Wirtschaft

«Diese implizite Staatsgarantie muss gekappt werden»

Thomas Jordan ist überzeugt, dass die geplanten schärferen Vorschriften für Grossbanken übermässige Boni-Auszahlungen verhindern. Der SNB-Vize nennt zudem die Regionen, in denen eine Hypothekarblase droht.

«Es geht um die Wiederherstellung marktwirtschaftlicher Verhältnisse»: Thomas Jordan.

«Es geht um die Wiederherstellung marktwirtschaftlicher Verhältnisse»: Thomas Jordan.
Bild: Keystone

Der zweite Mann der Nationalbank

Thomas Jordan ist bei der Schweizer Nationalbank der zweite Mann hinter Präsident Philipp Hildebrand. Der 47-Jährige trat 1997 als wissenschaftlicher Berater in die SNB ein, nachdem er an der Uni Bern promovierte und seine Habilitationsschrift an der Harvard University ablegte.

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«Ein wesentlicher Teil der aufgegleisten Reform ist, dass die Kapitalvorschriften für das so genannte Handelsbuch verschärft werden», sagte Thomas Jordan der «SonntagsZeitung». Betroffen sei nicht nur der Eigenhandel, sondern alle handelbaren Positionen, die bis dato sehr schwach mit Kapital hätten unterlegt werden müssen.

«Eigenhandel wird schrumpfen»

«Dies wird das Halten dieser Positionen für die Banken verteuern», sagte Jordan. Der Eigenhandel werde schrumpfen, weil das Investmentbanking künftig mehr für das Geld aus der Vermögensverwaltung für Reiche (Private Banking) zahlen und erst noch das Risiko mit mehr Eigenmitteln unterlegen müsse.

Die gegenwärtige Situation sei völlig inkompatibel mit der Marktwirtschaft. «Banken, die als systemrelevant gelten, konnten durch die implizite Staatsgarantie billiger Geld aufnehmen, wurden also vom Staat subventioniert.»

Staatsgarantie kappen

«Diese implizite Staatsgarantie muss gekappt werden, um die Problematik des zu gross, um fallengelassen zu werden» (sog. too big to fail) zu entschärfen», sagte Thomas Jordan gegenüber der «SonntagsZeitung». Es gehe um die Wiederherstellung der marktwirtschaftlichen Verhältnisse.

Wie streng die Schweizer Regeln ausfielen, hänge davon ab, wie stringent die internationalen Regeln festgelegt würden, sagte Jordan. Er ist auch Vizepräsident der Expertengruppe des Bundesrates, die Vorschläge ausarbeitet, wie die Schweiz mit systemrelevanten Grossbanken umgehen soll.

Der Bundesrat hatte am vergangenen Donnerstag die Frist für die Vorlage des Expertenberichts um einen Monat auf Ende September verlängert. Bis dann soll bekannt sein, wie weit das Regulierungspaket des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel III) geht.

Warnungen vor Hypoblase

Erneut warnte der SNB-Vizepräsident vor einer Hypothekarblase in der Schweiz: Das Risiko bestehe, auch wenn zur Zeit Signale für eine Überhitzung nur in bestimmten Segmenten und Regionen zu beobachten seien wie beispielsweise der Zürcher Goldküste oder am Genfersee.

Gleichzeitig habe das Volumen von Hypothekarkrediten relativ stark zugenommen und sei selbst in der Krise nicht geschrumpft. «Da bildet die Schweiz eine Ausnahme», sagte Jordan. Eine wichtige Rolle spiele neben den tiefen Zinsen auch der intensive Wettbewerb unter den Banken.

Deshalb seien die Banken sehr risikofreudig und begnügten sich im Hypothekargeschäft mit sehr tiefen Gewinnmargen. «Einige Banken gehen mitunter von kalkulatorischen Zinsen aus, die wir als zu tief erachten», sagte Jordan: Zum Teil würden Immobilien auch zu über 80 Prozent ihres Wertes belehnt.

Beschränkungen möglich

Ideal wäre es, wenn die Banken von sich aus Gegensteuer geben würden. «Die expansive Geldpolitik, die wir auch im Hinblick auf die Stabilität des Finanzsystems fahren mussten, darf nicht über die Hypotheken zu Instabilitäten im Bankensystem führen», sagte Jordan.

Handlungsbedarf für die SNB (SNBN 1097 1.48%) und die Finanzmarktaufsicht (Finma) sei gegeben, wenn Hypothekarkredite nicht bloss in Einzelfällen zu grosszügig gewährt würden. Falls man sich nicht so schnell von der Tiefzinspolitik verabschieden könne, würden als Gegenmassnahmen Belehnungsgrenzen und Tragbarkeitskriterien geprüft. (mrs/sda/)

Erstellt: 29.08.2010, 15:56 Uhr

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