Flugaufsichten wehren sich gegen Kritik der Airlines
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Am Himmel herrscht Stille, am Boden rumort es: Die Sperrung vieler Lufträume über Europa wegen der Aschewolke aus einem isländischen Vulkan sorgt für Milliardenverluste - und einige Airlines bezweifeln, dass die Flugverbote notwendig sind.
Es gebe keine genauen Messdaten über die Aschekonzentration am Himmel, warfen sie Meteorologen und Vulkanologen vor. Das Flugverbot beruhe ausschliesslich auf Computerberechnungen der «Volcanic Ash Advisory Centre» (VAAC) in London, kritisierten sowohl Air Berlin als auch Flyniki
Methode vielfach bewährt
Das VAAC wies am Sonntag die Kritik zurück: Seine Vorhersage-Methoden seien verlässlich und vielfach bewährt. Für die Berechnungen trage es europaweit Wetterdaten, Satellitenbilder, aber auch Beobachtungen von Forschern in Island zusammen, sagte eine Sprecherin.
Zudem habe das Zentrum Forscher in die Luft geschickt, damit sie Proben von Partikeln der Aschewolke nehmen.
Vulkanasche über der Schweiz
Über der Schweiz wurde nach Angaben des Bundsamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) die Vulkanasche nachgewiesen. «Alle Messwerte bestätigen die Existenz der Wolke über der Schweiz», betonte BAZL- Sprecher Daniel Göring. Die Asche sei bei Messungen auf dem Jungfraujoch, bei Ballonflügen und bei Flügen privater Spezialisten gefunden worden.
Problematisch sei, dass alle Resultate von Punktmessungen her stammen. Man wisse weder etwas über die Zusammensetzung der Wolke, noch über ihre Grenzen, noch wisse man, wo sie dicht und wo sie weniger dicht sei, räumte Göring ein.
Kritik aus Deutschland und Österreich
Am Samstag hatten bereits die Chefs der österreichischen Gesellschaften AUA und «Flyniki» ihrem Unmut Luft gemacht. «Flyniki»- Chef Nicki Lauda bezweifelte, dass die Wolke noch eine Gefahr für den Flugverkehr darstellt. Am Sonntag doppelten die Deutsche Lufthansa und Air Berlin nach. Das Flugverbot beruhe ausschliesslich auf Computerberechnungen der «Volcanic Ash Advisory Centre» (VAAC) in London, kritisierten beide Unternehmen.
Lufthansa schickte nach eigenen Angaben am Samstag zehn Testmaschinen bis auf acht Kilometer Höhe. Die Flugzeuge hätten nicht «auch nur den kleinsten Kratzer» abbekommen, sagte ein Sprecher. Auch die niederländische Fluggesellschaft KLM erklärte, sie habe nach Testflügen keine Schäden feststellen können. Ein Testflugzeug sei auf eine Höhe von bis zu 13'000 Metern Höhe gestiegen. Gemäss Angaben der niederländischen Regierung wurden die Flüge auf Anfrage der EU durchgeführt. Auch in Frankreich und Belgien fanden Testflüge statt.
«Safety First» in der Schweiz
Keine Kritik kam bislang aus der Schweiz. Bei der Swiss hiess es lediglich: Sicherheit geht vor. Und Bazl-Chef Peter Müller sagte der Zeitung «Sonntag», die Fluggesellschaften hätten das Verbot akzeptiert.
Daure die Sperre aber an, habe dies nicht nur für die Luftfahrt «dramatische Folgen» sondern für die gesamte Volkswirtschaft, warnte Müller. Gemäss dem Weltflugverband IATA in Genf kostet jeder Tag des Flugverbots allein die Airline-Branche mindestens 200 Millionen Dollar.
Beinahe-Crashs in der Vergangenheit
Dass eine Aschewolke Abstürze verursachen kann, belegen mehrere Zwischenfälle in der Vergangenheit. So stürzte 1982 eine Boeing 747 der British Airways auf dem Weg von London nach Neuseeland beinahe ab, nachdem die Maschine durch eine Wolke eines indonesischen Vulkans geflogen war.
Alle vier Triebwerke fielen aus. Den Piloten gelang es jedoch, im Gleitflug aus der Wolke zu fliegen und zwei Triebwerke wieder zu starten. Danach machte das Flugzeug eine Notlandung in Jakarta. Sieben Jahre später wäre aus dem gleichen Grund beinahe eine Maschine der KLM über Alaska abgestürzt. Auch hier konnten die Piloten die Triebwerke wieder starten und notlanden.
(oku/sda)
Erstellt: 18.04.2010, 15:00 Uhr
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