«Es ist falsch, Mütter aus dem Arbeitsprozess auszugrenzen»

Frischgebackene Mütter werden nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz immer häufiger entlassen. Eine Betroffene erzählt.

Gesetzlich benachteiligt? Eine werdende Mutter sitzt an ihrem Arbeitsplatz. (Symbolbild)

Gesetzlich benachteiligt? Eine werdende Mutter sitzt an ihrem Arbeitsplatz. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Recherchen der Zeitung «Le Matin Dimanche» zeigen, dass immer mehr Mütter am ersten Tag ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz entlassen werden. Und dies meist ohne nachvollziehbare Begründung – so war es auch bei D. Z., einer jungen Mutter, für welche die Kündigung sehr überraschend kam. Sie habe eigentlich immer das Gefühl gehabt, als Mitarbeiterin geschätzt zu werden, erzählt die Betroffene gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet. Die Entscheidung ihrer Vorgesetzten habe sie deshalb wie ein Schlag getroffen. Nur eine Woche vor Ablauf des Schwangerschaftsurlaubs kam die negative Nachricht. «Ich war von einem auf den anderen Tag arbeitslos. Mir wurde der Boden unter den Füssen weggezogen», so die Betroffene.

Was sie besonders ärgerte: Das entsprechende Telefonat kam von der Personalabteilung, nicht einmal von den Chefs selbst. Diese hätten sich nicht getraut, vielleicht weil sie selbst mehrfache Väter seien, mutmasst D. Z. Dabei hätten sie ihr während der Schwangerschaft noch vermittelt, sich um eine Weiterbeschäftigung zu kümmern. Nun, als die Trennung anstand, gab es nicht einmal eine Begründung für die Entlassung.

«Als Mutter kann man nicht auf allzu viel Unterstützung hoffen.»D. Z.

Einen Grund brauchten die Vorgesetzten allerdings auch nicht. Denn die Betroffene arbeitete vor ihrer Schwangerschaft Vollzeit, danach wollte sie mit 60 Prozent wieder einsteigen. Und wenn sich das Pensum ändert, ändert sich automatisch der Vertrag, womit der Arbeitgeber nicht mehr gebunden ist. Als Allererstes habe sie mit einem Arbeitsrechtler telefoniert, so D. Z. Dieser habe ihr leider mitgeteilt, dass bei der Kündigung juristisch alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen sei.

Auf dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) erhielt die Betroffene anschliessend die Empfehlung, sich selbstständig zu machen. Viele ähnliche Fälle hätten gezeigt, dass frischgebackene Mütter innerhalb einer vernünftigen Zeit keinen Job finden würden, der ihren Qualifikationen entspricht, meinte die RAV-Beraterin.

«Mütter dürften nicht mehr als Klotz am Bein betrachtet werden, sondern als gleichwertige Angestellte.»D. Z.

Die Betroffene glaubt indes nicht, dass ihre Qualifikationen bei der Entlassung eine Rolle gespielt haben. «Ich bin gut ausgebildet und will arbeiten», sagt D. Z. Wahrscheinlicher sei, dass ihre Chefs bis zum Schluss alle Optionen offen gelassen und sich dann für die einfachere Variante entschieden hätten. Denn bei Müttern müsse der Arbeitgeber flexibler sein. Zudem würden Firmen wohl befürchten, dass Mütter weniger Leistungsbereitschaft zeigen und öfter abwesend sein könnten.

Aus Sicht der Betroffenen muss sich diese weit verbreitete Einstellung ändern. Es müsse ein Umdenken bei Vorgesetzten stattfinden: «Mütter dürften nicht mehr als Klotz am Bein betrachtet werden, sondern als gleichwertige Angestellte.» Neben mehr Wertschätzung und Flexibilität seitens der Unternehmen fordert D. Z. eine Änderung der jetzigen Rechtslage. Das Gesetz solle so angepasst werden, dass Mütter besser geschützt und gleichzeitig Anreize für Jobsharing und andere flexible Arbeitsmodelle geschaffen werden.

Denn viele Mütter wie sie selbst würden gerne arbeiten. Dazu müssten sie aber auch die Möglichkeit erhalten. «Es ist auch aus volkswirtschaftlicher Sicht falsch, Mütter aus dem Arbeitsprozess auszugrenzen», sagt die Betroffene. Sie ist bei der Jobsuche mittlerweile fündig geworden und arbeitet wieder. Zur Stelle sei sie aber nur dank ihrem persönlichen Netzwerk gekommen, so D. Z. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.02.2016, 20:55 Uhr)

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