihrer Karriere. Sie sind durch das harte Urteil der Finma vor allem in ihrer Ehre verletzt. Es sei denn, die Strafuntersuchung wird bei ihnen strafbare Handlungen aufdecken. Sandra von May-Granelli kann als Chefin des Feusi-Bildungszentrums keine negative Schlagzeilen brauchen. Sie hat daher gestern umgehend ihren Rücktritt bekannt gegeben: «Ich will einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen und werde den Entscheid der Finma nicht anfechten», schrieb sie gestern den Mitarbeitenden der KPT.

Besonders bitterist das Urteil für Bernhard Liechti, den Vizepräsidenten. Er ist Partner der Berner Treuhandgesellschaft Engel Copera. Wer will schon seine Buchhaltung einem Treuhänder anvertrauen, dem von der Finanzmarktaufsicht ein Berufsverbot auferlegt wird?

Das haben sich offenbar auch seine Partner der Treuhandgesellschaft gesagt, die ihre Kunden wissen liessen, dass Bernhard Liechti in der Treuhandgesellschaft von all seinen Funktionen zurücktreten wird.

Nun hat die Finma mit Peter Eckert eine Art Zwangsvollstrecker installiert und ihn mit der Aufgabe betraut, die Führung auf Stufe Verwaltungsrat zu übernehmen und diesen neu zu bestellen. Dies zeigt in aller Deutlichkeit, wie sehr im obersten Führungsgremium der einstigen Beamtenkasse gefuhrwerkt wurde. Es war alles viel schlimmer, als man bisher gewusst hat und ahnen konnte.

Mail: claude.chatelain@bernerzeitung.ch

Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.01.2012, 11:19 Uhr

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1 Kommentar

Alexander Steiner

12.01.2012, 13:59 Uhr
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Alle sind selber Schuld! Frau von May beweist wenigstens noch, dass Sie nicht töipelet und sich vom Täter zum Opfer stilisieren will, da Sie den FINMA-Entscheid akzeptiert! Aber der Herr Bosch schiesst ja den Vogel ab mit seiner Anfechtung! Sorry, aber wer diesen Entscheid nicht akzeptiert und offensichtlich krass beschissen hat, der hat womöglich eine extrem verzerrte Realität! Antworten



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