Diebesbanden plündern Lastwagen auf Autobahnen
Von Alex Hämmerli. Aktualisiert am 13.07.2009 10 Kommentare
Raub und Diebstahl werden für Schweizer Spediteure zum Problem. Allein im Juni haben Kriminelle drei Lastwagen des Transportunternehmens Hanspeter Brütsch auf französischen Rastplätzen aufgeschlitzt und Waren entwendet. Auch andere Transportunternehmen, die international tätig sind, bleiben nicht verschont. Sie wollen sich allerdings aus Imagegründen nicht zu konkreten Fällen äussern.
Betroffen sind nicht nur Schweizer Frachtbetriebe: 2007 verursachte die Transportkriminalität europaweit Verluste von über 12 Milliarden Franken, so ein Gutachten des Verkehrsausschusses des EU-Parlaments. Der Schaden dürfte dieses Jahr einiges höher sein, denn «die Übergriffe in der Branche haben in den letzten zwei Jahren extrem zugenommen», sagt Stefan Heine, Risikomanager beim deutschen Transportunternehmen Hellmann. «Die Problematik geht inzwischen so weit, dass organisierte Banden gar das Prinzip des freien Warenverkehrs in Europa gefährden», warnte Rob Wainwright, Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol, kürzlich in Den Haag.
Ebenso innovativ wie brutal
Die Methoden der Kriminellen, die meist in Banden mit mafiaähnlichen Strukturen organisiert sind, werden raffinierter und dreister. Um Lastwagen anzuhalten, inszenieren sie Unfälle oder täuschen in Polizei- oder Zolluniformen eine Verkehrskontrolle vor. Auch vor Waffengewalt schrecken sie nicht zurück. «Weil die Kriminellen ebenso innovativ wie brutal vorgehen», so Europol-Direktor Wainwright, «ist eine stärkere Zusammenarbeit der EU-Staaten erforderlich.»
Schuld an der neusten Verschärfung des Problems sei nicht zuletzt der wirtschaftliche Abschwung, erklärte Michael Wortmann, Geschäftsführer von Compass Security Logistik, jüngst an einer Fachveranstaltung in Deutschland.
Lukrativ wie Drogenhandel
Wie stark die Kriminalität im Transportbereich in den letzten Jahren zugenommen hat, zeigt exemplarisch die Kriminalitätsstatistik des Bundeslandes Baden-Württemberg, das direkt an der Grenze zur Schweiz liegt. Dort hat sich die Zahl der angezeigten Ladungsdiebstähle von 2006 bis 2008 von 19 auf 115 Fälle versechsfacht.
Ob der Rest Deutschlands oder die Schweiz diesen Trend in einem vergleichbaren Ausmass mitmacht, ist unklar, denn die Datenlage ist dürftig. Entwarnung gibt es zumindest in Zürich: Hier sei die Transportkriminalität kein Thema, lässt die Polizei verlauten.
Ganze Lastzüge verschwinden
International besonders gefährdet sind Transporte mit Gütern, die Kriminelle leicht absetzen können. Dazu gehören Handys, Zigaretten, Markenkleider oder Alkoholika. Die Vorteile liegen laut Europol auf der Hand: Der Verkauf von «heissen Produkten» sei so lukrativ wie der Drogenhandel, berge aber weniger Risiken. Häufiger geworden sind auch Übergriffe auf Metalltransporte. «Die hohen Rohstoffpreise wecken Begehrlichkeiten», sagt Walter Köpf, Geschäftsführer der Logistikgruppe Hunold.
Vor allem in Italien habe das «Trucknapping», wie man den Diebstahl ganzer Lastzüge im Fachjargon nennt, stark zugenommen, klagt Köpf. Das deutsche Bundeskriminalamt spricht von mehreren Hundert Fällen pro Jahr. Tatorte seien meist Rastplätze an italienischen Autobahnen. Trucknapping macht gemäss Europol 60 Prozent der in der EU erfassten Überfälle auf Gütertransporte aus. Die meisten Übergriffe in Westeuropa zählt Grossbritannien. Die dort eigens gegründete Polizeistelle Truck Pol schätzt den Schaden für die britische Wirtschaft auf rund 1,5 Milliarden Franken. Weitere Hotspots der Transportkriminalität sind Frankreich, Polen, Holland und Belgien (siehe unsere Karte).
Rumänien an der Spitze
Mit Abstand am grössten ist die Gefahr laut Europol allerdings in Rumänien, nirgends sonst geschehen so viele Attacken auf Lastwagen. «Osteuropa ist für Transportfirmen generell unsicher», bestätigt Hunold-Chef Köpf. Erhalten Logistikunternehmen einen Auftrag für einen Transport in dieser Region, setzen sie fast nur noch ortskundige Fahrer ein, die sichere Routen und Rastplätze kennen und die meist weniger Probleme an den Grenzen haben. In besonders heiklen Fällen, etwa bei Handytransporten, werden die Aufträge oft an Firmen weitergereicht, die auf Sicherheitstransporte spezialisiert sind. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.07.2009, 11:32 Uhr
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10 Kommentare
Die "Plünderei"ist bestens organisiert, geht schon lange so. Verluste in immenser Höhe sind vorprogrammiert.Z.B. in Norditalien können die Besitzer ihre Ware auf den lokalen Märkten wieder zurückkaufen!Die Banden sind so gefährlich, dass sich niemand traut gegenzusteuern, da sie Angst haben Familienangehörige könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Antworten
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