Wirtschaft
Ein Konkurs bringt die Glarner Kantonalbank in Bedrängnis
Bernt Arpagaus. (Bild: Keystone)
Unter der Führung ihres früheren CEO Bernt Arpagaus erlebte die Glarner Kantonalbank im Jahr 2008 ein schlimmes Debakel: Die kleine Bank aus dem Zigerschlitz setzte auf eine aggressive Wachstumsstrategie ausserhalb des Kantons, vergab risikoreiche Kredite und musste im Geschäftsjahr 2008 nach Wertberichtigungen von 96,8 Millionen Franken einen Verlust von 56,8 Millionen Franken hinnehmen. Die Bank stellte Geschäftsführer Bernt Arpagaus nach dessen Kündigung im März 2008 per sofort frei.
Allerdings tauchte der Geschäftsführer nur wenige Monate später in einer Firma auf, die von der Kantonalbank einen ungesicherten Kredit in der Höhe von mehr als 9 Millionen Franken erhalten hatte, wie Recherchen des TA belegen. Als Präsident des Verwaltungsrates der Küchen-Grosshandelsfirma Kronus machte Arpagaus ab dem 8. August 2008 allerdings keine bessere Figur als zuvor bei der Bank. Am 2. Februar 2009 ging die Firma mit Sitz in Ziegelbrücke in den Konkurs. Arpagaus hatte kurz davor – am 16. Januar – das sinkende Schiff verlassen.
Deutsche Bank war vorsichtiger
Wie hoch die Forderungen der Glarner Kantonalbank gegenüber Kronus genau sind, belegt der Kollokationsplan, der dem TA vorliegt: Im Zusammenhang mit einem Kontokorrentkredit belaufen sie sich auf 9'589'021 Franken. Hinzu kommen Schulden auf zwei Servicekonten sowie ein Darlehen in der Höhe von insgesamt knapp 125'000 Franken.
Sicherheiten gibt es auf diesen Forderungen keine: Würde ein Grund- oder ein Faustpfand bestehen, müsste es zusammen mit der Forderung aufgelistet sein. Es ist höchst ungewiss, ob die Bank aus der Konkursmasse der Kronus noch Geld erhalten wird. Besser stehen die Chancen der Deutschen Bank, die ebenfalls zu den Gläubigern gehört: Sie hat für einen rund sechsmal tieferen Kredit von 1,5 Millionen Franken ein Faustpfand verlangt, wie der Kollokationsplan auflistet. Dies bedeutet: Ihre Forderung hat höhere Priorität.
Die Glarner Kantonalbank wie auch der Kanton wollten gestern keine Stellung nehmen. Mit Verweis auf das Bankgeheimnis verweigerten sie schon früher jede Auskunft darüber, ob die Bank überhaupt zu den Gläubigern der Kronus gehört. Dies ist nun geklärt. Darüber hinaus stellen sich folgende Fragen: Warum kam Arpagaus nach seinem Scheitern bei der Bank ausgerechnet bei jener Firma unter, die bei der Bank einen ungesicherten Kredit hatte? Wer hatte das Geschäft vorbereitet und den Kredit vergeben? Warum verlangte die Bank kein Pfand? Hat jemand die Sorgfaltspflicht verletzt? Gut möglich ist, dass diese Fragen in der juristischen Aufarbeitung des Kantonalbankdebakels eine Rolle spielen. In Absprache mit dem Kanton geht die Bank zivilrechtlich gegen einen Teil der früheren Chefs vor und fordert Schadenersatz.
Zu den Geschäften der Bank wollte Arpagaus gestern keine Stellung nehmen. Er sagt aber, dass er als CEO nicht in letzter Instanz über Kredite verfügen konnte. Diese Kompetenz habe bei einem Kreditausschuss gelegen.
Arpagaus ist übrigens geschäftlich wieder aktiv und amtet als Präsident der Swiss Performance Resort in Wollerau sowie als Geschäftsführer der Architektur Form in Pfungen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.01.2010, 07:00 Uhr
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