Doppelt so viele direkt importierte Autos verkauft
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 06.09.2011 4 Kommentare
Für Schnäppchenjäger ist Bern noch kein gutes Pflaster
Wer einen Direktimporteur sucht, der Neuwagen zu EU-Preisen verkauft, kann sich beim Verband freier Autohandel Schweiz schlaumachen (www.vfas.ch). Im Kanton Aargau, insbesondere aber in Zürich findet man mittlerweile eine ganze Reihe grosser markenunabhängiger Autoimporteure mit breitem Angebot. Zu den grössten gehören Auto-Discount Uster in Uster oder Auto Steiner in Zürich. Im Aargau dürfte Auto Kunz der grösste und wohl bekannteste sein. Im Kanton Bern findet man auf der Liste bloss knapp ein halbes Dutzend, und die meisten von ihnen sind stark spezialisiert. So die Garage Vogels in Lyssach, sie importiert amerikanische Marken. Dann gibt es noch das Auto-Center in Zollikofen.
Im Gegensatz zu den grossen Direktimporteuren im Raum Zürich hat es kaum Neuwagen an Lager. Das Geschäftskonzept des Centers funktioniert in etwa so: Der Kunde kann ein Auto einer beliebigen Marke bestellen, und die Garage wickelt dann den Direktimport zum günstigen EU-Preis ab.
Milliardenverlust der Markenvertreter
Bei Auto Schweiz, dem Verband der offiziellen Importeure, anerkennt man die neue Konkurrenz nun: «Mit Direktimporteuren haben wir bedingt durch den Euro und andere schwache Währungen innert eines Jahres eine nicht mehr vernachlässigbare Konkurrenz bekommen», sagt Auto-Schweiz-Sprecher Andreas Burgener. Die Umsatzeinbussen der offiziellen Autoimporteure bewegen sich in der Grössenordnung von einer Milliarde Franken. Burgener versucht hervorzuheben, welche Vorteile Kunden geniessen, wenn sie einen Neuwagen bei einem offiziellen Markenvertreter kaufen: «Die offiziellen Importeure vieler Marken bieten spezielle Schweizer Pakete wie Garantieverlängerungen, Gratisservice sowie Sonderausstattungen wie zum Beispiel spezielle Felgen oder Musikanlagen.» Allerdings: Auch wer sein Auto nicht beim Markenvertreter, sondern bei einem Direktimporteur kauft, hat die regulären Garantieansprüche sowie die Möglichkeit, sein Auto bei einem Markenvertreter in den Service zu bringen.
Die offiziellen Automarkenvertreter in der Schweiz kommen plötzlich ganz schön unter Druck. Bislang war es ihnen gelungen, die Konkurrenz der freien Importeure weitgehend vom Markt fernzuhalten. Wegen des fehlenden Wettbewerbs konnten sie für ihre Neuwagen in der Schweiz speziell hohe «Schweizer Preise» diktieren. Wer ein neues Auto kauft, zahlt beim Markenvertreter gut und gerne ein Viertel mehr, als er für das genau gleiche Auto etwa in Deutschland bezahlt hätte.
Sprunghafter Anstieg
Praktisch über Nacht bekamen die offiziellen Importeure nun ernsthafte Konkurrenz von jenen Importeuren, die die Neuwagen nicht über die offiziellen Vertriebskanäle in die Schweiz einführen: Die Zahl der direkt importieren Personenwagen hat sich innert eines Jahres mehr als verdoppelt. Oder anders ausgedrückt: Jene Importeure, welche Autos inoffiziell bei Zwischenhändlern im Ausland kaufen und in der Schweiz zu günstigen EU-Preisen verkaufen, konnten ihren Marktanteil von 2,9 auf 6,3 Prozent steigern.
Statistik eigentlich geheim
Selbst bei Auto Schweiz, dem Verband der offiziellen Autoimporteure, muss man nun wohl oder übel einräumen, dass da eine nicht mehr zu vernachlässigende neue Konkurrenz herangewachsen ist (siehe Text unten).
Diese Direktimportstatistik stammt vom Verband Auto Schweiz. Wenig erstaunlich ist, dass der Verband die Statistik im Gegensatz zur offiziellen Gesamtmarktstatistik mit den Vermerken «nur für internen Gebrauch» und «darf nicht veröffentlicht werden» versehen hat. So geheim wie Auto Schweiz die Zahlen der Direktimporte behandelt, wären sie indessen nicht: Der Verband bezieht sie hochoffiziell vom Bundesamt für Strassen, welches diese für eine Gebühr von rund 2500 Franken liefert.
Der Anteil der direkt importierten Fahrzeuge dürfte sogar noch höher sein als die in der Statistik ausgewiesenen 6,2 Prozent. Insider schätzen den effektiven Anteil der direkt importierten Neuwagen auf circa 10 Prozent. Der Grund: All jene Neuwagen, die im Verlauf des Importprozederes für einige wenige Tage zuerst in einem EU-Land eingelöst wurden, werden von der Statistik nicht erfasst. Statistisch nicht erfasst ist, wie viele Private ihr Auto gleich selber im Ausland kauften und für den Eigengebrauch importierten. Doch der Anteil dürfte klein sein, weil die Importabwicklung kompliziert ist.
Nach wie vor ein Problem
Trotz des sprunghaften Anstiegs der Direktimporte ist der Anteil der zu günstigen EU-Preisen direkt importierten Neuwagen über alles gesehen nach wie vor tief. Deshalb ist auch die Zahl der markenunabhängigen Garagisten, welche direkt importierte Neuwagen zu EU-Preisen verkaufen, überschaubar (siehe Zweittext).
Der Hauptgrund dafür: Die Lobby der offiziellen Markenvertreter und Autohersteller ist mächtig. Sie kennt viele Mittel, Direktimporteuren das Leben schwerzumachen. So verbieten viele Autohersteller ihren Zwischenhändlern in EU-Ländern, Autos zu EU-Preisen an Schweizer Importeure zu verkaufen. Halten sich die ausländischen Zwischenhändler nicht daran, werden sie vom Autohersteller oft sanktioniert und im Extremfall nicht mehr beliefert. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.09.2011, 06:57 Uhr
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4 Kommentare
Ich kann den Direktimport nur empfehlen und zwar "auf eigene Faust" - wir haben bisher drei Neuwagen in der Schweiz gekauft (BMW, Audi, VW). Beim Kauf des neuen Porsches beim offiziellen PZ in Lörrach sparen wir rund 20%. Import, Zoll, MwSt., etc. wird ebenfalls direkt durch den Verkäufer organisiert so dass wir das Auto sammt Nummernschilder abholen können. Antworten
Ich habe mein Audi im DE gekauft und sparte nach allen Abzügen 13889.- Fr.! Ebenso kaufte ich mir ein neues Motorrad von BMW. Auch da sparte ich in allem 6366.- Fr.! In der Homepage des K-Tips ist eine Anleigung vorhanden, wie man am einfachsten vorgehen muss. Noch Fragen? Antworten
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