Ems-Chemie: Eine Entgegnung
Von Magdalena Martullo. Aktualisiert am 20.01.2012 21 Kommentare
Blocher und die Ems-Chemie
Wie hat Christoph Blocher die Ems-Chemie übernommen? Am 24. Dezember 2011 beleuchtete der TA die Hintergründe dazu. «Eine faktenwidrige Darstellung», erklärt Magdalena Martullo, die Vizepräsidentin und Delegierte des Verwaltungsrates der EmsChemie Holding. Nachfolgend stellt sie die Fakten (wie in Karl Lüönds unabhängig recherchiertem Buch über die Ems-Chemie beschrieben) richtig.
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Anfang der Achtzigerjahre befand sich die Weltwirtschaft in einer starken Rezession. Die Textilindustrie (das damalige Hauptgeschäft der Ems-Chemie) war besonders stark betroffen. Die Ems-Chemie kämpfte mit Verlusten. Entlassungen waren unvermeidlich. 1979, auf dem Höhepunkt der Krise, starb der Firmengründer Werner Oswald. Unvermittelt, aufgrund eines Wechsels bei der Steuerzuständigkeit, sahen sich dessen Frau und dessen Kinder mit bedeutend höheren Vermögenssteuern konfrontiert, die sie aufgrund des schlechten Geschäftsgangs nicht mehr aus der Dividende der Ems-Chemie finanzieren konnten. Die Familie Oswald entschloss sich zum Verkauf ihrer Familienholding, welche die Aktien an der Ems-Chemie hielt.
Den Auftrag zum Verkauf erhielten Christoph Blocher und als Vertreter der Familie zwei in der Geschäftsleitung der Ems-Chemie tätige Söhne des Firmengründers. Zusammen mit dem damaligen Ems-Finanzchef führten die drei Verkaufsgespräche mit ausländischen Konkurrenzfirmen. Diese waren in erster Linie an Kunden und Patenten interessiert, aber nicht am Erhalt des Werkplatzes Domat/Ems. Das höchste Angebot kam von General Electric. Jack Welch verhandelte persönlich und machte ein Angebot für rund 20 Millionen Franken. Er plante, mindestens die Hälfte der bündnerischen Belegschaft zu entlassen.
Verzerrende Berichterstattung
Mangels Käufern, die den für die Region wichtigen Werkplatz erhalten hätten, entschloss sich Christoph Blocher selber zum Kauf, und zwar zum selben (Höchst-)Preis, den General Electric anbot. Das Aktienpaket der Familienholding Oswald umfasste aber nur 10 Prozent der Kapitalrechte (und 30 Prozent der Stimmrechte) von der Ems-Chemie. Die übrigen Aktien waren im Besitz von Dritten (das Unternehmen war an der Börse kotiert). Der Börsenwert der Ems-Chemie (für 100 Prozent der Kapitalanteile) bewegte sich im Jahr des Verkaufs zwischen 70 und 125 Millionen Franken.
Christoph Oswald, Sohn des Firmengründers und zur Zeit des Verkaufs Generalsekretär der Ems-Chemie und Präsident des Verwaltungsrates der Familienholding, schrieb mir am 23. Juli 2007 Folgendes zum damaligen Verkauf: «Im Einklang mit den Grundsätzen meines Vaters war für mich beim Verkaufsentscheid das Wichtigste, dass die Arbeitsplätze in Domat/Ems erhalten blieben. Unter den verschiedenen Interessenten, mit denen über den Kauf der Ems-Chemie verhandelt wurde, gab es ausser Christoph Blocher keinen, der Gewähr dafür geboten hätte, dass das Werk im Sinne von meinem Vater und dessen Zielsetzungen weitergeführt würde. (. . .) Ich freue mich über die positive Entwicklung der Ems-Chemie unter der Führung von Christoph Blocher. Ich bin ihm nach wie vor freundschaftlich verbunden.»
Als persönliche Zeitzeugin der verzweifelten und für unsere Familie nicht nur finanziell äusserst belastenden Firmenübernahme beurteile ich die verzerrende Berichterstattung von Constantin Seibt als unangemessen und vermisse den gebührenden Respekt gegenüber den Unternehmern, aber auch gegenüber den Generationen unserer Mitarbeiter. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.01.2012, 08:29 Uhr
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21 Kommentare
Liebe Kritiker, ich bin dafür, bevor Ihr andere Verunglimpft Ihr legt erst einmal euren Leistungsausweis vor, sprich wie viele Arbeitsplätze Ihr geschaffen habt. Man muss betreffend Unternehmensführung nicht immer mit allem Einverstanden sein, doch ich denke bevor Ihr mitreden wollt, weist erst einmal nach was ihr vollbracht habt und es gibt einige Firmen du suchen Nachfolger/innen... Antworten
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