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EU-Kommissar geht gegen Ratingagenturen vor

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.11.2011 33 Kommentare

EU-Kommissar Michel Barnier will die Gesetze für Ratingagenturen in Europa drastisch verschärfen. Künftig sollen diese haft- und klagbar sein.

1/4 Michel Barnier will, dass Ratingagenturen in Europa für Falschmeldungen künftig schadenersatzpflichtig sein können: Der EU-Kommissar hält eine kritische Rede über Ratingagenturen.

   

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Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zieht den Zorn der europäischen Institutionen und der gesamten Branche auf sich. Grund für das entschlossene Vorgehen von EU-Kommissar Michel Barnier ist eine «irrtümliche» Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs. Barnier wird deshalb am kommenden Dienstag bekannt geben, die Spielregeln in Europa für Ratingagenturen «substanziell zu ändern». Zudem sollen EU-Gesetze so geändert werden, dass Ratingagenturen künftig haftbar werden und auf Schadenersatz geklagt werden kann. Im Zusammenhang mit der Stabilisierung der Eurozone sei dies notwendig geworden, erklärte die Kommission am Freitag vor Journalisten in Brüssel.

Der Hintergrund der Posse: Kunden, Journalisten, Firmen oder staatliche Institutionen können einen elektronischen Informationsdienst abonnieren. Die Nachrichten sind auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse zugeschnitten und gehen über blosse Newsletter-Funktionen hinaus. Das erklärt auch den eingeschränkten Bezieher-Kreis. Nicht alle, die bei S&P abonniert haben, haben die unliebsamen Informationen erhalten.

S&P verteidigt sich

Frankreich hat aufgrund der negativen Bonitätsmeldung durch S&P letztlich sein Triple A eingebüsst, wenn auch nur für kurze Zeit. Diese Bewertungsmeldung, so kurzzeitig sie sein möge, ist in der aktuellen Situation der Eurozone Gift für den Staatshaushalt eines Eurolandes. Was in diesen zwei Stunden am Donnerstag passierte, kostete den französischen Staat eine Menge Geld. Die Zinskosten für zehnjährige Staatsanleihen sind von 2,8 auf 3,5 Prozent gestiegen. Und das alles wegen eines «technischen Fehlers». S&P-Sprecher Mark Tierney spielt gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet den Fall herunter: «Der Vorfall hat nichts mit den Ratingaktivitäten von S&P zu tun.»

Die Kollegen bei der Konkurrenzagentur Fitch nützen die Gelegenheit nicht, um S&P anzuschwärzen, angeschaut hat man sich den Vorfall aber schon sehr genau. «Eine unserer Führungskräfte war schon sehr verwundert», sagt ein Mitarbeiter bei Fitch zu Bernerzeitung.ch/Newsnet. Die Meldung von S&P mutete demnach höchst seltsam an: In der Meldung war von einem stabilen Ausblick für Frankreich die Rede. Die Headline hingegen enthielt das Wort «Downgrade». «Da konnte wohl jemand nicht richtig lesen», ätzt ein Fitch-Mitarbeiter. «Bei uns kann das nicht passieren, weil das durch zu viele Instanzen laufen muss.» Liegt möglicherweise darin das Problem? Hat eine weltumspannende Ratingagentur in der Grössenordnung von Standard & Poor's einfach nicht gut genug hingeschaut?

EU will Ratingagenturen zurückdrängen

S&P ist dabei, den Fall selbst zu untersuchen. Die European Securities and Market Authority (Esma) allerdings ihrerseits auch, nur mit einer anderen Motivation: Die EU-Behörden fordern, dass künftig alle Ratingagenturen ihre Berechnungsmethoden im Detail offenlegen müssen und Interessenkonflikte gebannt werden. Mit den neuen Massnahmen will die EU-Kommission es schaffen, dass die Finanzwirtschaft sich nicht mehr so stark auf das Orakel der Ratingagenturen verlässt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2011, 15:04 Uhr

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33 Kommentare

Thomas Meier

11.11.2011, 15:14 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Das ist Faschismus pur und völlig absurd. Jetzt verbieten die Politiker, welche Schuld an der Schuldenkrise sind, den Agenturen schlecht über Europäische Länder zu schreiben. Was kommt als nächstes Finanzjournalisten dürfen keine neg. Artikel mehr veröffentlichen? Niemand muss auf S+P hören und wenn sie nun haftbar sind, würden sie ja zur Versicherung für ganz Europa werden, lächerlich... Antworten


Mike Keller

11.11.2011, 15:22 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Die Herabstufung von Frankreich entspräche wahrscheinlich eher der Realität. Und typisch EU, sofort Gesetze neu definieren und den Rating-Agenturen vorschreiben, was zu sagen ist und was eben nicht. In unserer Welt darf man sagen was man will, auch wenn es dem Herrn Sarkozy nicht gefällt. EU und Freiheit scheint inkompatibel zu sein! Antworten



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