«Die Strafen für Datendiebe sind viel zu milde»
Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 02.02.2010
Experte für Wirtschaftskriminalität: Gianfranco Mautone.
Datendieb: Hervé Falciani.
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Alles deutet darauf hin, dass Deutschland gestohlene Bankdaten möglicher Steuerhinterzieher kaufen wird. Falls der Informant erwischt wird, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine saftige Busse bis zu einer Million Franken. Dies sei zu wenig, findet Gianfranco Mautone, Leiter Forensic Services bei Pricewaterhouse Coopers (PWC).
«Die Strafen sind viel zu milde im Vergleich zu dem Geld, das die Datendiebe durch Verletzen des Bankgeheimnisses einheimsen können», sagte er gestern auf Anfrage. Der Informant im jüngsten Fall hat laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) der deutschen Finanzverwaltung Daten von 1500 Kapitalanlegern mit Schweizer Konten angeboten und dafür 2,5 Millionen Euro verlangt.
Mehr Datensicherheit nötig
Mautone sieht aber nicht nur auf Gesetzesstufe, sondern auch bei den Banken selbst Nachholbedarf: «Sie müssen ihre Systeme so einrichten, dass die Mitarbeiter die Kundenlisten nur noch ansehen und nicht abspeichern oder ausdrucken können.» Heute seien die Daten nur in den allerseltensten Fällen geschützt, obwohl dies technisch leicht zu bewerkstelligen sei. Und was, wenn ein Mitarbeiter die Daten einfach vom Bildschirm abschreibt? «Der Wert einer handgeschriebenen Liste ist viel kleiner, weil sie weniger glaubwürdig und weniger authentisch ist», sagt Mautone.
Weitere Fälle möglich
Der Experte für Wirtschaftskriminalität warnt davor, dass Beispiele wie der aktuelle Datenklau Schule machen könnten – «sofern es zur Gewohnheit wird, dass andere Länder für solche Informationen zahlen». Immerhin zeige der Blick auf Deutschland, dass das Thema auch dort kontrovers diskutiert werde. «Im Prinzip stehen sich rechtsstaatliche und rein ökonomische Überlegungen gegenüber», erklärt Mautone. «Die einen argumentieren mit dem Rechtsstaat, der nicht illegale Daten erwerben dürfe. Die anderen finden, es lohne sich, für 2,5 Millionen Euro 100 Millionen Euro Nach- und Strafsteuern zu gewinnen.»
Keine Spitzel zu befürchten
Die Befürchtung, dass in Zukunft ausländische Staaten vermehrt «Maulwürfe» in Schweizer Banken einschleusten, um an die Daten möglicher Steuersünder zu kommen, verweist der Experte in den «Krimibereich». Er räumt aber ein, dass für Schweizer Bürgerinnen und Bürger die Hemmschwelle höher sei, an ein anderes Land Informationen zu verkaufen. Mautone erklärt: «Falls ein Deutscher oder ein Italiener mit illegal erworbenen Steuerdaten in seine Heimat zurückkehrt, wird er dort wahrscheinlich als Held gefeiert. Er würde wohl kaum an die Schweiz ausgeliefert werden.» Dabei sei doch vor allem eines wichtig: «Dass die Täter konsequent strafrechtlich verfolgt werden.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.02.2010, 11:14 Uhr
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