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Erdöl-Konzernen gehen die Reserven aus

Von Silvia Liebrich. Aktualisiert am 14.09.2009 2 Kommentare

Keine Branche hat 2008 mehr verdient als die Erdölindustrie. Doch der Kampf um die letzten Reserven wird härter.

Das Öl muss mit immer grösserem Aufwand gesucht und gefördert werden (hier im Golf von Mexiko).

Das Öl muss mit immer grösserem Aufwand gesucht und gefördert werden (hier im Golf von Mexiko). (Bild: Keystone)

Die Dominanz der Ölkonzerne ist nicht zu übersehen: Unter den Top 10 der 50 grössten börsennotierten Unternehmen der Welt finden sich gleich 7 Ölfirmen (siehe Tabelle). In keiner anderen Branche wurde 2008 mehr umgesetzt und verdient. Zusammen kommen die 7 Ölmultis unter den ersten 10 auf einen Umsatz von 2300 Milliarden Dollar - eine Summe, die etwa der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung Frankreichs entspricht. An der Spitze liegt wie im Vorjahr der US-Konzern Exxon Mobil, vor den Konkurrenten Royal Dutch/Shell und BP.

Dabei hätte das Ergebnis noch besser ausfallen können. Doch der Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise im vergangenen Sommer machte der Ölindustrie einen Strich durch die Rechnung. Sie liess den Ölpreis von 150 auf 50 Dollar je Fass (159 Liter) einbrechen - ein Rückgang, der sich erst in den Bilanzen von 2009 voll niederschlagen wird. Doch die nächsten Rekorde sind absehbar. Sobald sich die Weltwirtschaft erholt, dürfte der Ölpreis neue, bislang unerreichte Höhen erklimmen, darin sind sich die Experten einig.

Giganten verlieren an Macht

Trotzdem, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Die Marktmacht der privaten Ölkonzerne schwindet langsam. Für die Branche wird es zunehmend schwierig, an neue Förderlizenzen zu kommen. 80 Prozent der Ölvorkommen, die heute ausgebeutet werden, sind in der Hand staatlicher Firmen. Vor 30 Jahren lag dieser Anteil erst bei 60 Prozent. Ins Geschäft kommen die grossen börsennotierten Firmen häufig nur, wenn sie als Partner bei schwierigen Projekten unentbehrlich sind - etwa dann, wenn staatlichen Ölfirmen das nötige Knowhow fehlt. Schwer auszubeuten sind beispielsweise die Ölfelder vor der Küste Westafrikas, wo das Meer eine Tiefe von 3000 Metern und mehr hat.

Dadurch steigt auch der Investitionsbedarf. Exxon, Shell und BP gaben im vergangenen Jahr zusammen 78 Milliarden Dollar für neue Öl- und Gasprojekte aus, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr soll der Betrag auf 84 Milliarden Dollar aufgestockt werden. Zwar glaubt auch BP-Chef Tony Hayward, dass es ein wenig dauern wird, bis die Firma neue Rekordgewinne aufstellt. Ein ernsthaftes Hindernis für Investitionen sieht er in dem niedrigen Ölpreis und der gesunkenen Nachfrage aber nicht: «Wir haben eine sehr starke Bilanz und können die gegenwärtigen Belastungen aussitzen.» Voraussichtlich 22 Milliarden Dollar wird BP 2009 investieren.

Exxon-Chef Rex Tillerson hält ebenfalls an seinem 30-Milliarden-Dollar-Investitionsprogramm fest. Exxon ist der Konzern, der seit Jahren darauf beharrt, dass die Ölreserven der Erde noch für mehrere Jahrhunderte reichen werden - eine Einschätzung, die allerdings die wenigsten teilen. Die meisten Experten erwarten, dass die verwertbaren Vorräte bereits in den kommenden 50 bis 100 Jahren zur Neige gehen werden.

Exxon verliert Rückendeckung

Als einer der wenigen in der Branche konzentriert sich Exxon weiterhin strikt auf das Öl- und Gasgeschäft, während etwa BP zunehmend auf Windkraft und Solarenergie setzt und Shell sein Biosprit-Engagement vorantreibt. Umweltschützer greifen Branchenführer Exxon wegen seiner umstrittenen Ölsandprojekte in Nordamerika an. Beirren lässt sich Tillerson von der Kritik nicht: Exxon will 7 Milliarden Dollar in das umstrittene Ölsandprojekt Kearl Lake in der kanadischen Provinz Alberta stecken.

In Washington kann Exxon seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama nicht mehr auf uneingeschränkte Unterstützung zählen. Obama warf dem Konzern schon im Wahlkampf rücksichtslose Profitgier vor. Sein erklärtes Ziel ist es, die Ölabhängigkeit der USA zu verringern. Bis 2025 soll ein Viertel des Strombedarfs aus alternativen Quellen gedeckt werden; spritsparende Technologien für Autos werden mit einem Milliardenprogramm gefördert.

China als Retter?

Der Kampf um die letzten Ölreserven wird nach Einschätzung von Analysten den Druck auf die Konzerne erhöhen, sich zusammenzuschliessen. In der Branche wurde spekuliert, dass Exxon einen seiner europäischen Konkurrenten übernehmen könnte. BP-Chef Hayward signalisierte jedoch deutlich, dass er davon nichts hält. Allerdings ist es schon lange üblich, dass die Firmen der Branche bei Projekten eng kooperieren.

Für wachsenden Wettbewerbsdruck sorgt China. Einer der zwei Aufsteiger in die Top 10 der Weltkonzerne ist Sinopec. Das grösste Unternehmen Chinas fördert nicht nur Öl und Gas, sondern ist auch einer der grössten Raffineriebetreiber Asiens. Der Expansionsdrang der Volksrepublik im Rohstoffsektor beschränkt sich bislang auf Bergbaukonzerne, wo chinesische Investoren aber oft unwillkommen sind. Doch das könnte sich nach Einschätzung der UBS-Experten ändern. Eine Zuspitzung könnte auch einige der westlichen Ölmultis in Bedrängnis bringen. Chinesische Investoren, die über grosse Kapitalreserven verfügen, sind vielleicht bald bei Firmen, deren Management sich übernommen hat, als Retter willkommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2009, 13:33 Uhr

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2 Kommentare

peter ess

14.09.2009, 15:10 Uhr
Melden

In diesem Artikel wird zuwenig auf den 'Exploration Erfolg' der Juniors in den letzten 5 Jahre hingewiesen. Antworten


ralph kocher

14.09.2009, 18:02 Uhr
Melden

...fossile Nostalgiker, fällt mir hier nur ein. Wie bei den geouteten Banken flötet man noch im Sterben die höchsten Töne! Dass sich aber die allgegenwärtigen Situationen momentan nur allzu progressiv kumulieren, lese ich hingegen höchst selten. Sogar Brabeck & Co. wird auf die Nase fallen! Es ähnelt unseren Geschichtshistorikern: Nur was der Menge zugemutet, wird aufgegleist. Antworten



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