«Drohung und Vollzug»
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 22.08.2011 37 Kommentare
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Jetzt haben Mitarbeiter des Detailhandelsriesen Migros Grund zum Fürchten. Denn die Frankenstärke setzt dem Detailhändler laut eigenen Angaben im Einkauf dermassen zu, dass dieser offenbar mit Jobkürzungen Kosten sparen will. Migros-Chef Herbert Bolliger liess in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» mit folgender Botschaft aufhorchen: «Im Kerngeschäft, also bei den Supermärkten, werden wir weniger Stellen anbieten.» Er sagt aber auch, dass eine Fluktuation im Detailhandel von etwa zehn Prozent in diesem Zusammenhang ein Vorteil sei. Denn Mitarbeitern, die das Unternehmen aus freien Stücken verlassen, müssten nicht gekündigt werden und würden unter Umständen auch nicht mehr nachbesetzt.
Appell an soziale Verantwortung
Die Gewerkschaft Syna wittert dahinter einen Trick, der im Detailhandel immer wieder Anwendung finde: «Man spricht von einer hohen Fluktuation, dabei werden Abgänge nicht mehr nachbesetzt. Das erhöht den Druck auf die verbleibenden Mitarbeiter dermassen, dass immer mehr Mitarbeiter von sich aus kündigen, ohne dass das Unternehmen das tun muss», erklärt Carlo Mathieu, Leiter des Bereichs Detailhandel bei der Gewerkschaft Syna.
Den Personalstand punktuell auf ein Minimum zurückzufahren, bringe ganze Standorte in Gefahr. «Für uns ist klar, dass die Frankenstärke nicht ausgenutzt werden darf, um den Stress und Druck am Arbeitsplatz weiter zu erhöhen», sagt Vania Alleva, Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Unia. Insbesondere Stundenlöhner würden ein Problem bekommen: Die bezahlten Stunden werden reduziert, sodass die Mitarbeiter weniger verdienen und das Leben damit nicht bestreiten können. Mathieu appelliert deshalb an die soziale Verantwortung des Unternehmens.
Syna plädiert im Notfall für einen Sozialplan und vom Unternehmen bezahlte Weiterbildungen für die Mitarbeiter zur Überbrückung der prekären Wirtschaftslage. Unia meldet grundsätzliche Kritik an: «Migros soll helfen unsere geforderten Massnahmen gegen die Frankenstärke in Bern durchzusetzen, statt auf dem Buckel des Personals zu sparen», sagt Alleva.
Eine Sache der Genossenschaften
Ob und in welchem Ausmass nun tatsächlich Jobs wegfallen werden, dazu könne die Migros keine konkreten Angaben machen. Spricht man bei Preissenkungen und Auslistungsaktionen mit einer Stimme, verweist man beim heiklen Personalthema stets auf die zehn föderalistisch organisierten Teilgenossenschaften der Migros. «Das Ausmass eines allfälligen Abbaus bestimmen wir nicht konzernweit», erklärt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Folgende grenznahe Teilgenossenschaften würden unter hohen Lohnkosten und der Abwanderung der Konsumenten besonders leiden: Das sind die Genossenschaften Basel, Genf, Ostschweiz und Tessin. «Ob es Alternativen zu Jobkürzungen gibt, müsste man die jeweilige Genossenschaft fragen, weil das in deren Kompetenzbereich liegt.»
Das Kostenargument hingegen kommt von der Konzernleitung: «Die Lohnkosten sind bei uns der grösste Kostenblock», sagt Migros-Sprecherin Martina Bossard. Insgesamt wendet die Migros laut dem eigenen Geschäftsbericht mehr als 70 Prozent ihrer gesamten Netto-Wertschöpfung zugunsten der Mitarbeiter auf. Konkret: Von 4,9 Milliarden Franken Personalaufwand entfallen rund 3,8 Milliarden auf die Lohnsumme, der Rest sind Arbeitgeberbeiträge. Parallel dazu verweist die Migros darauf, dass die Löhne von 2001 bis 2010 real um 12,4 Prozent angehoben wurden. Fakt ist aber auch, dass die Lohnsumme von 2009 auf 2010 nicht gestiegen, sondern gesunken ist. Und zwar um 0,1 Prozent. Parallel dazu sind die gesamten Personalkosten um drei Millionen Franken gestiegen und mit 4,9 Milliarden Franken fast auf Vorjahresniveau.
So gesehen kommen auch für den Geschäftsführer des Verbands der Lebensmittelhändler, Hans Liechti, die Aussagen von Bolliger zu allfälligen Jobkürzungen «sehr unschön daher». Das sei eine Mischung aus «Drohung und Vollzug». Überrascht ist Liechti aber nicht: «Die Gedankengänge sind nicht unlogisch. Potenzielle Massnahmen würden sich aber wohl nur auf die Grenzregion beschränken.»
Coop wartet ab
Ob Coop mit Massnahmen gleichziehen wird, steht noch nicht fest. Das Unternehmen will weiter abwarten, «wie sich Umsatz, wirtschaftliches Umfeld und Devisen entwickeln», heisst es auf Anfrage. Genaue Angaben, welcher Anteil an Umsatzschwankungen nun tatsächlich mit dem Eurokurs zusammenhänge, lassen sich anhand der Kassendaten ohnehin nicht machen, heisst es dazu aus der Branche. Es seien einerseits Schweizer Kunden, die vermehrt in den Nachbarländern einkaufen, andererseits kommen weniger Einkaufstouristen aus den angrenzenden Gebieten in die Schweiz, die auch in Franken bezahlt haben.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.08.2011, 20:58 Uhr
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37 Kommentare
Vor langer langer Zeit gab es noch Unternehmungen welche ihre Geschäfte nach Ehre, Treu und Glauben ausrichteten. Und gemeint ist jene Ehre mit welcher das Wort EHRLICHKEIT beginnt. Heute lassen sich unsere Unternehmungen ihre Unfähigkeit ehrliche und solide Geschäfte zu betreiben vom Konsumenten und vom Steuerzahler finanzieren. Schande!!! Antworten
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