«Ein katastrophaler Fehler»
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Der Schock war 19,6 Milliarden Franken schwer. So viel Wert wurde an der Schweizer Börse am Donnerstag innert Stunden vernichtet, nachdem Dubai sein Schuldenproblem bekannt gegeben hatte: Das nächste halbe Jahr kann die Investmentgesellschaft Dubai World keine Schulden mehr bedienen.
Die Märkte haben überreagiert, sind sich Beobachter inzwischen einig. Nicht nur die Aktien waren gefallen, sondern auch der Ölpreis – zugelegt hatten dagegen die «sicheren Häfen» Franken, Euro und Gold. Schuld an den starken Kursausschlägen war auch der Zeitpunkt von Dubais Beichte: Das Emirat platzierte seine Hiobsbotschaft unmittelbar vor den langen Feiertagen zum Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt nach Mekka. In den USA war zudem die Börse wegen Thanksgiving geschlossen – es gab ein Informationsdefizit. «Ein katastrophaler Fehler aus Investorensicht», sagt Chefanalyst Jan Poser von der Bank Sarasin.
«Zusammen überforderte das den Markt»
Zusätzliche Unsicherheit brachte die unerwartete Abwertung der vietnamesischen Währung: «Zusammen überforderte das den Markt», erklärt Christian Gattiker, Chefanalyst bei Julius Bär. Für ihn haben die beiden Meldungen etwas gemeinsam: Sowohl Dubai wie Vietnam erwarten, dass andere für eigene wirtschaftliche Probleme geradestehen. Das schafft Unmut. Im Falle von Dubai gehe es den umliegenden Emiraten wohl auch darum, das Land zur Verantwortung für das eigene Tun zu ziehen und den Geldhahn deshalb etwas zuzudrehen.
Gattiker und Poser sind jedoch beide der Ansicht, dass sich der Schwächeanfall Dubais nicht zum Flächenbrand ausweiten und auch keine Banken in die Krise stürzen werde. «Anleger müssen sich vielleicht 20 bis 25 Prozent ans Bein streichen, aber beschränkt auf Dubai», sagt Gattiker. Die anderen Staaten der Region hätten Energiereserven und extreme Überschüsse im Staatshaushalt. Poser sieht allerdings eine generelle Schwächung der Schwellenländer: Es wird zu verstärkten Abflüssen aus entsprechenden Fonds kommen.
Auch Hedge-Fund-Manager glauben nicht daran, dass der Fall Dubai gewichtig genug wäre, um etwa zum Asien-Problem zu mutieren. «Hier hat Dubai einzig Signalwirkung», sagt ein in Singapur stationierter Manager. «Man wird etwas brüsk darauf aufmerksam gemacht, dass die Bäume einfach nicht in den Himmel wachsen können.» Aber Gefahr für ganze Volkswirtschaften sehe er nicht. China oder Singapur stünden weit besser da als Dubai und hätten genügend Reserven.
Grosser Imageverlust
Selbst in Dubai ist nicht alles verloren. «Die Realwirtschaft in Dubai ist von der Krise nicht so stark betroffen», berichtet Markus Oberlin. Er ist Chef von Farnek LLC mit 1300 Angestellten in Dubai und bietet Dienstleistungen an und in Gebäuden an. Das Unternehmen ist ein Joint Venture zwischen der Zürcher Avireal und einer lokalen Firmengruppe in Dubai. «Wir hatten zum Beispiel ein gutes Jahr hinter uns. Und nächsten Monat stellen wir 100 Leute neu ein», sagt er. In Dubai sei gegenwärtig keine Spur von Panik zu spüren, die Leute seien nicht verunsichert, und es gebe auch Anti-Krisen-Zeichen: So hat der Verkehr in Dubai zuletzt stark zugenommen.
Trotzdem ist klar: Der Imageverlust durch die Schuldenfalle ist für Dubai riesig, nicht zuletzt im Immobilienbereich. Und nicht nur das. Das Land wird für längere Zeit erhöhte Refinanzierungskosten haben und Strafzinsen zahlen müssen, prognostiziert Gattiker.
Die Kreditrisikoprämie für Dubai lag am Freitagmittag bei 540 Punkten. Anders gesagt: Um eine Schuld von 10 Millionen Dollar für fünf Jahre zu sichern, muss ein Investor 860'000 Dollar pro Jahr zahlen. Vor der Ankündigung des Stillhalteabkommens hatten noch 640'000 gereicht. Im Februar 2009, mitten in der Finanzkrise, waren allerdings noch 1,1 Millionen Dollar nötig. Bär-Chefanalyst Gattiker relativiert den derzeitigen Anstieg deshalb. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.11.2009, 10:34 Uhr
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